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Hotels, Häuser, Windparks : Was Ikea so alles treibt

  • -Aktualisiert am

Alles Ikea: Der geplante Stadtteil „Strand East“ in Ostlondon... Bild: dpa

Ikea: Das ist nicht nur Billy. Patriarch Ingvar Kamprad kauft Windparks, baut Malls in China, Studentenwohnheime und nun auch Hotels in Deutschland. Am liebsten so schnell wie möglich: 2014 soll das erste Haus öffnen. Ikea-Möbel wird es dort aber nicht geben.

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          Ein gewisser Harald Müller will demnächst eine Billighotelkette in Deutschland aufziehen. Kein Grund zur Aufregung. Doch bevor das erste Hotel gebaut, ja sogar bevor das erste Grundstück gekauft ist, geben Mitbewerber schon aufgeregte Pressemitteilungen heraus, in denen sie bekunden, wie gelassen sie ihrem neuen Konkurrenten entgegenblicken (“Zunächst müssen wir mal abwarten...“).

          Die Aufregung hat wenig mit Harald Müller zu tun und viel mit seinem Arbeitgeber. Er arbeitet für Ikea, weltweit bekannt als schwedischer Möbelhändler. Doch mit Möbeln hat Müller wenig zu tun, mit Schweden sowieso nicht. Sein Arbeitgeber heißt ganz korrekt Inter Ikea. Es ist die luxemburgische Holding, der die Rechte an der Marke Ikea gehören und die von den Möbelhäusern Lizenzgebühren kassiert. Diese Millioneneinnahmen investiert Inter Ikea am Kapitalmarkt und in Immobilien. Die Firma kreiert gewaltige Shopping-Center rund um die Ikea-Möbelhäuser, besonders gigantische zuletzt in China. Sie baut auch Studentenwohnheime und in Ostlondon sogar ein ganzes Stadtviertel. Jetzt sind die Hotels dran.

          Geld ist genug da

          Es war jahrelang ein gut gehütetes Geheimnis, dass Ikea mehr ist als Billy und Poäng, mehr als Faktum und Ektorp und mehr als diese überaus bezahlbaren Couchtische namens Lack. Erst seit kurzem öffnet sich das Imperium des legendären Ikea-Gründers Ingvar Kamprad der Öffentlichkeit, legt seine komplizierte Struktur offen, die Tochterfirmen, die sich über Belgien, Dänemark, die Niederlande und Schweden verstreuen. Jetzt gibt man auch mal ein paar Zahlen bekannt.

          Seither ist klar: Die Kamprad- Familie um den 86 Jahre alten Patriarchen kontrolliert ein Gestrüpp an Firmen, die eines gemeinsam haben: Geld ist mehr als genug da. So viel, dass Familie Kamprad noch eine weitere Holding besitzt, die sich nur um Vermögensverwaltung, Immobilieninvestitionen und Versicherungen kümmert - die Ikano-Gruppe. Ihr Herzstück: eine eigene Bank mit einem Geschäftsvolumen von vier Milliarden Euro.

          Simpel betrachtet, ist Kamprads Reich also in drei Gruppen eingeteilt: eine grüne (Ikano), eine rote (Inter Ikea) und eine blaue: das Möbel-Geschäft. Die Warenhäuser, für die allein in Deutschland bald wieder 30 Millionen Kataloge verschickt werden, verdienen so viel, dass sie ihre schnelle Expansion locker finanzieren können - und noch jährlich Hunderte Millionen Lizenzgebühren an Inter Ikea überweisen.

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          Und Inter Ikea, die rote Gruppe, sitzt auf einem Berg an Kapital, der wächst und wächst. Allein 2011 kamen 798 Millionen Euro Lizenzgebühren zusammen, insgesamt verfügte die Firma über ein Vermögen von mehr als fünf Milliarden Euro. Ach ja, und da wäre noch der Wert der Marke Ikea, die Inter Ikea seit diesem Jahr besitzt: 9 Milliarden Euro. Laut Ingvar Kamprad soll das Vermögen von Inter Ikea ein Polster sein, falls mal schlechtere Zeiten kommen für die Möbelhäuser. Seine Kritiker vermuten hingegen, dass er über diverse Stiftungen Geld für sich selbst abzweigt, an der Steuer vorbei.

          "So schnell wie möglich viele Hotels eröffnen"

          Wer auch immer recht hat, eines ist klar: Wenn irgendein Teil von Ikea etwas unternimmt, dann steckt viel Kapital dahinter. Nur logisch, dass die Etablierten zittern, wenn Harald Müller Standorte sucht für die „Budget Design Hotels“, die Inter Ikea bauen, aber nicht selbst betreiben will. Dafür hat das Unternehmen einen Partner gefunden, dessen Name noch geheim ist. Ende 2013 soll der erste Bau beginnen, 2014 das erste Haus eröffnen. „Wir wollen so schnell wie möglich viele Hotels eröffnen“, sagt Müller. „Mit guter Qualität zu vernünftigen Preisen.“ Ikea eben.

          Echte Fans wird die Hotelkette aber enttäuschen: Der Gast hängt seine Kleider dort nicht in den Pax, legt den neuen Schwedenkrimi nicht in das Billy und entspannt sich nicht auf dem Klippan-Sofa. Einen Grund nennt Müller ganz offen: „Hotelgäste gehen nicht gerade behutsam mit Möbeln um. Ich fürchte, das würden Ikea-Möbel nicht aushalten.“

          Nur acht Häuschen in Deutschland: "Hauskauf ist eine ernste Sache"

          Nicht nur Inter Ikea, auch die Möbel-Gruppe kann sich Experimente leisten. Fernsehmöbel samt Fernsehern zum Beispiel. Oder 52 Windräder, die schon 88 Gigawattstunden Strom für deutsche Möbelhäuser erzeugen. Oder Boklok - übersetzt „Wohne (bo) klug (klok)“ - ein Konzept für Fertighäuser zum kleinen Preis. In skandinavischen Ländern war der Ansturm auf die Minihäuser inklusive Ikea-Möbelgutschein so groß, dass sie an die Käufer verlost wurden. Hierzulande stehen nur acht dieser Häuschen, die Qualität passte den Deutschen nicht so. „Hauskauf ist für Deutsche eine ernste Sache“, hat Ikea gelernt. Aber die nächste Idee lässt sicher nicht lang auf sich warten.

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