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IAB-Studie : Die meisten Kriegsflüchtlinge haben keine Berufsausbildung

Ein Schild zeigt den Weg: Flüchtlinge aus Syrien im österreichischen Julbach nahe der deutschen Grenze. Bild: dpa

Die berufliche Qualifikation der Flüchtlinge ist deutlich niedriger als bei den Deutschen, sagt eine neue Studie. Schon hier lebende Ausländer seien ebenfalls meist besser ausgebildet.

          Die Suche nach Arbeit in Deutschland dürfte für die meisten Flüchtlinge Jahre dauern. Die berufliche Qualifikation der Flüchtlinge ist nicht nur deutlich niedriger als bei den Deutschen, sondern auch als bei hier lebenden Ausländern, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht. Bei der schulischen Bildung sei das Gefälle geringer, schreiben die Wissenschaftler der Bundesagentur für Arbeit.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Die Untersuchung bezieht sich auf die ersten acht Monate dieses Jahres. In diesem Zeitraum sei die ausländische Bevölkerung nach Angaben des Ausländerzentralregisters um fast 490.000 Personen gewachsen. Hinzu kämen Flüchtlinge, die noch nicht erfasst seien. Im System für die „Erstverteilung von Asylbegehrenden“ seien bis Ende August 414.000 neue Flüchtlinge erfasst worden, beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wurden parallel 231.000 neue Asylanträge gestellt. Die Schere zwischen der Erfassung und den gestellten Anträgen gehe immer weiter auseinander, halten die Wissenschaftler fest.

          Jeder Zweite ist jünger als 25 Jahre

          In den vergangenen Jahren waren die neuen Zuwanderer nach Deutschland im Durchschnitt teilweise sogar besser qualifiziert als die einheimische Bevölkerung. So hatten zuletzt 37 Prozent einen Hochschulabschluss, während es in der deutschen Bevölkerung 21 Prozent sind. Der Trend droht sich nun aber umzukehren. Unter den Arbeitslosen aus den wichtigsten Asylherkunftsländern hatten 80 Prozent keine Berufsausbildung, aus den Kriegs- und Bürgerkriegsländern waren es sogar 87 Prozent. Am deutschen Arbeitsmarkt tragen Geringqualifizierte das größte Risiko. „Die Flüchtlingsmigration führt aber zu sinkenden Beschäftigungsquoten und, schrittweise, zu steigender Arbeitslosigkeit der ausländischen Bevölkerung“, schreiben die Wissenschaftler.

          Positiv sei allerdings das niedrige Durchschnittsalter der Flüchtlinge: Gut jeder Zweite (55 Prozent) ist jünger als 25 Jahre. Hier bestehe ein erhebliches Potential, dass durch Investitionen in Bildung und Ausbildung qualifiziert werden könne. Dennoch bleibe die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt ein langwieriges Unterfangen: Erst 15 Jahre nach dem Zuzug ließen sich keine Unterschiede zu anderen Gruppen feststellen.

          Die Arbeitsmarktforscher sagen deshalb voraus, dass die Beschäftigungsquoten unter Flüchtlingen mit anhaltendem Zustrom sinken werden, während die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe zumindest kurzfristig steigen wird. Dies wird Folgen für die gesamte Wirtschaft haben: Der Zuwachs um rund 130.000 arbeitslose Flüchtlinge 2016 werde auch zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit insgesamt um 70.000 führen.

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