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Hintergrund : Wo die Schwarzarbeit beginnt

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Die Diskussion um das neue Schwarzarbeitsgesetz hat viele Deutsche verunsichert: Muß ich Steuern zahlen, wenn ich meinem Schwager beim Tapezieren geholfen habe? Darf meine Tochter die Euro für die Englischnachhilfe behalten? Die Bundesregierung betont, keine Bagatellfälle kriminalisieren zu wollen. Was das im Einzelfall bedeutet, dokumentiert FAZ.NET anhand einiger Beispiele des Bundesfinanzministeriums.

          Nachbarschaftshilfe

          Wenn der Nachbar beim Umzug hilft und einen ganzen Samstag lang Kisten schleppt, darf er dafür auch Geld bekommen, ohne gleich zum Finanzamt laufen zu müssen. Über einen maximal zulässigen Stundenlohn steht nichts im Gesetz, Maßstab ist die Formulierung, daß die Tätigkeit „nicht nachhaltig auf Gewinn gerichtet“ sein darf. Auch darf kein so genanntes Direktionsverhältnis - ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer - bestehen. Damit sind gelegentliche Gefälligkeiten in Ordnung. Wenn jemand etwa Umzugshilfe per Kleinanzeigen anbietet, muß er dieses Gewerbe anmelden und Einnahmen versteuern.

          Nachhilfe

          Wenn eine Schülerin regelmäßig Nachhilfe gibt, darf sie ihren Stundenlohn vollständig behalten. Denn es besteht kein so genanntes Direktionsverhältnis, weil die Schülerin nach eigener Entscheidung - beispielsweise wegen einer Urlaubsreise oder einer Party - die Nachhilfestunde auch ausfallen lassen kann. Wenn aber ein Studienrat mit teuren Einzelstunden für zahlreiche Schüler sein Gehalt aufbessert und dies dem Finanzamt verschweigt, begeht er Steuerhinterziehung.

          Babysitten

          Wenn die alte Dame von gegenüber gelegentlich die Kinder hütet, darf sie das Entgelt unversteuert einstreichen. Wenn aber ein berufstätiges Elternpaar darauf angewiesen ist, daß die Tagesmutter täglich drei Stunden auf den Nachwuchs aufpaßt, handelt es sich um ein so genanntes Direktionsverhältnis. Die Beschäftigung müßte als Minijob angemeldet werden.

          Private Putzhilfen

          Die Nichtanmeldung geringfügig Beschäftigter (Mini-Jobs) in privaten Haushalten ist eine Ordnungswidrigkeit. Dies betrifft sowohl die Hinterziehung der fälligen Steuern als auch der Sozialabgaben. Das stellt eine Entschärfung bisheriger Vorgaben dar.

          Mini-Jobs

          Das ist geringfügige Beschäftigung, bei der der Monatsverdienst 400 Euro nicht übersteigt. Die Minijob-Zentrale übernimmt den Einzug der Sozialabgaben und einer einheitlichen Pauschsteuer, die allein der Arbeitgeber zahlt. Privathaushalte, die eine Haushaltshilfe beschäftigen, zahlen nur 13,3 Prozent. Hinzu kommen geringe Jahresbeiträge für eine Unfallversicherung. Private Arbeitgeber können bei haushaltsnahen Dienstleistungen aber 10 Prozent ihrer Kosten - maximal 510 Euro pro Jahr - von der Steuer absetzen. Bei 35 Stunden pro Monat zu je 8 Euro würde eine „schwarz“ beschäftigte Putzhilfe monatlich 280 Euro kosten, bei einer legalen, sozialversicherten wären es nur knapp 4 Euro mehr.

          Pflicht zur Rechnung

          Ohne-Rechnung-Geschäfte“ sollen eingedämmt werden. Künftig müssen bei Dienstleistungen und Arbeiten auf privaten Grundstücken Unternehmen gegenüber ihrem Auftraggeber Rechnungen ausstellen. Der private Auftraggeber muß diese Rechnungen zwei Jahre lang aufheben, das Unternehmen weitere 10 Jahre lang.

          Fahnder

          Unter dem neuen Dach der „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ sollen künftig 7000 Beschäftigte (derzeit 5000) den Kampf gegen illegale Beschäftigung aufnehmen. Sie werden flächendeckend an 113 Standorten vertreten sein. Zoll-Mitarbeiter und Personal der bisher zuständigen Bundesagentur für Arbeit werden zusammengelegt. Bei der Oberfinanzdirektion Köln wird eine zentrale Abteilung mit voraussichtlich 120 Beschäftigten eingerichtet. Privathaushalte sind für die Fahnder tabu. Es wird keine „Haushaltspolizei“ und keine systematischen Überprüfungen privater Haushalte geben. Anonymen Hinweisen im privaten Bereich wird nicht nachgegangen.

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