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Bewerbermangel : Mehr als jeder dritte Ausbildungsplatz nicht besetzt

Ein Auszubildender und zwei Dachdecker bei der Arbeit Bild: dpa

Die Krise am Ausbildungsmarkt verschärft sich weiter: Vor allem kleinere Betriebe und der Bau tun sich schwer, Nachwuchs zu finden. Der Grund dafür ist zwar simpel, hat aber gravierende Folgen.

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          Deutschland sucht händeringend Fachkräfte – doch viele Ausbildungsbetriebe tun sich schwer, Nachwuchs zu gewinnen. So waren kurz nach dem Start des neuen Ausbildungsjahres noch fast 40 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt, wie eine am Donnerstag veröffentlichte repräsentative Betriebsbefragung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergeben hat.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft und zuständig für „Die Lounge“.

          Als wesentliche Gründe geben die Betriebe einen Mangel an Bewerbungen oder geeigneten Kandidaten an. Der Umfrage zufolge haben 36 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe für das neue Ausbildungsjahr Lehrstellen angeboten, von denen konnten jedoch nur 61 Prozent besetzt werden.

          In kleineren Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern blieb sogar fast jeder zweite Ausbildungsplatz unbesetzt. Darüber hinaus haben vor allem das Baugewerbe (60 Prozent unbesetzte Ausbildungsplätze) und der Groß- und Einzelhandel (43 Prozent) Schwierigkeiten. Beide Branchen hatten auch schon vor der Pandemie Nachwuchssorgen, weil die Löhne nach der Ausbildung eher niedrig sind und Arbeitsbedingungen als nicht sehr attraktiv gelten.

          Die Situation dürfte sich inzwischen etwas verbessert haben, da die Umfrage, zwischen dem 6. und dem 20. September stattfand – inzwischen dürften noch zahlreiche Ausbildungsverträge geschlossen worden sein. Dennoch setzt sich die Entwicklung aus dem vergangenen Jahr fort. 2020 sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

          „Dramatische Folgen möglich“

          „Wir sind in einer Corona-Krise der Ausbildung, die dramatische Folgen haben könnte“, sagte IAB-Direktor Bernd Fitzenberger – sowohl für das Fachkräftepotenzial in Deutschland, als auch für die Lebenszufriedenheit junger Menschen. Das IAB befragt für die Studie jeden Monat 1500 bis 2000 Betriebe. 17 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe schlossen weniger oder keine, nur 10 Prozent mehr Ausbildungsverträge ab als vor der Krise. Unter den größeren Betrieben hat sogar fast die Hälfte weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als noch vor zwei Jahren.

          Knapp die Hälfte der betroffenen Betriebe nennt in der Befragung als Hauptgrund einen allgemeinen Mangel an Bewerbungen, unter dem wiederum kleinere Betriebe besonders stark leiden. Als zweithäufigste Ursache wird ein Mangel an geeigneten Bewerbungen genannt. Weniger relevant sind den Betrieben zufolge Rückgänge des betrieblichen Ausbildungsplatzangebotes.

          Das lässt sich auch aus den offiziellen Daten der Bundesagentur für Arbeit herauslesen, die mit den IAB-Daten nicht deckungsgleich sind, weil den Arbeitsagenturen nicht alle Ausbildungsplätze gemeldet werden. Während die Zahl der gemeldeten Bewerber bis Ende September gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch einmal um 8,3 Prozent abnahm, auf 433.000, schrumpfte die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze weniger stark: um 3,4 Prozent auf 496.000. Nach Arbeitsagentur-Angaben waren Ende September noch 63.200 oder knapp 13 Prozent der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze unbesetzt.

          Fitzenberger rief die Betriebe dazu auf, kompromissbereiter zu sein. „Wir können es uns eigentlich nicht leisten, Jugendliche, die sich bewerben, nicht einzustellen“, sagte er. Er plädierte zudem dafür, mehr Praktika sowie die von der Bundesagentur für Arbeit geförderte Einstiegsqualifizierung anzubieten beziehungsweise zu nutzen. Ein wesentlicher Grund für die Krise am Ausbildungsmarkt ist nach Ansicht vieler Fachleute, dass Praktika und Ausbildungsmessen wegen des langen Lockdowns kaum stattfanden, sodass interessierte Schulabgänger weniger Möglichkeiten hatten, die Betriebe kennenzulernen. Wegen der hohen Unsicherheit über die künftige Entwicklung der Krise bleiben zudem offenbar viele Jugendliche länger im Schulsystem oder beginnen ein Studium.

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