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Umfrage unter Arbeitsagenturen : Abwärtstrend am Arbeitsmarkt weitgehend gestoppt

Wartezimmer in einem Jobcenter Bild: dpa

Hoffnungsschimmer am Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit dürfte in den kommenden Monaten nicht mehr stark steigen. Doch die Arbeitsagenturen schulen ihre Mitarbeiter für eine mögliche Insolvenzwelle.

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          Der deutsche Arbeitsmarkt dürfte die gravierendsten Auswirkungen der Corona-Krise erst einmal hinter sich haben. Nachdem die Arbeitslosigkeit im April und Mai kräftig gestiegen war, hatte sie schon im Juni nur noch vergleichsweise wenig zugelegt.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unter allen Arbeitsagenturen in Deutschland deutet nun darauf hin, dass es auch in den kommenden Monaten nicht zu weiteren deutlichen Verschlechterungen kommen wird. „Der Negativtrend am Arbeitsmarkt scheint weitgehend gestoppt zu sein. Die Arbeitsagenturen erwarten, dass das Gröbste vorerst geschafft ist“, sagte Enzo Weber, Leiter des zuständigen Forschungsbereichs am IAB.

          Der Frühindikator des Instituts beruht auf zwei Komponenten. Zum einen gibt er eine Prognose über die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen für die jeweils kommenden drei Monate ab. Diese Komponente sprang im Juli so stark wie noch nie seit Beginn der Datenreihe im Jahr 2008: um 3,7 Punkte auf 97,7. Das ist auf der Skala von 90 bis 110 zwar nach wie vor ein vergleichsweise niedriges Niveau. Es bedeutet aber, dass die Arbeitslosigkeit erst einmal nicht mehr stark steigen dürfte. Zum anderen gibt der Indikator eine Vorhersage der Beschäftigungsentwicklung ab. Auch diese Komponente kletterte kräftig auf 98 Punkte.

          „Wir sind noch nicht durch“

          Für die weitere Entwicklung am Arbeitsmarkt bestünden aber nach wie vor Risiken, etwa wenn sich das Infektionsgeschehen wieder verschärfen sollte, sagte Weber. Auch der für das operative Geschäft der Bundesagentur für Arbeit zuständige Vorstand Daniel Terzenbach hatte im Interview mit der F.A.Z. zuletzt betont: „Wir sind noch nicht durch.“ Seinen Aussagen zufolge bereitet sich die Behörde auf eine mögliche Insolvenzwelle im Herbst vor. Noch seien die Zahlen unauffällig, weil Unternehmen durch eine gesetzliche Sonderregelung bis Ende September keinen Insolvenzantrag stellen müssen. „Aber wir wappnen uns für den Fall des Falles und schulen schon jetzt unsere Mitarbeiter in den Arbeitsagenturen für das Bearbeiten von Anträgen auf Insolvenzgeld.“

          Arbeitsmarktforscher Weber plädiert zudem dafür, nicht nur den Erhalt bestehender Arbeitsplätze über das Kurzarbeitergeld zu fördern, sondern auch Neueinstellungen  – etwa indem bei neuen Stellen die Arbeitgeber zeitweise keine Sozialbeiträge zahlen müssen, sondern diese stattdessen aus dem Bundeshaushalt finanziert werden. Dafür hatte sich kürzlich in einem Fünf-Punkte-Plan für den Arbeitsmarkt auch die FDP ausgesprochen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte darauf bisher ablehnend reagiert.

          Am Donnerstag gibt die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitsmarktzahlen für Juli bekannt. Die Behörde geht nach eigenen Angaben nicht mehr davon aus, dass die Drei-Millionen-Marke im Sommer überschritten wird. Im Juni gab es in Deutschland 2,853 Millionen Arbeitslose, 637.000 mehr als ein Jahr zuvor. Im Mai dürften 6 Millionen Menschen in Kurzarbeit gewesen sein, nach 6,8 Millionen im April.

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