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Sicherer Finanzplatz gesucht : Peking plant Alternative zum umkämpften Hongkong

Die Flaggen von Hongkong, China und der Hongkonger Börse (von links) Bild: AFP

Angesichts fast täglicher Demonstrationen steigt die Angst vor einem wirtschaftlichen Einbruch Hongkongs. Chinas Regierung will daher Shenzhen zum neuen internationalen Finanzplatz ausbauen, um Investoren nach Festlandchina zu locken.

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          China zieht auf allen Ebenen Konsequenzen aus seiner Misere in Hongkong. Noch ist es zu früh, etwaige direkte Auswirkungen auf die Stadt und ihre Bewohner zu erkennen. Doch schon warnt Peking, es werde die festlandchinesische Nachbarstadt Shenzhen weiter ausbauen. Es klingt ein wenig wie bei „Game of Thrones“: Zerfällt das eine Reich, steigt das andere auf. Und so soll Shenzhen nun von dem, was die Kommunisten als Niedergang Hongkongs empfinden, profitieren.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Während Chinas Paramilitärs seit Tagen rund um das Stadion von Shenzhen auf einen Einsatz in Hongkong warten, kursiert ein Papier des Staatsrates in Peking, das den Aufstieg der Technik-Metropole im Süden Chinas beschreibt. Darin heißt es, dass die Stadt ein Regelwerk bekommen werde, das internationalen Standards entspräche. Investitionen aus dem Ausland sollten erleichtert werden genauso wie Übernahmen.

          Unter dem Strich sollen Shenzhen zu einem Vorzeigebeispiel des chinesischen Sozialismus hergerichtet werden. Bildung und Gesundheitsversorgung sollen dabei natürlich Weltklasse sein. „2025 wird Shenzhen eine der führenden Städte der Welt mit Blick auf Wachstum und die Qualität der Entwicklung sein“, heißt es. Mitte des 21. Jahrhunderts sollten die chinesische Metropole dann zur „Top Cosmopolis“ herangewachsen sein – was auch immer dies ist.

          Drohende Rezession im „Duftenden Hafen“

          Die Richtung erscheint klar: Die Herrscher in Peking wollen global tätige Unternehmen aus dem bisherigen Eingangstor nach Festlandchina abwerben und ihnen mit Shenzhen eine Alternative zum unsicheren Hongkong bieten. „Auf lange Sicht haben die politischen Unruhen und die Gewaltszenen in der internationalen Geschäftswelt Bedenken mit Blick auf die mittel- bis langfristige Stabilität Hongkongs geweckt“, erklärt Tommy Wu, Analyst bei Oxford Economics. „Multinationalen Unternehmen könnten nun vorsichtiger vorgehen, wenn sie Auslandsinvestitionen und Erweiterungen planen.“ Ganz nebenbei heizt ein solcher Vorschlag natürlich zusätzlich die Stimmung noch einmal auf: Denn im „Duftenden Hafen“, der fast täglich von Großdemonstrationen erschüttert wird, wächst die Angst vor einem starken Einbruch der Wirtschaft.

          Trotz eines Hilfsplans im Volumen von umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro für die heimische Wirtschaft drohe Hongkong im dritten Quartal in die Rezession zu sinken, schätzt Wu. Der Tourismus aus Festlandchina werde um rund 25 Prozent sinken, das Geschäft mit Besuchern insgesamt um 20 Prozent zurückgehen. Gäste aus Festlandchina machen fast 80 Prozent aller Touristen in Hongkong aus. Auch dadurch leidet der Handel, der vor einem Rückgang um die 15 Prozent stehe. „Insgesamt erwarten wir für das Gesamtjahr ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes Hongkongs um 0,6 Prozent, deutlich langsamer als die 3 Prozent im vergangenen Jahr“, sagt Wu. Während der Finanzkrise 2009 war der Finanz- und Handelsplatz um 2,5 Prozent geschrumpft.

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