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Terroranschläge : Hohe Belastungen für Fluglinien

  • Aktualisiert am

Keine gute Zeit für Fluggesellschaften Bild: dpa

Der Schaden für die Fluggesellschaften wird nach den Anschlägen immer größer. Midway ging pleite, Continental will 12.000 Mitarbeiter entlassen, Delta will sparen.

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          Für die Fluggesellschaften haben sich die Verhältnisse nach den Anschlägen massiv verschlechtert. Die unmittelbaren Belastungen durch Umsatzausfälle und außerordentliche Kosten in Folge der Anschläge schätzt die IATA (International Air Transportation Association) auf rund zehn Milliarden Dollar. In den USA hat inzwischen die erste Fluggesellschaft Konkurs gemacht.

          Die bereits seit längerem angeschlagene Midway Airlines stellte am Mittwoch ihren Betrieb ein und entließ 1.700 Mitarbeiter. Midway hatte bereits Mitte August einen Konkursantrag gestellt. Zur Begründung für die Einstellung des Betriebs hieß es, als Folge der Anschläge werde die Nachfrage nach Flugreisen fallen. Midway hatte einst 35 Städte in den USA angeflogen und eine Flotte von 40 Flugzeugen gehabt.

          Die amerikanische Fluggesellschaft Continental Airlines hat die Entlassung von 12.000 Mitarbeitern sowie eine Kürzung ihres Flugplans um rund 20 Prozent in Folge der Anschläge angekündigt. „Die US-Flugindustrie befindet sich in einer beispiellosen finanziellen Krise", teilte Gordon Bethune, Vorstand der fünftgrößten Fluggesellschaft der USA, am Samstag mit. Grund für die Reduktion des Flugangebots sei die rückläufige Nachfrage in Folge der Anschläge vom Dienstag sowie die Kosten für die dramatisch gestiegenen Sicherheitsanforderungen. Davor umfasste das Angebot von Continental einschließlich Tochterunternehmen 2.500 Flüge pro Tag. Das Unternehmen beschäftigt zurzeit noch 56.000 Mitarbeiter.

          Die Fluggesellschaft Delta Aitlines hat wegen dramatischer Buchungsrückgänge ein Fünftel ihrer Flüge gestrichen und will ein Fünftel ihres Personals einsparen. Auch Northwest Ailrines und United Airlines kündigten ähnliche Streichungen von Flügen an.

          Analysten stufen Fluglinien zurück

          Das Investmenthaus Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) hat am Donnerstag den Sektor europäischer Fluglinien zurückgestuft. Das Kursziel für die Deutsche Lufthansa reduzierte SSSB von 22 Euro auf 17,50 Euro. Die Anschläge in den USA werden der Einschätzung der Analysten zufolge wahrscheinlich katastrophale Effekte auf die Profitabilität der europäischen Fluglinien haben.

          Die Analysten senkten die Kursziele und die Bewertungen für British Airways und Air France auf „neutral“ von „outperform“ zurück und für Alitalia auf „underperform“ von „neutral". Sie senkten zusätzlich auch die Kursziele der holländischen KLM und Swissair zum Teil um mehr als 30 Prozent.

          Standard & Poor's bescheinigt negative Bonitätsaussichten

          Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat das langfristige Kredit-Rating aller amerikanischen Fluggesellschaften sowie von Air Canada und British Airways auf “Watch Negative“ gesetzt. Zur Begründung verwiesen die Analysten am Donnerstag ebenfalls auf die Terror-Anschläge in den USA, die ungünstige Auswirkungen auf die Nachfrage nach Flügen haben dürften. Diese resultierten sowohl aus der Angst vor weiteren Anschlägen als auch aus den verschärften Sicherheitsbestimmungen. Auf die Überprüfungsliste wurden zunächst nur die Kreditratings gesetzt.

          Die Ratings der Wertpapiere der einzelnen Gesellschaften sollen einer gesonderten Prüfung unterzogen werden, wobei “sehr wahrscheinlich“ mit einem “Credit Watch Negative“ zu rechnen sei.

          „Fluglinien sind Hauptgeschädigte“

          Analysten rechnen neben den Ertragsausfällen durch die Absage von Flügen auch mit langfristigen negativen Auswirkungen der Terrorwelle auf Fluggesellschaften. „Fluggesellschaften gehören zu den Hauptgeschädigten. Die Reisetätigkeit dürfte langfristig zurückgehen“, sagte ein Analyst.

          Lufthansa-Aktie unter Druck

          Der Kurs der Lufthansa-Aktie ist im Zuge der Terrorserie in den USA deutlich unter Druck geraten. Nach Bekanntwerden der Anschläge hatte die Fluggesellschaft, wie alle europäischen Fluglinien, sämtliche Flüge in die Vereinigten Staaten gestoppt und erst am Samstag wieder aufgenommen. Der Kurs der Aktie war bereits am Dienstag zeitweise bis zu 20 Prozent eingebrochen und notierte am Abend mit über 15 Prozent im Minus. Für die tief in den roten Zahlen fliegende Lufthansa dürfte durch die Terrorwelle auch das zweite Halbjahr defizitär sein.

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