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Drohende Stromausfälle in USA : E-Autos bitte nicht aufladen!

Ladende Tesla in Kalifornien Bild: AFP

In der aktuellen Hitzewelle steigt in Kalifornien die Angst vor dem Blackout. Die Bürger werden deswegen zum Stromsparen aufgefordert – mit allerlei außergewöhnlichen Vorschlägen.

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          Kalifornische Bürger sollen in den nächsten Tagen zu bestimmten Tageszeiten ihre Elektroautos nicht aufladen. Die dringende Aufforderung kommt von CAISO, dem Verwalter des größten kalifornischen Stromnetzes. Er fürchtet umfangreiche Stromausfälle, weil eine Hitzewelle den Bundesstaat erreicht hat. Diese führt dazu, dass viele Bürger die Klimaanlagen hochstellen, um sich vor der Hitze zu schützen.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Es werden in allen Landesteilen Temperaturen um die 40 Grad erwartet. Am höchsten ist der Strombedarf zwischen 16 und 21 Uhr. In diesen Stunden sind die Kalifornier dringend aufgefordert, Strom zu sparen, indem sie die Klimaanlagen erst bei Temperaturen oberhalb von 26 Grad anspringen lassen, Trockner, Wasch- und Spülmaschinen nicht anwerfen und die Elektroautos nicht aufladen.

          Vor wenigen Tagen noch hatte der Bundesstaat den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennermotor vom Jahr 2035 verboten und zugleich einen Zeitablaufplan für die Reduzierung von konventionellen Autos erlassen. Von 2026 an müssen ein Drittel der Neuwagen elektrisch betrieben sein, im Jahr 2030 dann zwei Drittel. Aktuell sind 16 Prozent der verkauften Neuwagen E-Autos, ihr Marktanteil an der kalifornischen Autoflotte von 30 Millionen liegt bei 2 Prozent.

          Atomkraftwerk soll weiterlaufen

          Die Aufforderung, das Aufladen der E-Autos zu reduzieren in heiklen Verbrauchsphasen, wirft ein Schlaglicht auf den gewaltigen Strombedarf, den Kalifornien zusätzlich stillen muss mit der Elektrifizierung der Autoflotte. Die staatliche Energiekommission Kaliforniens sieht einen Bedarf von zusätzlich 5 Gigawatt bis 2030 und unterstellt dabei, dass die Anzahl der Elektroautos dann 7,5 Millionen statt jetzt 600.000 beträgt. Soll die gesamte Flotte elektrisch fahren, wären 20 Gigawatt zusätzlich nötig. Das entspricht umgerechnet 15 bis 20 zusätzlichen Kernkraftwerken, 40 durchschnittlichen Kohlekraftwerken oder Tausenden Windrädern. Der Strombedarf dürfte noch zusätzlich steigen, weil Kalifornien seine Bürger auffordert, Gas- und Ölheizungen aufzugeben und ihre Haushalte zu elektrifizieren.

          Einen kleinen Schritt zu Entlastung der angespannten Lage haben Gouverneur Gavin Newsom und die Abgeordnetenkammer unternommen, indem sie das letzte vor Schließung stehende Atomkraftwerk des Bundesstaates nun weiterlaufen lassen wollen. Um aktuell einen Zusammenbruch des Stromnetzes zu vermeiden hat der Netzbetreiber CAISO besonders umweltschädliche Kraftwerke reanimiert, darunter ein Kraftwerk in Oakland, das Flugzeug-Treibstoff zur Stromerzeugung verbrennt. Die Betreiber wurden mit der Auflage belegt, die Anlage nun bis zum Jahresende laufen zu lassen. Vor vier Jahren hatten die Betreiber die Stilllegung des Kraftwerks zugesagt nach langjährigen Protesten von Umweltgruppen, die die Luftverschmutzung und die Klimaschädlichkeit des Kraftwerks kritisiert hatten.

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