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Hurrikan : „Harvey“ vernichtet Milliardenwerte

Hurrikan Harvey hat viele Häuser zerstört, wie hier in Rockport, Texas. Bild: ABATE/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Der Wirbelsturm setzt sein Zerstörungswerk in Texas und Louisiana fort. Der Nationale Wetterdienst spricht von nie dagewesenen Ereignissen. Es drohen Schäden von bis zu 40 Milliarden Dollar.

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          Der Wirbelsturm „Harvey“ hat am Dienstag sein Zerstörungswerk im Südosten Texas’ und im Südwesten Louisianas fortgesetzt. Im Großraum Houston sind viele wichtige Straßen in Wasserwege verwandelt worden. Die meisten Unternehmen haben den Betrieb eingestellt. Der Hafen bleibt ebenso geschlossen wie die beiden großen Flughäfen der viertgrößten Stadt Amerikas. „Katastrophale und lebensbedrohliche Fluten gehen weiter“, meldete der Nationale Wetterdienst und spricht von nie dagewesen Ereignissen. Im Zuge des Wirbelsturms könnte über Houston mehr als ein Meter Regen niedergehen, erwarten die Wetterkundler. Die Wasserpegel wird den Prognosen zufolge noch bis Donnerstag steigen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Für Hausbesitzer addieren sich die Schäden in der betroffenen Region nach vorläufigen Schätzungen auf 30 Milliarden Dollar. Viele Häuser sind zwar gewöhnlich gegen Sturmschäden gesichert, seltener aber gegen Hochwasser. Dafür stand bisher das staatliche Nationale Flutversicherungsprogramm gerade, das allerdings selbst eine unsichere Zukunft hat. In vielen sturmgefährdeten Küstenregionen ist diese staatliche Flutversicherung Pflicht, doch viele Hausbesitzer haben trotzdem darauf verzichtet, um die Kosten dafür zu sparen. Ein weiteres Problem ist, dass die flutartigen Regenfälle die regionalen Drainage-Systeme überfordern. Deshalb stehen viele Häuser unter Wasser, die nicht in den klassischen Hochwasserzonen stehen – weshalb sie womöglich gar keinen Versicherungsschutz haben.

          Gas- und Ölförderung gedrosselt

          Wirbelsturm „Harvey“ hat zudem die amerikanische Energiewirtschaft schwer getroffen. Vorsorglich wurden zehn große Raffinerien mit einer Verarbeitungskapazität von 2,2 Millionen Barrel (Fass à 159 Liter) vorübergehend stillgelegt. Das entspricht 12 Prozent der amerikanischen Produktionskapazität. Weitere Anlagen haben ihre Produktion gedrosselt. Die Betreiber von Amerikas größter Raffinerie in Port Arthur mit einem Tagesausstoß von rund 600.000 Barrel prüfen die temporäre Schließung. Der Preis für Benzin ist leicht um einige Cents per Gallone (3,78 Liter) gestiegen, meldet der Automobilclub AAA. Weil die Raffinerien im Sommer soviel Benzin produziert haben wie selten zuvor, sind die Tanks aber gut gefüllt und auf Fünf-Jahres-Hoch.

          Getroffen ist auch die Ölförderung im Golf von Mexiko. Nach Angaben des Innenministeriums waren bis Montagmittag knapp 100 Bohrinseln evakuiert worden. Damit verringerte sich die Förderung im Golf von Mexiko, der täglich rund 175.000 Barrel liefert, um 20 Prozent. Auch die Gasförderung wurde gedrosselt. Doch erste Ölplattformen haben am Dienstag ihre Arbeit wieder aufgenommen.

          Versicherer kommen glimpflicher davon als bei Katrina

          In der Versicherungswirtschaft nehmen derweil die Sorgen zu, dass Harvey zu Versicherungsschäden führt, die womöglich die Ausmaße von „Katrina“ erreichen. Jene Sturmflut in New Orleans vor zwölf Jahren, die 1322 Todesopfer gefordert hatte, hat versicherte Schäden von 62,2 Milliarden Dollar angerichtet. Nun ist „Harvey“ davon zwar noch weit entfernt. Aber weil es weiter regnet, sind die verheerenden Auswirkungen für die Versicherungsfachleute kaum abzuschätzen. Bei seinem Auftreffen auf Land war „Harvey„ mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 210 Kilometern pro Stunde noch stärker als „Katrina“.

          Produktionsausfälle in der Industrie, zerstörte Straßen, Schienen und Stromnetze – all das summiert sich zu hohen Kosten. Das Analyseunternehmen Corelogic schätzte den Schaden bei aller Unsicherheit derzeit auf bis zu 40 Milliarden Dollar. Nach Aussage von Ernst Rauch vom Corporate Climate Centre des weltgrößten Rückversicherers Munich Re sind mögliche Schäden für die Ölindustrie, etwa an Plattformen oder Raffinerien, bisher nicht bekannt. Die Anlagen seien professionell geführt und auch gut geschützt, sagte Rauch. Generell ist es für Schadenschätzungen aus Sicht der Rückversicherer zu früh, da die Katastrophe noch andauere.

          Immerhin könnten die privaten Versicherer trotz der verheerenden Überschwemmungen bei „Harvey“ glimpflicher davonkommen als bei „Katrina“. Denn anders als bei Sturmfluten, wie sie „Katrina“ ausgelöst hat und bei denen Sturmschäden von Wasserschäden oft schwer zu trennen sind, werden in den Vereinigten Staaten Schäden durch Regen an Wohngebäuden im Inland nur zu einem geringen Teil durch private Versicherer abgedeckt.

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