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Historie : Chronik der Finanzmarktkrise

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Am 15. September 2008 geschah, was zuvor viele noch nicht für möglich gehalten hatten. Die Investmentbank Lehman Brothers brach zusammen. Es folgte eine schwere Krise. Ein Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse.

          Am 15. September 2008 geschah, was zuvor viele noch nicht für möglich gehalten hatten. Die Investmentbank Lehman Brothers brach zusammen. Es folgte eine schwere Krise. Ein Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse.

          - 15. September 2008: Die 158 Jahre alte New Yorker Investmentbank Lehman Brothers muss Gläubigerschutz beantragen, nachdem das Finanzministerium und die Fed eine Rettung abgelehnt haben. Der Zusammenbruch führt zu einem Vertrauensverlust der Banken untereinander, der Interbankenmarkt trocknet aus. Merrill Lynch wird an die Bank of America verkauft. Goldman Sachs und Morgan Stanley werden zu gewöhnlichen Geschäftsbanken. Damit endet die Ära der großen amerikanischen Investmentbanken.

          - 17. September 2008: Die Fed gibt dem angeschlagenen Versicherungskonzern American International Group (AIG) einen Kredit über 85 Milliarden Dollar. Die Regierung wird dafür zu 80 Prozent an dem Unternehmen beteiligt. Im Laufe der nächsten Monate erhält der Versicherer Finanzhilfen über 182 Milliarden Dollar.

          - 26. September 2008: Die amerikanische Sparkasse Washington Mutual bricht zusammen, nachdem Kunden zunehmend Einlagen abgezogen haben. Der Zusammenbruch ist der größte in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Die Vermögenswerte des Kreditinstituts werden für 1,9 Milliarden Dollar an die Großbank J. P. Morgan Chase verkauft.

          - 29. September 2008: Die Niederlande, Belgien und Luxemburg beteiligen sich mit 11,2 Milliarden Euro am Allfinanzkonzern Fortis. Einen Tag später müssen sie der Bank Dexia mit 6,4 Milliarden Euro aushelfen.

          - 3. Oktober 2008: In aller Eile wird in Amerika ein 700 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket für das Finanzsystem verabschiedet.

          - 5. Oktober 2008: Bankenvertreter und Bundesregierung einigen sich über ein Hilfspaket für die HRE über 50 Milliarden Euro. Die Bundesregierung gibt eine Staatsgarantie für alle privaten Spargeldeinlagen, Termineinlagen und Girokonten.

          - 6. Oktober 2008: Ein Notstandsgesetz ermächtigt Islands Regierung zur Verstaatlichung der Banken Glitnir, Landsbanki und Kaupthing. Die Verbindlichkeiten der Banken führen fast zum Staatsbankrott.

          - 7. Oktober 2008: Die EU-Finanzminister beschließen ein Paket von Maßnahmen, mit denen sie die Folgen der Finanzkrise bewältigen sowie Sparer und Unternehmen schützen wollen. Dazu gehören die Erhöhung der gesetzlichen Mindesteinlagensicherung in der EU von 20 000 auf 50 000 Euro für mindestens ein Jahr, eine Änderung der Bilanzierungsregeln für Banken, die Zusage, dass "systemrelevante" Banken im Notfall grundsätzlich gerettet würden, sowie die Einigung auf "gemeinsame Prinzipien" für die Rekapitalisierung angeschlagener Institute.

          - 13. Oktober 2008: Die Bundesregierung beschließt ein Rettungspaket für die Banken. Es stellt 80 Milliarden Euro an Eigenkapital zur Verfügung. Außerdem garantiert der deutsche Staat für 400 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten der Banken.

          - 13. Oktober 2008: Der britische Staat beteiligt sich für 47,3 Milliarden Euro an der Royal Bank of Scotland und der Lloyds Banking Group. Im Januar wird ein zweites Rettungspaket geschnürt. Zudem soll die Bank of England als „Bad Bank“ den Banken Risikopapiere abkaufen.

          - 29. Oktober 2008: Ungarn erhält 20 Milliarden Euro internationale Kapitalhilfe, um einen drohenden Staatsbankrott abzuwenden. Anfang November gewährt der IWF der Ukraine einen Kredit von 13 Milliarden Euro zur Stabilisierung des Bankensystems. Immer mehr Schwellenländer suchen Hilfe beim IWF.

          - 16. November 2008: Bei ihrem Gipfeltreffen in Washington einigen sich die in der Gruppe der G 20 zusammengeschlossenen Staats- und Regierungschefs auf ein strengeres Regelwerk für die internationalen Finanzmärkte und auf Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur.

          - 24. November 2008: Die amerikanische Regierung rettet die Citigroup mit 326 Milliarden Dollar vor dem Zusammenbruch. Im Januar wird die Zusammenlegung der Wertpapiersparte für Privatkunden, Smith Barney, mit Morgan Stanley bekannt. Im Februar wird die staatliche Beteiligung auf 36 Prozent erhöht.

          - 16. Dezember 2008: Die Fed senkt den Leitzins auf ein Rekordtief von 0 Prozent.

          - 11. Februar 2009: Die irische Regierung investiert 7 Milliarden Euro in die beiden größten Banken des Landes, die Bank of Ireland und die Allied Irish Banks.

          - 3. März 2009: Die amerikanische Regierung will mit Hilfe der Notenbank bis zu eine Billion Dollar frischen Geldes in die Wirtschaft pumpen.

          - 2. April 2009: Auf dem zweiten Weltfinanzgipfel einigen sich die G 20 in London auf eine Reihe von neuen Regeln und Kontrollen für Hedge-Fonds, Rating-Agenturen und andere Finanzinstitutionen. Zudem werden eine Billion Dollar Finanzhilfen für arme Länder bewilligt.

          - 7. Mai 2009: Da sich die Leitzinsen auf historischen Tiefs befinden, müssen neue Wege in der Geldpolitik beschritten werden. Die Europäische Zentralbank kündigt an, für höchstens 60 Milliarden Euro Pfandbriefe kaufen zu wollen.

          - 31. Juli 2009: In Washington verabschiedet das Repräsentantenhaus einen Gesetzesvorschlag, der Einschränkungen bei der Vergütungspraxis der Banken vorsieht.

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