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Zukünftige Energieversorgung : „Atomkraft ist Teil der Lösung“

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Ein Warnschild hängt an einem Fenster zu den Zerlegebereichen im Zwischenlager des Atomlager-Betreibers Energiewerke Nord. Bild: Picture-Alliance

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde wirbt für die Atomkraft als Mittel gegen den Klimawandel. Die Sicherheit der Anlagen müsse aber ernst genommen werden.

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          Die Atomkraft kann nach Überzeugung des neuen Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, im Kampf gegen den Klimawandel helfen. „Atomkraft ist nicht Teil des Problems. Sie kann für die, die das wollen, Teil der Lösung sein“, sagte Grossi am Montag in Wien unmittelbar nach seiner Amtseinführung. Er werde den Klima-Gipfel in Madrid besuchen, um diese Botschaft zu verbreiten, so der argentinische Diplomat.

          Im Gegensatz zu manchen Prognosen nehme der Einsatz der Kernkraft weltweit zu. Grossi verwies auf rund drei Dutzend Atomkraftwerke, die in den vergangenen Jahren in Betrieb gegangen seien. Die Sorgen der der AKW-Kritiker wegen der Sicherheit der Anlagen müssten ernst genommen werden. Daher werde die IAEA, die als autonome Organisation über ein Abkommen den Vereinten Nationen angegliedert und Kontrollorgan des Atomwaffensperrvertrages ist, weiter an den hohen Standards arbeiten, die die Betreiber einhalten müssten, so Grossi.

          Höchste Sicherheitsstandards

          Kernergie ist CO2-frei – Deutschland hält Atomkraftwerke aber für keine nachhaltige Form der Energieerzeugung und will bis Ende 2022 aus der Atomkraft aussteigen. Der Ausstieg war in Deutschland nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima 2011 endgültig beschlossen worden. Aktuell sind weltweit rund 450 Reaktoren in Betrieb.

          Mehr als 50 sind laut IAEA in Bau, die meisten davon in Asien. Der deutsche Weg eines Ausstiegs aus der Kernenergie findet zur Zeit wenig Nachahmer. Grossi folgt auf den Japaner Yukiya Amano, der im Sommer gestorben war. Die IAEA überwacht weltweit die zivilen Atomprogramme und spielt eine Schlüsselrolle bei der Kontrolle der Umsetzung des Atom-Deals mit dem Iran.

          Vergangene Woche hatte auch der scheidende EU-Kommissar Günther Oettinger einen offeneren Umgang mit der Atomenergie gefordert. „Ich glaube, dass auf der Welt so viel Strom gebraucht wird, dass man im Grunde genommen nicht kategorisch auf irgendeine Technik verzichten wird können“, sagte der CDU-Politiker in Brüssel. Den deutschen Ausstieg aus der Kernkraft respektiere er, gleichzeitig müsse man aber sehen, dass er kaum Nachahmer gefunden habe. Wichtig seien höchste Sicherheitsstandards.

          Noch längere Zeit aus Nachbarländern 

          Oettinger verwies darauf, dass in Frankreich noch immer rund 70 Prozent der Energie aus Atomkraftwerken komme und dass in Ländern wie Ungarn und Großbritannien neue Meiler im Bau oder in der Planung seien. Darüber hinaus gebe es das Projekt für den Kernfusionsreaktor Iter, an dem neben der EU auch Amerika, China, Südkorea, Japan, Russland und Indien beteiligt seien.

          Nach Einschätzung von Oettinger könnte Deutschland nach der Abschaltung seiner letzten Kernkraftwerke im Jahr 2022 noch längere Zeit Atomstrom aus Nachbarländern nutzen müssen, um den Bedarf vor allem im Süden zu decken. „Dann werden wir merken, wie wichtig es ist, europäische Partner zu haben und einen Strombinnenmarkt“, sagte der frühere baden-württembergische Ministerpräsident. „Dann wird ein Auto in Karlsruhe mit Kernkraftstrom aus Frankreich umweltfreundlich fahren.“

          Als Hintergrund eines solchen möglichen Szenarios nannte Oettinger den nur langsam vorankommenden Ausbau der Stromnetze in Deutschland, die künftig zum Beispiel an Nord- und Ostsee erzeugte Windenergie nach Bayern oder Baden-Württemberg transportieren sollen. Dort sitzen viele industrielle Großabnehmer.

          Der Ausstieg aus der Atomenergie war in Deutschland nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima im Jahr 2011 endgültig beschlossen worden. Im Zuge der sogenannten Energiewende sollen nun Kohle, Gas und Atomkraft durch Ökostrom aus Wind- und Sonnenenergie ersetzt werden. 2022 soll das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen.

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