https://www.faz.net/-gqe-a674z

Hoher Zustrom : Einlagen der Banken steigen wie noch nie

EZB-Turm vor den Wolkenkratzern der Frankfurter Banken Bild: AP

Die Sparer gehen in der Corona-Krise auf Nummer sicher und die EZB sorgt für mehr Liquidität. Doch damit müssen die Banken mehr zahlen für Negativzinsen und Abwicklungsfonds.

          1 Min.

          Den europäischen Banken strömen in der Corona-Krise so viele Einlagen zu wie noch nie. Von Jahresanfang bis Ende September haben die Sparer auf die Bankkonten im Euroraum insgesamt 400 Milliarden Euro mehr eingezahlt als abgehoben, wie Deposit Solutions am Freitag meldete. Die auf die Vermittlung von Spareinlagen spezialisierte Plattform wertete Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Demnach liegt der Anstieg der Einlagen in den ersten neun Monaten schon über dem Wert von 396 Milliarden Euro im gesamten Vorjahr.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die höheren Einlagen der Banken sind auf das Bedürfnis der Sparer zurückzuführen, in Zeiten der Pandemie auf Nummer sicher zu gehen. Zudem trägt die EZB mit ihren Anleihekäufen und extrem günstigen Finanzierungsgeschäften dazu bei, dass mehr Liquidität im Umlauf ist. Diese wird bei den Banken geparkt. Für die Institute bedeuten höhere Einlagen eine steigende Belastung durch die Negativzinsen der EZB. Denn die erhebt für die Einlagen der Geschäftsbanken einen Negativzins von minus 0,5 Prozent. Nach Berechnungen des Bundesverbandes deutscher Banken müssen die europäischen Banken in diesem Jahr rund 10 Milliarden Euro an Negativzinsen der EZB zahlen. Im Vorjahr waren es noch 7 Milliarden Euro.

          Höhere Bankenabgabe

          Zudem sorgt der Einlagenzustrom auch für höhere Beiträge in den Abwicklungsfonds der europäischen Banken. Der sollte bis Ende 2023 ursprünglich eine Zielausstattung von 55 Milliarden Euro haben, was 1 Prozent der gedeckten Einlagen, also aller Konten bis zur staatlichen Garantie von 100 000 Euro je Kunde und Bank, entsprechen sollte. Doch der Zielbetrag ist durch den Einlagenzustrom um 30 Prozent auf 70 Milliarden Euro gestiegen. Damit steigt die Bankenabgabe stark – in diesem Jahr auf 9,2 Milliarden Euro nach 6,4 Milliarden Euro, vor vier Jahren.

          Besonders betroffen sind deutsche Banken, auf deren Konten mehr als ein Drittel des Einlagenzustroms landet. Das meiste Geld floss nach Angaben von Deposit Solutions im dritten Quartal mit rund 29 Milliarden Euro auf deutsche Konten. Dies entspreche 36 Prozent der gesamten Netto-Einzahlungen in der Eurozone. Dahinter folgten Frankreich mit rund 24 Milliarden Euro (29 Prozent) und Italien mit rund 15 Milliarden Euro (19 Prozent). Das Einlagenvolumen in diesen drei Ländern wachse damit überproportional stark. Sie repräsentierten 65 Prozent des Einlagenmarkts der Eurozone, zeichneten jedoch für 83 Prozent der diesjährigen Netto-Einzahlungen verantwortlich, berichtete Deposit Solutions.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald und Melania Trump am vorigen Mittwoch in Washington

          Trumps Impeachment-Prozess : Mehr Zeit für neue Skandale

          Der Impeachment-Prozess gegen Donald Trump soll erst am 9. Februar eröffnet werden. Bis dahin hoffen die Demokraten auf neue Skandale, die der Anklage weitere Munition liefern.
          Verrammelt und verriegelt: Das Lamb & Flag in London (Symbolbild)

          Großbritannien : 10.000 Pubs und Restaurants schließen

          Großbritanniens Gastronomie ist von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Während große Ketten sich frisches Kapital beschaffen, gehen die Kleinen unter.
          Mehr Unterstützung aus Washington: Amerikanische Forscher von Regeneron arbeiten am experimentellen Antikörper-Medikament.

          Antikörper-Medikament : Was auch bei Trumps Genesung half

          Ein amerikanisches Antikörper-Präparat erhält eine Notzulassung, 200.000 Dosen kauft die Bundesregierung. Deutsche Wissenschaftler vermissen Unterstützung bei ihrer Forschung – so würden Chancen verpasst, kritisieren sie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.