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Managergehälter 2018 : Dax-Aufsichtsräte verdienen so viel wie nie zuvor

Spitzenverdiener Michael Diekmann erhielt für seine vier Aufsichtsratsmandate insgesamt 1,4 Millionen Euro. Bei der Allianz ist der ehemalige Vorstandschef Diekmann seit Mai 2017 Vorsitzender des Aufsichtsrats. Zudem sitzt er in den Kontrollgremien von Siemens, BASF und Fresenius. Bild: AFP

Die Chefkontrolleure der Dax-Konzerne bekommen öfter eine reine Festvergütung. Der bestbezahlte Multi-Aufsichtsrat bekam insgesamt rund 1,4 Millionen Euro.

          Die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen bezahlen ihre Aufsichtsräte immer besser. Im Schnitt verdienten die Aufsichtsratschefs der Dax-Unternehmen trotz leicht sinkender Unternehmensgewinne im vergangenen Jahr 424.000 Euro und damit knapp 4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Spitzenverdiener unter den Aufsichtsräten war Michael Diekmann, der für seine vier Aufsichtsratsmandate im Dax insgesamt mehr als 1,4 Millionen Euro bekam, davon rund 480.000 Euro für den Posten des Vorsitzenden im Allianz-Aufsichtsrat.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das bestbezahlte Einzelmandat hat – wie in den Vorjahren – Paul Achleitner inne, der für den Aufsichtsratsvorsitz von der Deutschen Bank knapp 860000 Euro bekam. Gemeinsam mit seinen einfachen Aufsichtsratsmandaten bei Bayer und Daimler verdiente Achleitner insgesamt mehr als 1,2 Millionen Euro.

          Die Spreizung zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Aufsichtsratsgehalt im Dax hat sich in den vergangenen Jahren verringert. Vor fünf Jahren lag das bestbezahlte Mandat laut einer Auswertung der Vergütungsberatung HKP noch um den Faktor 10 über dem am niedrigsten bezahlten Aufsichtsratsvorsitz im Dax; heute bekommt der bestbezahlte Aufsichtsrat nur noch das 4-fache.

          Ein Grund dafür ist, dass am unteren Ende etwas mehr bezahlt wird. Zudem kommt es in der Spitze seltener zu Ausreißern nach oben, weil immer mehr Dax-Unternehmen dazu übergehen, ihren Aufsichtsräten nur eine reine Festvergütung zu bezahlen. Gerade noch fünf Dax-Unternehmen zahlen neben der Festvergütung auch eine variable Vergütung: Neben der Deutschen Bank sind das BMW, Continental, Fresenius und Fresenius Medical Care. Zudem orientieren sich die variablen Boni inzwischen ausschließlich an der längerfristigen Geschäftsentwicklung. Beiersdorf war das letzte Unternehmen, das noch einen kurzfristigen Einjahresbonus gezahlt hat, ist inzwischen aber auch davon abgekommen. Vollkommen verschwunden ist auch die früher sehr weit verbreitete Kopplung der Aufsichtsratsvergütung an die Dividende.

          Paul Achleitner bekam für den Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Bank rund 858.000 Euro - es ist das bestbezahlte Einzelmandat im Dax. Er verdiente dort etwas mehr als im Jahr zuvor, weil in dem Gremium ein zusätzlicher Ausschuss gebildet wurde, der zusätzlich vergütet wird. Zählt man die Vergütung für seine beiden einfachen Mandate bei Daimler und Bayer hinzu, verdiente er insgesamt mehr als 1,2 Millionen Euro.

          Anlegerschützer hatten jahrelang gegen diese Kopplung gekämpft, weil sie aus ihrer Sicht einen Interessenskonflikt hervorrufen kann, denn die Aufsichtsräte legen die Höhe der Gewinnausschüttung selbst fest. Während Anlegerschützer wie die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) den Trend zur Festvergütung für Aufsichtsräte sehr begrüßen, sieht die Vergütungsberaterin Regine Siepmann die Entwicklung kritisch, weil damit die Interessen von Aktionären und Aufsichtsräten nicht mehr so stark miteinander verbunden seien: „Wenn schon eine reine Fixvergütung gezahlt wird, dann sollte diese zwingend durch eine Aktienkaufverpflichtung ergänzt werden“, empfiehlt die Beraterin.

          Im Mittelfeld: Der frühere Bayer-Chef Werner Wenning verdient als Bayer-Aufsichtsratschef noch 407.000 Euro.

          Sie plädiert generell dafür, dass die Dax-Unternehmen am unteren Ende der Rangliste ihre Aufsichtsräte besser bezahlen sollten. Die Vergütung dort sei „weder fair noch angemessen“, sagt Siepmann, denn die Arbeitsbelastung und Haftung von Aufsichtsräten sei spürbar gestiegen. Tatsächlich treffen sich Aufsichtsräte häufiger als früher, dafür ist im Gegenzug die Ämterhäufung stark zurückgegangen. Dafür sorgt künftig auch eine neue Empfehlung im Corporate-Governance-Kodex, dem Benimmbuch für gute Unternehmensführung: Danach soll die Zahl der Mandate auf fünf begrenzt werden, wobei der Aufsichtsratsvorsitz doppelt zählt. Laut Gesetz sind zehn Mandate erlaubt, aufgrund des Drucks von Investoren und Stimmrechtsberatern werden aber längst nicht mehr so viele Mandate wahrgenommen.

          Der scheidende Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, Joachim Faber, der sein Amt zur Hauptversammlung 2020 niederlegt, bekam im vergangenen Jahr 260.000 für sein Mandat.

          Der Gehaltsabstand zu den Vorstandsvorsitzenden solle sich nicht vergrößern, empfiehlt Siepmann. Die Dax-Vorstandsvorsitzenden erhielten im vergangenen Jahr im Schnitt rund 6,4 Millionen Euro ausbezahlt – das ist mehr als das 15-fache der Aufsichtsratschefs. Dieser große Abstand sei nicht gerechtfertigt. Heute seien Aufsichtsräte in alle größeren Entscheidungen eingebunden, laut den Satzungen müssen sie meist allen größeren Geschäften – wie etwa Übernahmen – zustimmen. Die Aufsichtsräte sollten dem Vorstand dabei auf Augenhöhe begegnen können „Davon sind wir aber weit entfernt“, sagt die HKP-Vergütungsberaterin Nina Grochowitzki.

          Wesentlich besser als deutsche Aufsichtsräte werden traditionell die Verwaltungsräte in der Schweiz bezahlt, wobei die Posten nur eingeschränkt vergleichbar sind. So verdiente Axel Weber als Chef des Verwaltungsrats der Schweizer Großbank UBS im vergangenen Jahr rund 4,9 Millionen Euro – damit führt er die europäische Rangliste an.

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