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Hygieneskandal : Lidl nimmt Müller-Brot von der Lieferantenliste

  • Aktualisiert am

In den Geschäften der bayerischen Bäckereikette bleiben derzeit viele Kunden aus Bild: dpa

Mäusekot, Ungeziefer und andere Hygiene-Mängel: Seit etwas mehr als einer Woche ruht die Produktion der bayerischen Großbäckerei Müller-Brot. Nun ereilt das Unternehmen ein weiterer Tiefschlag, der Discounter Lidl hat den Bezug von Müller-Backwaren vorerst eingestellt.

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          Die Lage der bayerischen Großbäckerei Müller-Brot spitzt sich weiter zu, nachdem das Unternehmen seine Hygieneprobleme in der Produktion immer noch nicht in den Griff bekommen hat. Am Dienstag stellte der Dicounter Lidl den Bezug von Müller-Brot- und Backwaren ein. Eine Unternehmenssprecherin des Lebensmittel-Einzelhandelskonzerns teilte mit, dass aktuell keine Produkte mehr bezogen würden. Damit fällt inmitten einer kritischen Phase ein wichtiger Abnehmer aus.

          Mäusekot und Ungeziefer

          Seit etwas mehr als einer Woche ruht die Produktion in der Großbäckerei in Neufahrn bei München. Nur zögerlich kam heraus, dass in den Hallen Mäusekot, Ungeziefer und andere hygienische Mängel festgestellt wurden. Die Lebensmittelkontrolleure hatten die Missstände sogar schon seit mehr als zwei Jahren im Visier. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit rund neun Monaten.

          Als Reaktion auf die Meldungen haben immer mehr Kunden in den vergangenen Tagen einen Bogen um die Filialen mit dem grünen Müller-Schriftzug und der Windmühle gemacht, die schwerpunktmäßig im Münchner Raum vertreten sind. In vielen Geschäften war gähnende Leere zu beobachten. Um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten, haben acht Bäckereibetriebe die Versorgung mit Backwaren übernommen. Die Umsätze in den Filialen sollen seit Bekanntwerden des Hygieneskandals um 75 Prozent eingebrochen sein, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Etwa 20 Franchisenehmer hätten die Zahlungen für Warenlieferungen eingestellt und Schadensersatz gefordert.

          Höhepunkt in der Misere

          Mit dem Abspringen von Lidl ist ein weiterer Höhepunkt in der Misere von Müller-Brot erreicht. Eine Wiederaufnahme der Produktion ist derzeit noch nicht absehbar. Nach einer abermaligen Überprüfung der Verhältnisse vor Ort entschieden die Behörden Anfang dieser Woche, die Produktion noch nicht wieder aufzunehmen. Die bisherigen Reinigungen und Sanierungen hätten nicht ausgereicht, um den Ansprüchen einer hygienisch einwandfreien Produktion zu genügen, teilte das zuständige Landratsamt Freising mit. Das Unternehmen selbst teilte mit, dass die gesamte Betriebsfläche von 54.000 Quadratmetern, entsprechend einer Größe von etwa sieben Fußballfeldern, überarbeitet werde. Die Böden würden erneuert, die Förderstrecken verändert und das Reinigungsmanagement ausgewechselt.

          Unternehmensgründer Hans Müller hatte die Mehrheit an der Müller-Brot GmbH 2003 an den Unternehmer Klaus Ostendorf abgegeben, der früher einmal Vorstand bei der Großbäckerei Kamps gewesen war. Der Eigentümerwechsel ging offenbar nicht ohne Streit über die Bühne. In jenem Jahr erreichte der Umsatz 250 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2010 lag er nur noch bei 118 Millionen Euro. Ein Grund für das Minus von 13 Prozent gegenüber 2009 war, dass damals schon der Handelskonzern Rewe keine Ware mehr beziehen wollte.

          Die Schließung der Großbäckerei ist mittlerweile zum Politikum in Bayern geworden. Das Umweltministerium wie auch die Lebensmittelaufsichtsbehörden wurden wegen der zögerlichen Aufklärung scharf kritisiert.

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