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Herzogenaurach : Ein Städtchen voller Weltstars

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Kaum einer kennt Herzogenaurach. Seine Firmen schon: Adidas, Puma und Schaeffler sitzen hier. Die Region müht sich, sie hier zu halten. Und ganz Mittelfranken würde gern Metropole sein.

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          Die Sportmode von morgen kommt aus dem Altersheim. Ausgerechnet in die bonbonfarbenen Häuserwürfel der neuen Seniorenwohnanlage hat der Sportartikelhersteller Puma einen Teil seiner Mitarbeiter ausgelagert. Der vollverglaste Anbau am Hauptquartier nebenan ist erst drei Jahre alt, aber er platzt schon aus allen Nähten.

          Alle paar Monate heuert der Konzern ein Dutzend Jungdesigner aus Neuseeland und Korea, England oder Holland an, die in Mittelfranken neue Kollektionen auf den Weg bringen. Und der Neubau, für den ein halbes Dutzend Kräne am Rande der Stadt Stellung bezogen haben, wird erst Ende nächsten Jahres fertig. Aber die Mittelfranken sind kreativ, wenn es um die Verwaltung des Mangels geht. Vor allem um die Verwaltung des Platzmangels.

          Wenn gleich drei Weltkonzerne - Adidas, Puma und Schaeffler - in einem fränkischen Fachwerkstädtchen mit 23 000 Einwohnern sitzen und hier rund 16 000 Leute beschäftigen, kann es schon mal eng werden. Zumal alle drei Firmen ihre Hauptquartiere fast im mittelalterlichen Stadtkern haben - und gerade in den vergangenen Jahren mächtig gewachsen sind.

          Die Wiege der deutschen Sportartikelindustrie

          Ein Trupp Puma-Mitarbeiter ist deshalb jüngst mit seinen Computern in die Seniorenwohnungen gezogen. Die Jungdesigner in Jeans und T-Shirt belegen nun alle Räume, die noch kein alteingesessener Herzogenauracher beansprucht hat. In den bunten Häusern entwerfen sie Jogginghosen und Kapuzenpullis, die Käufer bald von Hamburg bis München, von New York bis Hongkong spazieren tragen, inspiriert vom Blick auf Geranienbalkone und das Flüsschen Aurach. Hausbesetzung mal anders.

          "Es kommt nicht drauf an, wo wir sitzen, sondern ob wir im Kopf eine Marke verändern können", hat Rudolf Dassler, der Ex-Chef und Gründer des Konzerns, mal gesagt. Und den Satz zitieren Herzogenauracher bis heute gern, so wie Helmut Fischer, Werbeleiter von Puma Deutschland. Er ist seit 30 Jahren im Konzern, "mit Puma verheiratet", wie er sagt und ein echtes fränkisches Urgestein: mit rollendem "R", beherzter Wortwahl und zupackender Art. Früher hat er oft mit "dem Rudolf" am Angelteich gesessen, und er ist stolz auf den - aus seiner Sicht - mutigsten Bürger der Stadt: "Der Rudolf hat ja hier alles neu aufgebaut." Schließlich verkörperte der auch zwei besonders fränkische Eigenarten: Er war bodenständig und stur. Sehr stur, sonst hätte es den zweiten Weltkonzern hier nie gegeben.

          Rudolf Dassler ist aber nur einer von fünf Söhnen der Stadt, die den Namen Herzogenaurachs in die Welt trugen. Lothar Matthäus kommt von hier. Rudolf und sein Bruder Adolf "Adi" Dassler nähten in den zwanziger Jahren Turnschuhe in Mutters Waschküche. Herzogenaurach, eingerahmt von großen Land- und Wasserstraßen-Kreuzungen, war lange das Pirmasens Mittelfrankens, eine Schuh- und Textilhochburg. Seit die Dasslers 1924 ihre Turnschuhfabrik gründeten, die heute Adidas heißt, gilt die Gemeinde als Wiege der deutschen Sportartikelindustrie.

          In den vierziger Jahren verkrachten sich die Dasslers

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