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Hintergrund : Kleiner Almanach des deutschen Gesundheitswesens

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Wie das deutsche Gesundheitssystem funktioniert, wer die Akteure sind, was sie (be)zahlen, was sie bekommen - ein Überblick.

          Wie das deutsche Gesundheitssystem funktioniert, wer die Akteure sind, was sie (be)zahlen, was sie bekommen - ein Überblick.

          Patienen: In Deutschland leben 80 Millionen Menschen. Etwa 4,2 Millionen arbeiten in einem Gesundheits- oder Pflegeberuf. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Bürger gegen die wirtschaftlichen Folgen einer Erkrankung versichert.

          Krankekassen: 90 Prozent der Bürger gehören einer der 253 gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) an: Orts-, Ersatz-, Betriebs-, Innungs-, Seekrankenkasse, Knappschaft oder Künstlersozialkasse. Ende 2005 zählte die GKV 50,6 Millionen Beitragszahler und 70,6 Millionen Versicherte (Mitglieder samt Ehegatten und Kindern). Bei den Kassen, die mehr als 100000 Menschen beschäftigen, ist das Leistungsspektrum zu 95 Prozent deckungsgleich. Sie müssen Mitglieder ohne Gesundheitsprüfung aufnehmen, der Beitragssatz differiert nicht nach Risiken wie Alter oder Gesundheitszustand. Den Beitrag, derzeit im Schnitt 13,20 Prozent des Bruttolohns, tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer (Rentenkassen/Rentner) je zur Hälfte. Die Mitglieder zahlen zudem einen Sonderbeitrag von 0,9 Punkten.

          PKV: Wer mehr als 3937,50 Euro im Monat verdient und damit die sogenannte "Friedensgrenze" überschreitet, von dem nimmt der Gesetzgeber an, daß er alleine für seinen Krankenversicherungsschutz sorgen kann. Er kann in eine der 48 privaten Krankenversicherungen (PKV) wechseln. Die Anbieter stehen auch Beamten, Selbständigen und Freiberuflern offen. Ende 2004 zählte die PKV 8,26 Millionen Kunden mit Vollversicherungsschutz. Hinzu kamen 16,2 Millionen Zusatzversicherte. Die private Versicherung bezieht in ihre Kalkulation Vorerkrankungen und das Alter des Versicherten ein. Auch baut sie anders als die GKV eine Rückstellung auf, um die im Alter steigenden Kosten abzudecken. Die beliefen sich zuletzt auf 80 Milliarden Euro für zehn Prozent der Bevölkerung. Die PKV rechnet mit Ärzten, Apothekern und Kliniken auf Basis der gesetzlichen Gebührenordnung oder einzelvertraglicher Abmachung ab. Wünsche nach einer Reform der 25 Jahre alten Honorarordnung hat die Politik bisher überhört.

          Ärzte: Die gesetzlichen Kassen zahlen ihr Honorar pauschal je Mitglied an die je 17 Vereinigungen von Kassenärzten und Zahnärzten. Die garantieren die ambulante Versorgung und leiten das Honorar an die 136000 Kassenärzte und Psychotherapeuten weiter wie auch an die 55000 niedergelassenen Zahnärzte. In den Praxen werden mehr als eine halbe Million Helferinnen beschäftigt.

          Kliniken: Bundesweit stehen 2166 Krankenhäuser für die stationäre Versorgung bereit. Dort arbeiten rund 1,1 Millionen Menschen, darunter 145000 Ärzte. Vom Jahresumsatz der Kliniken in Höhe von 64,7 Milliarden Euro zahlen knapp 48 Milliarden Euro die gesetzlichen Kassen.

          Apotheker: Zu den mehr als vier Millionen Therapeuten, Handwerkern oder Pflegekräften, die im Gesundheitswesen arbeiten, gehören 136000 Apotheker und Helfer, die in 21400 Apotheken Arzneimittel ausreichen und andere Medizin- oder Pflegeprodukte verkaufen. Im Durchschnitt setzte eine Apotheke 2004 rund 1,5 Millionen Euro um. Sie machte 60 Prozent des Umsatzes mit der GKV.

          Pharmaindustrie: Allein die Pharmaindustrie beschäftigt 115000 Menschen, die meisten bei wenigen großen Konzernen. Hinzu kommen Hersteller medizinischer Geräte - von der Kanüle bis zum Magnetresonanz-Tomographen. Der Auslandsanteil im Geschäft der Hersteller von Arzneien wie von Medizinprodukten wächst. Sie machen dafür auch die fortdauernde Politik der Ausgabendämpfungen im Inland verantwortlich. (ami.)

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