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IAA : Das Autodesign kommt immer öfter aus dem eigenen Haus

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Turiner Designgeschichte: Maserati Quattroporte von Pininfarina Bild: Hersteller

Die Stardesigner aus der italienischen Autostadt Turin, Pininfarina und Bertone, bekommen Konkurrenz. Doch das Turiner Design-Duo hat die Auto-Geschichte geprägt. Mit Bild für Bild.

          Die Tendenz der Autoindustrie zu schnelleren Modellwechseln und mehr Modellen für immer mehr Marktnischen, wie sie auf den Ständen der IAA zu beobachten ist, hätte in früheren Jahren der italienischen Autostadt Turin, dem wichtigsten Standort unabhängiger Unternehmen für Autodesign, fast automatisch üppig sprudelnde Aufträge und Gewinne gebracht.

          Solche Schlußfolgerungen sind nun nicht mehr selbstverständlich. Die Turiner - von denen Pininfarina und Bertone mit Ständen auf der IAA vertreten sind, während sich andere wie der Stardesigner Giorgetto Giugiaro nur mit einem Rundgang begnügte - erleben höchst unterschiedliche Entwicklungen der verschiedenen Unternehmen, aber auch ihrer drei wichtigsten Sparten Autodesign, technische Entwicklung und Kleinserienproduktion.

          Im Autodesign werden von den großen Marken nicht mehr so bedenkenlos wie früher die Aufträge für ein komplettes Automodell an Außenstehende vergeben. Viele Autohersteller haben ihre Design- und Entwicklungsabteilungen kräftig erweitert. Damit strebt jedes Unternehmen für seine Marken möglichst nach unverwechselbarer Identität. Sie wollen das Risiko vermeiden, daß außenstehende Designer ihre Formen weniger am Charakter einer Automarke ausrichten, sondern bei ganz verschiedenen Kunden immer wieder die gleiche Handschrift zeigen.

          Ebenfalls von Pininfarina: Peugeot 406 Coupé

          Sergio Pininfarina, der Doyen der Turiner Autodesigner, hat dies vor wenigen Tagen unfreiwillig deutlich gemacht, als er bei der Vorstellung des neuen Maserati "Quattroporte" in Modena sagte, "der Quattroporte ist einer der schönsten Pininfarina geworden", woraufhin der Ferrari- und Maserati-Chef Luca di Montezemolo sofort freundlich, aber energisch erwiderte, nein, es sei der schönste Maserati, mit Designvorlagen von Pininfarina. Noch mehr als Pininfarina wird in Turin dem Autodesigner Giorgetto Giugiaro nachgesagt, an seinen Autos sei immer die Handschrift zu erkennen, und weil aus seinem Haus die Formen von an die 80 Großserienautos verschiedenster Marken stammen, seien eben die Straßen voll mit Giugiaros.

          Fiat produziert Alfa Romeo selbst

          Das zweite Standbein der Turiner Traditionshäuser Pininfarina und Bertone, die Produktion von Nischenmodellen in Kleinserie, trägt im Moment am wenigsten. Zum einen sind die Produktionsanlagen der großen Hersteller flexibler geworden und können Großserienmodelle und Spezialversionen miteinander produzieren. Zum anderen haben diese wegen des flauen Marktes genügend freie Kapazitäten. Bertone bekommt dies gerade zu spüren, weil es noch keinen Anschlußauftrag gibt für die in etwa eineinhalb Jahren auslaufende Fertigung von Opel Astra Coupé und Opel Astra Cabrio. Dabei hatte man gehofft, den im eigenen Haus gezeichneten Alfa Romeo GT produzieren zu dürfen. Doch dies macht der Fiat-Konzern wohl nun selbst.

          Deutlich mehr gefragt als früher sind technische Entwicklungsleistungen, die aus einer festgelegten äußeren Form einen Bau- und Produktionsplan für ein ganzes Auto machen. Das Haus Giugiaro-Italdesign bestreitet damit schon lange 80 Prozent des Umsatzes, ähnlich wie das vierte Turiner Designstudio "Idea Institute". Nun will Pininfarina nachziehen und hat in ein großzügiges neues Entwicklungszentrum investiert.

          Fiat-Krise schädigt Zulieferer

          Mit der Auftragslage für Entwicklungsarbeiten, aber auch für Autodesign zeigen sich die Turiner Unternehmen dennoch zufrieden. Aufstrebende Autofirmen aus Südkorea, China oder Indien wollen mit ihrer Hilfe schneller den Anschluß an die etablierten Unternehmen der Branche schaffen. In Turin selbst suchte der Autohersteller Fiat Unterstützung, nachdem zuvor jahrelang die Aufträge an die Designer verringert worden waren und die Modellpalette veraltete. Nun sind dagegen schnellstmöglich neue Modelle gefragt. Der Ruf Turins als Autostadt hat zuletzt etwas gelitten, weil Fiat die illustren Namen der Designhäuser überschattet. Noch schwerer wiegt, daß die Fiat-Krise das Netzwerk von spezialisierten Zulieferern in der Karosseriebranche schädigt, das auch den großen Designhäusern hilft, flexibel und schnell zu sein.

          Bisher gibt auch Pininfarina zu, zeitweise an die 30 Prozent des Design- und Entwicklungsumsatzes an Zulieferer und Unterauftragnehmern in der Umgebung von Turin weiterzugeben. Nur in der Abgeschiedenheit streng abgeschirmter Studios der Designhäuser oder in der Verborgenheit von kleinen Spezialunternehmen zeigt sich nämlich, daß Turin nicht nur Zentrum des Autodesigns ist, sondern auch des Modellbaus: Keine andere Stadt der Welt liefert so viele schimmernde Styling-Studien für die IAA wie Turin. Doch auf all den Entwürfen klebt nicht der Name Turin, sondern das Logo eines Autoherstellers.

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