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Hochzeit in Schweden : Nur die Liebe zählt

Echt nur mit der kleinen Goldkrone: Teller aus der offiziellen „Hochzeitsserie” zu Ehren von Victoria und Daniel Bild: REUTERS

Tourismusveranstalter frohlocken, die Hochzeit von Kronprinzessin Victoria soll sich langfristig für das Land auszahlen. 100 Millionen Kronen zusätzlich erhoffen sich allein die Hoteliers - von 100 Prozent Auslastung spricht dennoch niemand mehr. Auch andere haben das Großereignis offenbar überschätzt.

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          Für Werbekunden kostet eine einzige Sekunde im ZDF am Samstagnachmittag 114 Euro. Stockholms Stadtverwaltung dagegen muss für die rund 18.000 Sekunden, die Schwedens Hauptstadt morgen im Bild sein wird, keine einzige Öre nach Mainz überweisen. Kronprinzessin Victoria heiratet ihren früheren Fitnesstrainer Daniel Westling, da kommen die Fernsehsender von ganz allein. Gut fünf Stunden sind im Zweiten für die Übertragung angesetzt.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das lässt Thomas Brühl frohlocken. Er ist der Chef des schwedischen Fremdenverkehrsverbands Visit Sweden. Auf bis zu 900 Millionen Kronen oder knapp 90 Millionen Euro veranschlagt er den Wert der zusätzlichen medialen Aufmerksamkeit, die das Ja von Stockholm auf sein Heimatland lenken wird. „Das Wichtigste ist natürlich die Liebe zwischen Victoria und Daniel“, beeilt er sich zu sagen. „Aber die Hochzeit wird sich vor allem langfristig für Schweden auszahlen.“

          „Übernachtungsgäste bringen rund 150 Euro“

          Schon seit Monaten kursiert eine Vielzahl von Schätzungen zum ökonomischen „Hochzeitseffekt“. 100 Millionen Kronen zusätzlich erhoffen sich zum Beispiel die Hoteliers in Stockholm, dieselbe Summe haben die Gastronomen angesetzt. „Es gibt Prognosen, die von insgesamt zwei Millionen Besuchern sprechen, bei denen man davon ausgehen kann, dass Übernachtungsgäste rund 150 Euro am Tag und Tagesgäste rund 50 Euro bringen“, berichtet Olle Zetterberg, der Geschäftsführer des Wirtschaftsverbands „Stockholm Business Region“.

          Teure Feier: 20 Millionen Kronen soll allein das Festmahl und der Transport der 600 geladenen Gäste kosten
          Teure Feier: 20 Millionen Kronen soll allein das Festmahl und der Transport der 600 geladenen Gäste kosten : Bild: REUTERS

          Keine Frage, dass Zetterberg Lokalpatriot ist - schließlich ist er mitten in der Altstadt von Stockholm aufgewachsen, in der Nähe der Schlosskirche, wo am Samstag nach der Trauung der Festumzug mit Pferdekutschen und Paradeuniformen beginnen wird. Einige Meldungen der vergangenen Tage werden ihm deshalb nicht gefallen haben. Denn schon jetzt ist klar, dass manche Vorhersagen zu optimistisch waren. Von - wie ursprünglich angenommen - 100 Prozent Auslastung etwa spricht der Gaststättenverband in der Hauptstadt längst nicht mehr.

          Sonderzüge ersatzlos gestrichen

          „Es war ein Fehler, dass schon so früh so viel von ausgebuchten Hotels die Rede war“, räumt dessen Vorsitzender Lars Sandberg ein. „Das hat vermutlich viele Leute abgeschreckt.“ Manche Reiseveranstalter und Busunternehmer hätten offensichtlich zu große Kapazitäten reserviert. Anfang dieser Woche jedenfalls habe die Zimmerbelegung nur bei 70 Prozent gelegen. Und die schwedische Eisenbahn hat die beiden Sonderzüge, die am Samstag von Malmö im Süden und Falun im Norden des Königreichs nach Stockholm rollen sollten, mangels Nachfrage ersatzlos gestrichen. Lars Sandberg nimmt Zuflucht im Zweckoptimismus. „Für alle, die sich spontan entscheiden, ist das eine gute Nachricht - es wird am Samstag noch freie Hotelbetten geben.“

          Für all jene Schweden jedoch, die mit ihrer Monarchie ohnehin nicht viel anzufangen wissen, sind die verhaltenen Buchungszahlen Wasser auf die Mühlen. Schon hat etwa die Tageszeitung „Dagens Nyheter“ aufgeschlüsselt, was die Steuerzahler ihrerseits für die große Sause zahlen müssen: 20 Millionen Kronen kosten demnach das Festmahl und der Transport der 600 geladenen Gäste, die Renovierung der Schlosskirche schlug mit 14 Millionen Kronen zu Buche, für die Instandsetzung und Modernisierung von Schloss Haga, das die Vermählten beziehen werden, wurden 40 Millionen angesetzt.

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