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Hugendubel, Thalia & Co : Abschied vom Buch

Die Ketten aber müssen die hohen Mieten durch Masse einspielen oder schließen. Und so macht die rheinische Mayersche ihre Essener Filiale Ende Mai dicht, geplante Neueröffnungen in Düsseldorf und Detmold fallen weg. „Bei den großen Neueröffnungen in den letzten Jahren hätte mancher den Mietvertrag nach den neusten Marktentwicklungen wohl gleich am liebsten zurückgegeben“, kommentiert Nina Hugendubel das Desaster: „Wir gucken bei jedem Laden: Stimmt die Flächengröße noch?“

40 Prozent des Umsatzes will Thalia mit Krimskrams erzielen

Vorbei ist die Zeit, in denen die Ketten nach Belieben den Verlagen ihre Rabattforderungen diktierten. Auch Amazon wird nicht geliebt, doch die Vermarktungsmacht des Riesen wissen die Verlage zu schätzen. Kein Wunder, dass der Branchenprimus Random House (Bertelsmann) keine Not verspürt, seine Vertreter mit den Romanen unterm Arm auf Goodwilltour zu schicken. Jede dritte Buchhandlung ist von seiner Besuchsliste gestrichen. Man wolle jetzt öfter „telefonisch kommunizieren“, höhnt es aus München.

Jedes Unglück hat seine Gefährten, und so kehren nun Vertreter ganz anderer Waren in den einstigen Bücherhäusern ein. Was sie zurücklassen, türmt sich hinterm Eingangsportal: Schmuserollen, Kressetöpfe, ein Würstchen-Grill für 29,95 Euro. 40 Prozent des Umsatzes will Thalia mit Krimskrams erzielen. Bei Hugendubel soll der Tinnef „nicht mehr als ein Drittel“ beisteuern. Und die Baby-Töpfchen seien wieder aus den Regalen verbannt, beteuert Nina Hugendubel. Thalia gelobt, „buchaffin“ zu bleiben. Und bietet vor den Esoterik-Regalen das Badeöl feil, dass es duftet, als werde sauniert.

Das riecht nach Treppenwitz, gehört Thalia doch zum börsennotierten Douglas-Konzern, der die gleichnamige Parfümeriekette unter seinem Dach vereint und der Buch-Krise geschuldet nun kräftig abschreiben muss. „Es muss uns besser gelingen, das Potential unserer loyalen stationären Kunden auf die anderen Kanäle zu übertragen“, gibt sich Thalia-Geschäftsführer Michael Busch selbstkritisch. Nur wie? E-Books? Die bilden hierzulande noch eine Nische, haben aber in Amerika schon die Taschenbücher überholt. Nur: Zwei von drei E-Books verkauft Amazon, das in Amerika gerade an der Seite der Regierung die Verlage zwingt, zu den alten Kampfpreisen von knapp 10 Dollar zurückzukehren. Sollte in Deutschland die Buchpreisbindung für E-Books fallen, wäre dies wohl das Ende der Ladenketten.

Noch aber steht das Preisdiktat, doch auch so läuft die Konkurrenz beim Versand klassischer Druckware der technisch ausgefeilten Amazon-Seite hinterher. Zwar sind die Thalia-Verkäufer angehalten, sollte ein Buch fehlen, dem Kunden die kostenlose Lieferung nach Hause zuzusagen. Doch für den Ladenbetreiber ist das wohl ein Minusgeschäft. Kundenservice, verteidigt sich Geschäftsführer Busch, stehe „ebenso im Vordergrund wie Kostendeckung“ und spricht von „Mischkalkulation“: Besser Geld verlieren als Käufer.

Sparen sollen lieber die Verlage bei der Zahl neuer Titel, die sie auf den Markt werfen. 100000 sind es pro Jahr. „Aus der rein ökonomischen Perspektive dürfte die Anzahl höchstens ein Drittel betragen“, fordert Nina Hugendubel - 90 Prozent der Einnahmen werde von 10 Prozent der Bücher eingespielt. Doch ein ökonomisches Gesetz über das optimale Buchprogramm existiert nicht. Wer weiß schon, was zum Bestseller wird? Und selbst wenn es nur noch solche gebe, machten sich die Läden möglicherweise erst recht überflüssig. Für den neuen Kracht braucht es kein Beratungsgespräch, ist das Werk doch längst gewürdigt.

Bei Exoten-Titeln sieht die Lage allerdings nicht besser aus: Gegen die Weiten der Amazon-Lager sind die Läden winzig. Und fehlt Amazon ein Werk, bietet ihn ein spezialisierter kleiner Buchhändler über die Seite an. Da geißelt Amazon-Vorkämpfer Kleber den Ruf nach weniger Titeln gern als undemokratisch: „Der Leser soll entscheiden was er liest, nicht irgendeine Wirtschaftlichkeitsrechnung!“

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