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Hypo Alpe Adria : Auf der Resterampe der österreichischen Pleitebank

Die Zentrale der Hypo Alpe Adria in Klagenfurt Bild: Reuters

Die Hypo Alpe Adria hat das Land Kärnten in den Ruin gerissen. Bis heute fehlen 10 Milliarden Euro. In Bulgarien lässt ihre „Bad Bank“ von den Schuldnern nun Sportyachten, Ferraris und Silos eintreiben. Ein Besuch vor Ort

          Die bulgarische Flagge am Heck des Segelbootes ist ausgefranst, zerschlissen wie das ganze Land seit der Finanzkrise. Als die 47 Fuß lange Yacht 2008 zum ersten Mal in See stach, schlugen die Hoffnungen hoch am Schwarzen Meer. Im Jahr zuvor war Bulgarien der Europäischen Union beigetreten. Trotz unguter Vorboten in Westeuropa glaubte man hier noch an blühende Landschaften, das Geld saß locker. „2007 und 2008 waren unsere besten Jahre“, sagt Miroslaw Nikolow. „Die reichen Leute besorgten sich Schiffe und Liegeplätze – auch die, die glaubten, bald reich zu werden.“

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Nikolow, Eigentümer eines Bootsausrüsters im nahe gelegenen Atiya, sitzt beim Bier in der Hafenkneipe von Sosopol und knabbert an frittierten Fischen. Kätzchen umschleichen seine Beine. Ein Hund döst im Schatten, Möwen kreisen zwischen verlassenen Booten umher. Es geht gemächlich zu im Jachthafen. Die Saison beginnt erst in einigen Wochen, doch selbst im Hochsommer ist hier weniger los als früher. Liegeplätze sind verwaist, das größte Schiff ist eine blau-weiße Motoryacht. Sie gehöre einem reichen Funktionär der Automarke Lada, erzählen die Leute in der Hafenbar, doch seit der Krim-Krise schipperten auch die Russen und Ukrainer nur noch selten übers Schwarze Meer.

          Wiener Zentralregierung versucht Schaden zu begrenzen

          Am Ende des Piers liegt das Segelschiff mit der eingerissenen Flagge, daneben vertäut zwei weitere Modelle desselben Herstellers. Neu kosteten die Prachtstücke zwischen 250.000 und 300.000 Euro, weiß Nikolow, hier und jetzt sind sie für 70.000 bis 113.000 Euro zu haben. Verkäufer ist eine österreichische Abwicklungsgesellschaft, die Heta Asset Resolution aus Klagenfurt. Sie hat die Boote bei einem säumigen Schuldner eingetrieben, einem strauchelnden Jachten-Händler aus Burgas, 30 Kilometer die Küste hinauf.

          Solche Zwangsverwertungen bilden den letzten Akt im Untergangsdrama der einst sechstgrößten Bank Österreichs. Unter dem Namen Hypo Alpe Adria fungierte das Institut früher als Kärntner Landesbank. Dann wollte es höher hinaus, expandierte nach Südosteuropa und fiel in der Finanzkrise kläglich auf die Nase. Ohne ausreichende Risikoprüfung hatte es Unmengen an Krediten ausgereicht, die plötzlich nicht mehr bedient wurden. Der zwischenzeitliche Eigentümer, die Bayerische Landesbank, stieß das Geldhaus 2009 in einem Notverkauf an die Zentralregierung in Wien ab, die seitdem versucht, den Schaden zu begrenzen.

          Gläubiger drohen Geld zu verlieren

          Dazu gehört, die guten Vermögenswerte aus der Hypo herauszulösen und zu verkaufen. Auf dem Balkan gingen sie an ein Konsortium aus der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Advent und der Osteuropabank EBRD. Was übrig blieb – die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen –, bündelte man in der Abbaugesellschaft Heta, einem Sammelbecken für faule Kredite und andere schwer verkäufliche Aktiva.

          Lässt pfänden: Bankier Julius Freiherr Grote

          Die „Bad Bank“ umfasst noch immer eine Bilanzsumme von 18 Milliarden Euro, was 6 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Österreichs entspricht. Im Februar stellten Finanzprüfer fest, dass auf der Vermögensseite bis zu 7,6 Milliarden Euro fehlen. Statt, wie zuvor, Geld nachzuschießen, entschieden Regierung und Finanzmarktaufsicht, die Außenstände von fast 10 Milliarden Euro nicht mehr zu bedienen. Zudem leiteten sie ein Verfahren ein, mit dem die Heta gänzlich aufgelöst wird und an dessen Ende ein tiefer Schuldenschnitt stehen dürfte: Die Gläubiger, darunter deutsche Banken und Versicherungen, könnten die Hälfte ihres Geldes verlieren.

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