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Neue Umfrage : Die meisten machen im Homeoffice Überstunden

Eine Frau nimmt vom Wohnzimmer aus an einer Telefonkonferenz teil (Symbolbild). Bild: dpa

Vor allem in Großbritannien arbeiten die meisten Angestellte weiterhin im Homeoffice. Eine Umfrage zeigt nun: Viele arbeiten zu Hause länger als sonst. Wie hoch im Homeoffice die Konzentration ist, ist eine andere Frage.

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          Inzwischen sind im europäischen Durchschnitt 70 Prozent aller Büroangestellten an ihre Arbeitsplätze im Unternehmen zurückgekehrt. Das hat eine neue große Umfrage für Morgan Stanley Research bei Unternehmen in fünf großen Ländern ergeben. In Deutschland sind 74 Prozent der Büroangestellten zurück in ihrem Unternehmen, in Italien und Spanien 76 Prozent, in Frankreich sogar 84 Prozent. Die große Ausnahme bleibt Großbritannien. Erst 37 Prozent der Büroangestellten im Vereinigten Königreich sind an ihre normalen Arbeitsplätze zurückgekehrt, 60 Prozent arbeiten weiterhin von zu Hause aus. Das sind fast zehnmal so viele wie vor Corona. Besonders hoch ist der Anteil der Heimarbeiter in London: Dort sind fast drei von vier Angestellten noch nicht an ihre normalen Arbeitsplätze im Büro zurückgekehrt. Viele Großunternehmen, etwa die Banken in der Londoner City, schreiben auch zwei Monate nach dem Ende des Corona-Lockdowns keine Präsenzpflicht vor.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          In Frankfurt, Hamburg und Berlin oder Paris ist die übergroße Mehrheit der Angestellten wieder zurück im Büro. Nur noch eine kleine Minderheit arbeitete in Deutschland permanent von zu Hause aus. 16 Prozent sitzen die komplette Woche über im Homeoffice, jeweils 5 bis 7 Prozent bleiben einen, zwei, drei bis vier Tage in der Woche dem Büro fern. Allerdings ist der Anteil der Homeoffice-Arbeiter gegenüber dem Vorkrisenniveau deutlich gestiegen. Und die Sehnsucht nach mehr Heimarbeit ist groß. Laut der AlphaWise-Umfrage für Morgan Stanley würden gerne 82 Prozent mehr von den eigenen vier Wänden aus tätig sein. 43 Prozent ziehen es sogar vor, drei bis fünf Tage die Woche nicht ins Büro zu gehen, sondern zu Hause am Computer zu sitzen.

          Der Corona-Einschnitt hat die Arbeitswelt tief durchgerüttelt und zu einem noch nie dagewesenen Experiment mit massenhaften dezentralen Heimbüros geführt. Ob man dort genauso effizient und produktiv oder vielleicht sogar produktiver arbeitet, ist noch immer umstritten. Laut Eigenauskunft sagen sieben von zehn Arbeitnehmern, zu Hause könnten sie besser arbeiten.

          Arbeitszeit hat sich verlängert

          Ein Team von Wissenschaftlern der Harvard Business School und der New York University hat derweil die E-Mail-Kommunikation von mehr als 3 Millionen Homeoffice-Arbeitnehmern von 23.000 Unternehmen in Nordamerika, Europa und dem Nahen Osten im April und Mai dieses Jahres untersucht. Ihre vom amerikanischen National Bureau of Economic Research (NBER) veröffentlichte Studie kommt zu einigen erstaunlichen Ergebnissen.

          Zentrale Erkenntnis: Im Homeoffice arbeiteten die Leute offenbar spürbar länger – fast eine Stunde mehr als an ihren regulären Büroarbeitsplätzen. Zwar sparten die Heimarbeiter die Anfahrtszeiten ins Büro. Dafür waren sie früher am Schreibtisch und schrieben mehr E-Mails, vor allem auch länger nach Dienstschluss. Offenbar konnten viele nach dem offiziellen Feierabend nicht loslassen. Nach vier Wochen Lockdown sank das Volumen des E-Mail-Verkehrs wieder.

          Die Arbeitszeit hat sich indes durchschnittlich um rund 50 Minuten im Homeoffice verlängert, zeigt die Auswertung von E-Mail-Verkehr und Online-Kalendern. Außerdem saßen die Angestellten in mehr Meetings täglich als früher, fast 13 Prozent mehr Telefon- und Zoom-Konferenzen hatten sie zu absolvieren. Allerdings waren die digitalen Meetings deutlich kürzer. Das führte dazu, dass die Gesamtzeit, die mit virtuellen Sitzungen verbracht wurde, um fast 20 Minuten oder 11,5 Prozent sank.

          Unklar, ob das Homeoffice dem Wohlbefinden dient

          Frühere Forschungsarbeiten haben ergeben, dass es einige Angestellte schwieriger finden, sich in längeren Online-Meetings zu konzentrieren, als bei echten physischen Treffen, notieren die Wissenschaftler der Harvard Business School. Während des Lockdowns kam das Problem der Kinderbetreuung hinzu. Inzwischen haben sich viele dieser Sonderprobleme entspannt.

          Das anfänglich stark von Improvisation geprägte, dezentrale Arbeiten hat eine neue Routine bekommen. Zu den flexiblen, faktisch längeren Arbeitszeiten im Homeoffice notieren die Wissenschaftler, es sei unklar, ob Homeoffice dem Wohlbefinden der Mitarbeiter eher zugutekomme oder sie belaste. Es führe auch zu einem Verwischen der Grenze zwischen Arbeit und Freizeit. Die Antworten der Betroffenen sind jedoch eindeutig, wenn sich rund drei Viertel der Angestellten in Umfragen mehr und dauerhaftes Homeoffice wünschen.

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