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Hochzeiten : Gleich und gleich gesellt sich gern

Das bedeutet: In vielen Akademikerhaushalten arbeiten beide – und sie treiben damit das Familieneinkommen zusätzlich in die Höhe. Der Soziologe Hans-Peter Blossfeld rechnet damit, dass die Gehaltsschere zwischen den Schichten noch weiter auseinandergeht. Das mag man bedauern, ist aber das Resultat von individuellen Entscheidungen, die nur in ihrer Masse auf die Gesellschaft wirken. Verteilungspolitische Motive gehören bekanntlich nicht zur Strategie des Paarungsverhaltens: Warum sollte eine Ärztin einen Pfleger heiraten, nur weil es der Gesellschaft nützt?

Sie sollte es allerdings in Erwägung ziehen, wenn vor lauter Ärzte-Hochzeiten, kein Mediziner mehr zur Verfügung steht. Womit wir beim Lamento der erfolgreichen Akademikerin jenseits der 30 wären, die keinen adäquaten Partner findet, weil der Markt abgegrast ist. Sollte sie sich für andere Berufe erwärmen, womöglich auch nichtakademischer Art?

Für viele undenkbar

Soziologe Blossfeld findet das nur logisch. Er macht eine einfach Rechnung auf: 55 Prozent der Studienanfänger sind Frauen, nur 45 Prozent Männer. Von denen suchen sich 10 oder 15 Prozent eine Frau mit einem niedrigeren Bildungsniveau. Bleiben vielleicht noch 30 Prozent Männer. Das ist eine echte Verknappung, die normalerweise ein Umdenken, die Suche nach Marktlücken, erfordert. Das tun Frauen aber nicht.

Wer wissen will, warum, dem leistet das Internet große Dienste. Dort ist rund um die Liebe ein riesiger Markt für Kontaktbörsen und Flirtportalen entstanden, wo nichts dem Zufall überlassen wird. Bei „parship.de“ und „elitepartner.de“ lassen sich die heimlichen Gesetze der Partnerwahl studieren. Noch immer sind der Freundeskreis, die Freizeit und das Büro die wichtigsten Quellen für eine erfolgreiche Partnersuche. Aber gleich dahinter kommen die Kontaktbörsen im Internet – Tendenz steigend.

Eine Parship-Studie nach der anderen bestätigt immer wieder die gleiche Erkenntnis: Frauen können mit vielem leben, sogar mit Schnarchern. Aber wenn der potentielle Partner arbeitslos ist oder verschuldet, ist für Liebe kein Raum. Akademiker sollte der Kandidat selbstverständlich sein: Architekt, Arzt, Psychotherapeut. Männer sind nicht so bildungsfixiert: Ganz oben in der Präferenzliste stehen Juristinnen, aber gleich danach kommt die Flugbegleiterin. Natürlich gab es immer schon Frauen, die sich in einen weniger gebildeten Mann verliebt haben. Aber für viele ist das undenkbar.

Kompromissbereitschaft nimmt ab

Dating-Plattformen spielen dabei eine kuriose Rolle. Lange Zeit dachten viele, das Internet könnte diesen Trend umkehren und zu einer größeren sozialen Durchmischung führen. Schließlich sind dort viele Grenzen außer Kraft gesetzt. Wer nicht will, muss sich weder in die Disko noch zum Sportverein bewegen, um jemanden kennenzulernen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Ganz gezielt wird da das Häckchen in der Auswahl gesetzt, die sich allein auf Akademiker konzentriert.

Homophilie nennen Soziologen diesen weit verbreiteten Wunsch, mit Menschen zusammen zu sein, die einem ähnlich sind in Bildungsgrad und Status. Rein praktisch sind diesem Wunsch allerdings Grenzen gesetzt: Letztlich ist die Partnerwahl wie vieles im Leben eine Abwägung von Stärken und Schwächen.

Die Suche nach dem Richtigen ist eine Frage von Kompromissen. Doch die Bereitschaft dazu nimmt ab, vor allem bei Frauen, die immer selbständiger und auch emotional unabhängiger werden. Blossfeld hat das in einer großen Online-Dating-Studie untersucht. Das Ergebnis: Männer mit niedrigem Bildungsgrad wagen zwar die Kontaktaufnahme, nur die Damen antworteten nicht.

Leiden unter den erkämpften Änderungen

Das erlebt auch Elitepartner-Beraterin Lisa Fischbach, Diplom-Psychologin aus Hamburg. Fragt man sie nach gemischten Paaren aus ihrer Praxis, fällt ihr die Universitätsdozentin ein, die mit einem Schreiner zusammen ist, allerdings mit einem kreativen Schreiner. Kein Bauschreiner, sondern einer, der Walnussholz schnitzt. Oder die Literaturagentin, die mit einem Künstler liiert ist.

Positiv gewendet ist das der große Gewinn der Emanzipation: „Die Frauen sind selbstbewusster geworden“, sagt Fischbach. Und mit dem Selbstbewusstsein steigen auch die Ansprüche. Frauen wollen den „Alpha-Softie“, wie es Fischbach formuliert. Den durchsetzungsstarken Mann mit Herz.

Downdaten ist für sie keine Lösung. Nicht einmal eine, die sie in Betracht ziehen. Resultat ist eine merkwürdige Ambivalenz: Bedauern auf der einen Seite, Kompromisslosigkeit auf der anderen. Das bringt Fischbach zum kuriosen Befund: „Frauen leiden unter den gesellschaftlichen Änderungen, die sie selbst erkämpft haben.“ Das allerdings bedeutet noch lange nicht, dass es so bleiben muss. Der Umbruch hat gerade erst begonnen.

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