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Hochwasserkatastrophe : Deutsche Bahn schätzt Flutschäden auf 1,3 Milliarden Euro

Ein Regionalzug steht im Bahnhof des Ortes im Wasser (Aufnahme mit einer Drohne). Der Strom viel aus und die Bahn blieb am Mittwoch liegen. Bild: dpa

Der Konzern spricht von Zerstörungen in historischem Ausmaß. Bis zum Jahresende sollen 80 Prozent der beschädigten Infrastruktur wieder funktionieren. Mancherorts könnte der Wiederaufbau jedoch Jahre dauern.

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          Die Deutsche Bahn hat eine Woche nach der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine erste Zwischenbilanz zu den Schäden gezogen. Der Konzern sprach von Zerstörungen in historischem Ausmaß. „In dieser Dimension wurde unsere Infrastruktur noch nie auf einen Schlag zerstört. Wir stehen vor einem gewaltigen Kraftakt“, sagte der für Anlagen- und Instandhaltungsmanagement zuständige Vorstand der DB Netz AG, Volker Hentschel, in einer Online-Pressekonferenz am Freitagmorgen.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Kosten durch Flutschäden im Schienennetz und an Bahnhöfen bezifferte Hentschel auf rund 1,3 Milliarden Euro. Insgesamt geht es um Gleisstrecken mit einer Gesamtlänge von rund 600 Kilometern. Besonders gravierend waren den Angaben zufolge die Schäden an mehr als 50 Brücken. Außerdem hätten die Wasserfluten Stationen und Haltepunkte sowie die Technik stark in Mitleidenschaft gezogen, hieß es.

          Hentschel zufolge sind 180 Bahnübergänge, fast 40 Stellwerke, mehr als 1000 Oberleitungs- und Signalmasten, Energieanlagen sowie Aufzüge und Beleuchtungsanlagen in Bahnhöfen betroffen. Hang- und Dammrutsche sowie Gleisunter- und -überspülungen führten zu massiven Zerstörungen, wie auf zahlreichen Vor-Ort-Fotos zu sehen war, die die Bahn veröffentlichte. 

          Manche Strecken sind „komplett verschwunden“

          Die DB arbeite mit Hochdruck daran, möglichst viele Strecken wieder befahrbar zu machen, hieß es. Verfahren wird nach dem Prinzip: Schnell zu realisierende Reparaturen und Baumaßnahmen mit hohem Nutzen für Fahrgäste und Bahnverkehr haben Vorrang. Bauteams waren in einem ersten Schritt vor allem auf den Hauptstrecken und auf Verbindungen mit kleineren Schäden mit behelfsmäßigen Maßnahmen aktiv.

          In Altenahr.
          In Altenahr. : Bild: dpa

          Beschädigte Oberleitungen wurden ausgewechselt, Gleise gereinigt und angeschwemmter Schutt entfernt. Auf der linken Rheinschiene, der Strecke von Dortmund zum Düsseldorfer Flughafen sowie im Gütertransport Richtung Belgien läuft der Verkehr den Angaben zufolge wieder. 

          Weniger einfach ist es in der Region. „Die Bilder vor Ort zeigen jedoch sehr deutlich: Einige Strecken sind auch heute noch überschwemmt oder komplett verschwunden. Dies alles wieder herzurichten wird Monate, wenn nicht Jahre dauern“, sagte Hentschel. Ziel sei es, bis zum Jahresende etwa 80 Prozent der beschädigten Infrastruktur „wieder auf Vordermann“ zu bringen.

          Nach den ersten Reparaturen stehen nun aufwändigere Arbeiten an. Dazu gehören der komplette Austausch von Oberleitungs- und Signalmasten, der Bau neuer Bahnsteige, Brücken und Aufzüge sowie die Instandsetzung von Bahnübergängen. 

          In der Eifel liegen Reste des Hochwassers auf Bahngleisen.
          In der Eifel liegen Reste des Hochwassers auf Bahngleisen. : Bild: dpa

          Die Bahn will dabei künftig klimaangepasster bauen. Auf Witterungsextreme und Folgen des Klimawandels versucht der Konzern mit einer besonderen Strategie zu reagieren. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hat für das Unternehmen eine Studie erstellt, die wissenschaftliche Prognosewerte für 34 Verkehrsregionen in Deutschland umfasst.

          Im Zusammenhang mit der aktuellen Hochwasserkatastrophe war die Rede von „völlig neuen Verkehrskonzepten“, die die jeweiligen landschaftlichen Gegebenheiten berücksichtigen. So werde man etwa an besonders exponierten Stellen wie Flussläufen künftig anders bauen als bisher, zum Beispiel Brücken höher ansetzen. 

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