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Hochwasserschäden : Flut belastet die Aktien der Versicherer kaum

Versichert oder nicht? Einfamilienhaus in Schönhausen, Sachsen-Anhalt. Bild: dpa

Aktienkurse der Versicherer haben seit Beginn des Hochwassers verloren. Es ist aber fraglich, ob die Schäden an ihre Substanz gehen.

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          Sähe man sich die Kursentwicklung der Versicherungsaktien ohne Kenntnis des Gesamtmarktes an, schiene das Ergebnis eindeutig: Seit die Elbe Anfang des Monats über die Ufer getreten ist, gingen die Kurse zum Teil im zweistelligen Prozentbereich zurück. Leistungen in Milliardenhöhe an die Kunden werden in den Jahresergebnissen der Assekuranz nicht ohne Folgen bleiben. Der Euro Stoxx Branchenindex der Versicherer verlor seit seinem Jahreshoch am 21. Mai gut 5 Prozent seines Werts. Doch vergleicht man diese Entwicklung mit dem Markt, zeigt sich, dass die Anleger nicht überdurchschnittlich aufgeregt sind. In derselben Zeit verlor auch der Dax rund 4 Prozent.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Leicht schwächer als der Durchschnitt hat sich seither die Allianz-Aktie entwickelt. Das folgt einer gewissen Logik, denn Europas größter Versicherer ist in Deutschland Marktführer in der Wohngebäudeversicherung (siehe Grafik). Auf diese Sparte dürften die höchsten Schadenzahlungen zukommen, weil zu ihr auch die Elementarschadenversicherungen zählen. Zudem ist das Unternehmen in Ostdeutschland besonders stark vertreten, weil es nach der deutschen Einheit die Staatliche Versicherung der DDR übernahm. Das Elbehochwasser vor elf Jahren kostete die Allianz insgesamt 710 Millionen Euro - davon 330 Millionen in Deutschland. Die Analysten von JP Morgan rechnen diesmal im schlimmsten Fall mit einem Schaden von 200 Millionen Euro. Damals seien größere Städte getroffen gewesen, zudem habe das Unternehmen seine Wohngebäudeversicherungen in den vergangenen eineinhalb Jahren risikogerechter umgestaltet. „Die Nachrichten sind negativ, aber nach unserer Auffassung relativ mäßig“, schreiben sie.

          Als erster großer Versicherer hat am Mittwoch die Generali eine Schadenschätzung veröffentlicht. In Deutschland steht das Unternehmen immerhin an fünfter Stelle in der Wohngebäudeversicherung. Mit Leistungen von 100 Millionen Euro in Deutschland, Tschechien und Österreich rechnet der italienische Versicherer. Anleger hat die Nachricht unbeeindruckt gelassen. Die Aktie notierte unverändert zum Vortag bei 13,90 Euro. Die Kursverluste der vergangenen Tage lagen in etwa auf dem Niveau der Allianz-Aktie.

          „Solche Ereignisse werden betriebswirtschaftlich oft überschätzt“, sagt Christian Hamann, Versicherungsanalyst der Hamburger Sparkasse. Größere Schadenereignisse machten das Geschäft der Branche aus. Um Kunden vom Abschluss einer neuen Police zu überzeugen, seien sie von Zeit zu Zeit sogar nötig. Dass nur ein Drittel der deutschen Haushalte eine Elementarschadendeckung besitzt, deutet auf ein gewisses Marktpotential hin. Zudem korrigierten sich die Kursverluste häufig, wenn zuverlässigere Schadenschätzungen vorlägen. „Die zunächst größeren Korrekturen relativieren sich dann oft innerhalb von zwei bis drei Monaten“, sagt Hamann.

          Ein großer Teil der Schäden dürfte zudem auch auf nicht börsennotierte Unternehmen zukommen. Nimmt man die öffentlichen Versicherer verschiedener Regionen (Sparkassenversicherung, Provinzial, Versicherungskammer Bayern) zusammen, tragen sie sogar die Hauptlast. Doch diese Information liefert kein komplettes Bild, denn auch Betriebsunterbrechungen oder Autokaskoschäden sind häufig durch Policen gedeckt. Auch die Rückversicherer-Aktien stehen unter einem gewissen Druck, weil auf sie bei Großereignissen immer ein großer Teil der Leistungen zurückfällt. Die Aktie der Munich Re - auch der Erstversicherer Ergo gehört zu dem Konzern - verlor seit Ende April 5,7 Prozent des Werts. Papiere der Hannover Rück verbilligten sich sogar um 13 Prozent - sie befanden sich vor sechs Wochen allerdings auch noch auf einem Allzeithoch.

          Die Ratingagentur Fitch geht davon aus, dass bei gesamtwirtschaftlichen Schäden von 12 Milliarden Euro rund 2,5 bis 3 Milliarden Euro bei der Assekuranz hängen bleiben werden. Sollte es so kommen, wäre das durchaus im Rahmen der normalen Schadenbudgets, sagt Philipp Häßler, Versicherungsanalyst von Equinet. „Belastender als die Fluten bleiben weiterhin die niedrigen Zinsen, vor allem für Lebensversicherer“, sagt er. Noch seien die Kapitalanlageergebnisse davon allerdings kaum betroffen. „Insgesamt ist die Branche noch nicht besonders hoch bewertet“, sagt Häßler. Nachdem sich die Sorgen um die Zukunft des Euro weitgehend gelegt hätten, gebe es noch Aufwärtspotential.

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