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Berliner Senat : Hotelkette macht Rückzieher bei Zimmern für Flüchtlinge

Doch nicht voll ausgelastet mit Flüchtlingen: Ein Hotel der GCH-Kette in Berlin Mitte. Bild: dpa

Berlin wollte Hotelbetten für Flüchtlinge anmieten. 18.000 Euro pro Jahr und Flüchtling sollte das kosten. Nach scharfer Kritik rudert die Hotelkette nun zurück.

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          Nach scharfer Kritik an den Verhandlungen des Berliner Senats mit der Hotelkette GCH über Unterbringungsmöglichkeiten für Tausende Asylbewerber rudert das Unternehmen zurück. „Wir haben uns entschlossen, nur in Bezug auf zwei Hotels in Reinickendorf Verhandlungen zu führen“, teilte eine Sprecherin von Grand City Hotels am Mittwochabend mit.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Es gehe dabei um zwei kleine Hotels. Der potentielle Mietpreis würde „dem Rahmen entsprechen, der von Berlin für vergleichbare Leistungen gezahlt wird“. Zuvor hatte die Hotelkette dem Senat über einen Vermittler bis zu 10.000 Plätze für Asylbewerber in 22 Hotels angeboten. Pro Nacht hatte der Anbieter dabei 50 Euro verlangt, im Monat wären dies 1500 Euro. Da der Senat dem Vernehmen nach Interesse an einer mehrjährigen Laufzeit des Mietvertrags hat, wäre es auf ein Volumen von mindestens 600 Millionen Euro hinaus gelaufen.

          Der für Flüchtlingsfragen zuständige Staatssekretär Dieter Glietsch (SPD) hatte Mitte Januar konkret über das Angebot mit dem Leiter einer Londoner Briefkastenfirma verhandelt. Für einen mehrjährigen Mietvertrag hätte das Volumen gut 600 Millionen Euro betragen, wurde in der Senatsverwaltung gerechnet. Nach Bekanntwerden der Verhandlungen gab es erhebliche Kritik an dem Vorhaben, unter anderen von der langjährigen Ausländerbeauftragten Barbara John (CDU).

          Berlin ächzt unter dem Flüchtlingsstrom

          John kritisierte die in Rede stehenden Preise als völlig überzogen. Die Bundeshauptstadt kämpft mit dem starken Zuzug von Migranten, ihre Aufnahmekapazitäten sind überlastet. Derzeit habe Berlin noch 640 Asylbewerber in Hotels und Hostels untergebracht, gab die Sozialverwaltung bekannt. Der durchschnittliche Tagespreis betrage 37,50 Euro. Für einen ganzen Monat machte dies somit etwas über 1100 Euro für die Hotels je Platz aus. 10.000 Asylbewerber sind in Turnhallen untergebracht.

          Die Hauptstadt ächzt, wie auch andere Kommunen, unter dem Flüchtlingsandrang. Im vergangenen Jahr kamen rund 80.000 Asylbewerber in Berlin an. In diesem Jahr könnte es eine ähnlich große Zahl sein, erwarten Beobachter. Der Senat plant mit der Prognose, dass dieses Jahr 30.000 weitere Unterkunftsplätze benötigt werden. Die Unterbringungskapazitäten des zuständigen Lageso (Landesamt für Gesundheit und Soziales) sind schon jetzt ausgeschöpft. Fast 50 Turnhallen hat der Senat als Notunterkünfte beschlagnahmt. Auch ehemalige Bürogebäude sowie eine Sparkassenzentrale hat der Sozialsenator Mario Czaja (CDU) in Beschlag nehmen lassen, jeweils gegen Entschädigung der Eigentümer. Im ehemaligen Tempelhofer Flughafen sollen zudem bis zu 7000 Migranten untergebracht werden.

          Anmerkung der Redaktion:
          In einer früheren Version dieses Textes hieß es in der Überschrift, dass es gar keine Hotelzimmer für Flüchtlinge geben soll. Korrekt ist: Die Hotelkette bietet dem Berliner Senat nach Kritik nur noch zwei kleinere Hotels zur Unterbringung von Flüchtlingen an. Wir haben das in der Überschrift korrigiert.

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