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IAA 2003 : Mercedes spürt den Modellzyklus

  • Aktualisiert am

Neue E-Klasse fängt beim Gewinnträger von Daimler-Chrysler viel auf

          2 Min.

          Die C-Klasse von Mercedes-Benz hatte im Frühjahr 2000 einen furiosen Start. Jetzt, gut drei Jahre später, ist die Luft schon wieder draußen. Die Absatzzahlen sind ziemlich dürftig, und nur weil die noch neue E-Klasse kräftig zulegt, kann man bei der Mercedes Car Group (mit den Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach) insgesamt noch zufrieden sein. Im ersten Halbjahr lag der gesamte Absatz mit 718 000 Autos um 1,3 Prozent unter Vorjahresniveau, für die E-Klasse aber meldete der Stuttgarter Hersteller bis Juli ein weltweites Absatzplus von 46 Prozent auf 177 500 Autos.

          Alles so geplant, betont man bei Daimler-Chrysler und spricht von einer ausgefeilten Lebenszyklus-Planung, die ganz genau das beabsichtigt: Daß ein Volumenmodell dann zu schwächeln beginnen darf, wenn sich ein anderes seinem Höhepunkt nähert. Für die nächsten zwei bis drei Jahre aber hat der Hersteller keine überragende Modellpalette, wenden Kritiker ein. Die E-Klasse wird vom neuen BMW-Fünfer gejagt werden. Die A-Klasse wird nur noch mit kräftigen Rabatten zu verkaufen sein, bevor im nächsten Jahr, voraussichtlich im Herbst, das Nachfolgemodell auf den Markt kommt. Für die M-Klasse ist ein Nachfolger erst im Jahr 2005 zu erwarten, für die S-Klasse 2006.

          Nicht viel Potential

          Wie sich die Marge von derzeit rund 6,5 Prozent also verbessern lassen könnte, ist nicht zu erkennen. Viel Potential gibt es zumindest vorläufig nicht. Da schaffen auch nicht die Modelle Abhilfe, die auf der IAA vorgestellt werden sollen: der Super-Sportwagen Mercedes SLR, der viersitzige Smart Forfour sowie ein viersitziges Coupé auf Basis der E-Klasse. "Mr. Mercedes", Daimler-Chrysler-Vorstand Jürgen Hubbert, richtet daher den Blick bereits weiter nach vorne und demonstriert damit wieder das gewohnte Selbstbewußtsein. Bis zum Jahr 2010, so kündigt er an, werde die Mercedes Car Group jährlich 1,8 Millionen Fahrzeuge verkaufen. Das wären 50 Prozent mehr als heute. Dieses Absatzplus sei auch nötig, um die Beschäftigung "einigermaßen" auf dem heutigen Niveau zu halten, meint Hubbert. Wachstumstreiber soll unter anderem der Smart sein, von dem zum Ende des Jahrzehnts 300 000 Stück jährlich verkauft werden sollen, dreimal so viele wie bisher.

          Vor allem auf Nordamerika hofft man in Stuttgart. Denn ab 2006 wird dort eine am amerikanischen Geschmack orientierte Variante des viersitzigen Smart verkauft, die in Brasilien gebaut wird. Die Investitionen in diese Smart-Variante freilich dürften das Erreichen der Gewinnschwelle beim Smart in das Jahr 2005 hinein verzögern. Auch für die Werke Rastatt (A-Klasse) und Tuscaloosa (M-Klasse) sind bereits enorme Investitionen veranlaßt. In der Pipeline sind wohl zahlreiche Derivate der M-Klasse und der A-Klasse, wie etwa der CST (Compact Sports Tourer), die neue Nischen erschließen können. Mehr als eine Delle erwarten Beobachter für die Entwicklung bei Mercedes aber nicht. Die Sparte wird wohl auf absehbare Zeit der wichtigste Gewinnbringer für den Daimler-Chrysler-Konzern bleiben. (sup.)

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