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Homöopathie : Glaubenskrieg um die Globuli

Kleine Pille, große Wirkung? Am Erfolg der Globuli scheiden sich die Geister. Bild: dpa

Millionen Deutsche vertrauen auf Homöopathie, obwohl deren Wirkung nicht wissenschaftlich belegt ist. Nun flammt eine alte Debatte neu auf: Wer soll dafür zahlen?

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          Es könnte sich ein bisschen angefühlt haben wie eine Strafarbeit früher in der Schule: An unzählige Nutzer schrieb das Social Media Team der Techniker Krankenkasse in den vergangenen Tagen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter in verschiedenen Varianten eine Nachricht, die dann doch immer gleich klang – „Unser Tweet war unsachlich und tut uns leid.“ So sieht Schadensbegrenzung im 21. Jahrhundert aus.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft und zuständig für „Die Lounge“.

          Was war passiert? In der Nacht von Montag auf Dienstag hatte ein Nutzer die Krankenversicherung gefragt, ob sie ihm saubere, wissenschaftliche Studien nennen könne, die die Wirksamkeit von Homöopathie belegen. Die aber fragte nur zurück: „Können sie uns saubere, wissenschaftliche Studien nennen, die die Nicht-Wirksamkeit von Homöopathie belegen?“ Das kam nicht gut an, schließlich finanziert die Techniker Krankenkasse homöopathische Behandlungen aus dem Geld aller Beitragszahler. Sie könne daher die Beweislast nicht einfach umkehren, hagelte es Kritik.

          Der Entrüstungssturm, der über die mit rund 10 Millionen Versicherten größte Krankenkasse in Deutschland hereinbrach, zeigt wieder einmal, wie emotional die Debatte um Homöopathie in Deutschland geführt wird. Ob die Globuli, Tropfen und Tabletten wirken, ist dabei längst zur Glaubensfrage geworden. Klare wissenschaftliche Belege, dass sie mehr hervorrufen können als einen Placebo-Effekt, gibt es nicht.

          622 Millionen Euro Umsatz in 2016

          Kann es auch gar nicht, sind ihre Gegner überzeugt, schließlich sind die Wirkstoffe so stark verdünnt, dass sie oft gar nicht mehr nachweisbar sind. Die Anhänger der 200 Jahre alten Lehre des Arztes und Apothekers Samuel Hahnemann hingegen verweisen auf ihre Alltagserfahrungen: Dass nach all den Jahren der Heuschnupfen endlich weg ist, die Kinder viel seltener krank werden als ihre Mitschüler, sie die lästige Erkältung sonst immer noch nicht los wären.

          So kommt es, dass die Umsätze mit homöopathischen Mitteln seit Jahren steigen, 2016 auf 622 Millionen Euro. Das bedeutet zwar ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Anteil am Gesamtumsatz mit Arzneimitteln ist jedoch immer noch verhältnismäßig gering. Zum Vergleich: Insgesamt gaben die gesetzlichen Krankenversicherungen im Jahr 2015 für Medikamente fast 35 Milliarden Euro aus.

          Jeder Zweite hat inzwischen einer Allensbach-Umfrage zufolge schon mal homöopathische Arzneimittel verwendet, vor allem unter Frauen ist der Anteil mit 73 Prozent hoch. Sie vertrauen darauf, dass die kleinen weißen Kügelchen kaum Nebenwirkungen haben und besonders gut verträglich sind.

          Zehn Kinder an homöopathischen Mitteln gestorben?

          Umso mehr erstaunte kürzlich eine Nachricht aus den Vereinigten Staaten, wonach zehn Kinder an homöopathischen Mitteln gestorben sein könnten. In 400 weiteren Fällen wurden der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA Nebenwirkungen gemeldet. Konkret geht es um Tabletten, die Eltern ihren Kindern geben, um ihnen das Zahnen zu erleichtern und die offenbar Gifte aus der Tollkirsche in zu hohen Dosierungen enthielten. Dabei ging man doch bislang davon aus, dass Globuli – so sie denn nicht wirken – immerhin keinen Schaden anrichten können. Zumindest, solange Patienten dafür keine schulmedizinischen Behandlungsmethoden aufschieben oder verweigern.

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