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Höhere Stromkosten : 60 Cent und der Tod der Industrie

  • -Aktualisiert am

Höhere Kosten: Sehr großen Stromverbrauchern könnte die EEG-Umlage das Genick brechen Bild: dpa

Das Institut der Deutschen Wirtschaft warnt vor steigenden Energiekosten. Vor allem für energieintensive Branchen steht viel auf dem Spiel - aber auch für andere Industrien käme es zu negativen Folgen.

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          Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) warnt vor den Folgen höherer Stromkosten: Sie drohten den schleichenden Prozess sinkender Investitionen in der deutschen Industrie zu beschleunigen. Die Folge wäre ein Verlust von Arbeitsplätzen in den energieintensiven Branchen, aber auch darüber hinaus, heißt es in der noch unveröffentlichten Analyse des IW, die der F.A.Z. vorliegt. Es käme zu negativen Folgen für andere Industrien.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          „Wertschöpfungsketten könnten nicht mehr bestehen bleiben und auch nicht ohne weiteres ersetzt werden.“ Die Stellungnahme unterstützt die Industrie im Kampf um den Erhalt von Ausnahmen von der EEG-Umlage. Zur EEG-Reform von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sollen die Branchen bis Mittwoch ihre Kommentare abgeben.

          Für die energieintensiven Branchen mit 800.000 Beschäftigten in der Chemie-, Stahl- und Metallindustrie, Papier- und Zementbranche steht viel auf dem Spiel. Zurzeit sind sehr große Stromverbraucher weitgehend von der Umlage ausgenommen. Geht es nach der EU, sollen sie künftig zumindest einen Cent je Kilowattstunde zahlen.

          Entlastungen von nur 60 Cent

          Das ist zwar weniger als ein Fünftel der Umlage von 6,24 Cent, könnte vielen aber im Wettbewerb dennoch das Genick brechen, argumentiert IW-Forscher Hubertus Bardt. Die Haushalte würden dadurch nur um 60 Cent im Monat entlastet. Ein Ende der Befreiung von der Umlage hätte zur Folge, dass große industrielle Stromverbraucher in Deutschland kaum noch wettbewerbsfähig wären. Sie würden ihre Produktion senken und die Stromnachfrage drosseln.

          „Die ohnehin schon niedrige potentielle Entlastung der privaten Haushalte kann auf diese Weise nicht erreicht werden“, prognostiziert Bardt. Er erwartet Investitionsverzicht und Abwanderung energieintensiver Unternehmen. „Schon heute ist ein Investitionsattentismus, Desinvestitionen im Inland und der Ausbau von Investitionen im Ausland zu beobachten.“ Schon Zweifel am Fortbestand der Regelungen seien ein gravierendes Investitionshindernis. Auch gebe es Folgen in anderen Branchen.

          „Die Innovationsimpulse, die das Verarbeitende Gewerbe bisher von energieintensiven Unternehmen erhielt, könnten in diesem Maße nicht mehr genutzt werden“, stellt er fest. Um die beklagten Wettbewerbsverzerrungen zu heilen, müssten die europäischen Strommärkte zusammenwachsen, stellt das IW fest. Einheitliche Preise und vergleichbare Abgabenniveaus würden nationale Sonderregeln überflüssig machen und Wettbewerb, Versorgungsicherheit sowie die Effizienz der Stromversorgung erhöhen.

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