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Hohe Hürden für EU-Konzerte : Britische Musikindustrie beklagt sich über Brexit-Vertrag

Foals-Sänger Yannis Philippakis 2017 auf dem Mad Cool-Festival in Madrid. Die Band unterstützt die Petition. Bild: EPA

Für britische Musiker sind Tourneen durch Europa äußerst wichtig. Doch durch das Brexit-Abkommen könnten diese erheblich erschwert werden. Eine Petition für visafreies Touren erhält nun viel Zuspruch.

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          Der internationale Tour-Zirkus steht bis auf weiteres still. Ein wirklicher Neustart ist wohl frühestens für Sommer beziehungsweise Herbst 2021 zu erwarten, so die Hoffnung in der Branche. Wann und in welchem Umfang es für Künstler, Tour-Crews, Veranstalter sowie die diversen übrigen Gewerke wieder losgeht, hängt naturgemäß vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit dem Brexit-Abkommen zwischen der EU und Großbritannien kommen nun noch weitere Hürden auf die Musikindustrie zu, die vor allem britischen Branchenvertretern Sorge bereiten. „Es besteht das reale Risiko, dass britische Künstler nicht in der Lage sein werden, die Kosten für die zusätzliche Bürokratie und Verzögerungen zu stemmen, was einige Tourneen gefährden würde“, warnte Jamie Njoku-Goodwin, Geschäftsführer von UK Music, einer Vertretung der Label- und Verlagsseite sowie der Live-Industrie. Die Regierung müsse sicherstellen, dass sich Künstler und ihre Crews für ihre Arbeit in Europa frei bewegen können.

          Auch die Geschäftsführerin der Musiker-Vereinigung Incorporated Society of Musicians (ISM), Deborah Annetts, betonte, seit dem 1. Januar erwarteten Musiker „Berge von Papierkram“ wie etwa Zollbescheinigungen für Instrumente und anderes Equipment: „Sehr wenige Künstler werden sich diese zusätzlichen Kosten, die sich auf tausende Pfund summieren können, leisten können, was nicht nur die Wertschöpfung der Musikindustrie mindert, sondern auch Existenzgrundlagen gefährdet.“ 2019 steuerte die britische Musikindustrie 5,8 Milliarden Pfund zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. 1,3 Milliarden Pfund fielen demnach auf den von der Corona-Krise besonders hart getroffenen Live-Sektor.

          EU-Tourneen äußerst wichtig für britische Künstler

          Das Brexit-Abkommen sieht zwar vor, dass Geschäftsreisen von Briten in die EU für 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten visafrei möglich sind. Der Besuch von Konferenzen oder geschäftlichen Treffen fallen beispielsweise hierunter. Ob dies auch für die Arbeit von Musikern und dem jeweiligen Tour-Tross gilt, sei aber von EU-Land zu EU-Land unterschiedlich, so die ISM. Dänemark, Italien und Spanien verlangten beispielsweise eine Arbeitserlaubnis. Auch die Abgeordnete der oppositionellen Labour-Partei, Thangam Debbonaire, kritisierte auf Twitter, die Regierung habe das EU-Tour-Geschäft im Brexit-Abkommen unter den Tisch fallen lassen.

          Konzerte sind oftmals die wichtigste Einnahmequelle von Musikern und für britische Künstler ist die EU ein enorm wichtiger Markt. 78 Prozent von ihnen reisen laut ISM mindestens einmal im Jahr für Auftritte dorthin. Für junge, aufstrebende Künstler ist eine Tour durch einige EU-Länder oft der erste Schritt, um Fans außerhalb Großbritanniens für sich zu gewinnen. Viel Geld wird mit den Konzerten und dem Verkauf von Tonträgern und Fanartikeln zu Beginn der Karriere freilich nicht verdient. Bisweilen ist schon die schwarze Null ein Erfolg. Gerade diese Gruppe an Künstlern stehe nun vor großen Problemen, heißt es vielfach aus der Branche.

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          Warnungen vor gravierenden Auswirkungen eines möglichen ungeregelten Brexit auf das Live-Geschäft gab es, seit Großbritannien und die EU mit Verhandlungen über ein Austrittsabkommen begonnen hatten. Auch eine Petition für die Einführung eines kostenlosen oder zumindest günstigen „Musiker-Ausweises“ wurde ins Leben gerufen, mit dem Künstler und Crews weiterhin unkompliziert durch die EU touren sollten. Im Januar 2020 erklärte der damalige Kulturminister Nigel Adams, es sei „absolut essentiell“, dass die Freizügigkeit für Künstler auch nach Ende des Jahres und damit der Brexit-Übergangsphase gewährleistet werde. Gegenüber der BBC erklärte eine Regierungssprecherin nun, man habe auf eine „ambitionierte Vereinbarung“, was temporäre geschäftliche Reisen angehe, gedrungen. Diese hätte unter anderen auch Musiker umfassen können, sei aber von der EU abgelehnt worden.

          Petition für visafreies Touren

          Das Thema wird in jedem Fall auch das britische Parlament wieder beschäftigen. Eine Petition, in der die Regierung dazu aufrufen wird, visafreises Reisen durch die 27 EU-Mitgliedsländer und damit einhergehend Arbeiten für Musiker, die diversen Tour-Dienstleister sowie „TV und Sport-Berühmtheiten“ zu ermöglichen hat – Stand 2. Januar 2021 – nach nur wenigen Tagen mehr als 210.000 Unterschriften erhalten.

          „Als Freelancer reise ich wie viele andere im Jahr unzählige Male für verschiedene Tourneen und Veranstaltungen durch die EU“, schreibt Tim Brennan, Initiator der Petition und freiberuflicher Video-Techniker. Dies sei unter den aktuell geltenden Begebenheiten unmöglich, wenn potentiell für jedes EU-Land ein eigenes Visum nötig sei. Unterstützt wird die Petition auch von prominenten Künstlern wie den Bands Foals und Biffy Clyro oder One Direction-Mitglied Louis Tomlinson.

          Derweil ändern sich mit dem Ablaufen der Übergangsphase natürlich auch die Bedingungen für EU-Künstler, die in Großbritannien spielen wollen. Außer einem Visum ist etwa der Nachweis von mindestens 1270 Pfund auf dem eigenen Konto nötig. Horace Trubridge, Generalsekretär der „Musicians' Union“, sagte vor diesem Hintergrund der BBC: „Wir haben uns für eine gegenseitige Vereinbarung eingesetzt.“ Dass diese nicht zustande gekommen sei, bezeichnete er als „äußerst enttäuschend“, man arbeite aber mit der britischen Regierung weiter an einer akzeptablen Lösung.

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