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Herkunftsbezeichnung : Made in Poland? Na und!

Sicher auf Kurs: Im Solariswerk nahe Posen werden Busse auch für den deutschen Markt gebaut Bild: Laif

Polnische Unternehmen erschließen sich längst ausländische Märkte. Aber ihre Produkte kennzeichnen sie lieber mit „Made in Europe“. Ihr Land hat ein Imageproblem.

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          Für Irena Eris war der Fall klar. Man habe den Fehler gemacht, „Made in Poland“ auf die Packungen zu drucken. Die britischen Kundinnen der Drogeriekette Boots hätten die Herkunftsangabe mit minderer Qualität in Verbindung gebracht und links liegenlassen, analysierte die Gründerin der gleichnamigen Kosmetikmarke. Befragungen der Verbraucherinnen sollten ihr recht geben. Eris dürfte den Rückschlag heute, ein gutes Jahrzehnt danach, längst verschmerzt haben. Ihr in den achtziger Jahren in einer Werkstatt gegründetes Unternehmen setzt heute mehr als 40 Millionen Euro um, jeder zehnte Euro wird im Ausland verdient. Auch deutsche Frauen kennen und schätzen die Cremes und Gels aus Piaseczno nahe Warschau. Der Export soll in diesem Jahr um 20 Prozent wachsen, vor allem in Asien und dem Nahen Osten ist die Nachfrage groß. Als Ritterschlag dürfte Eris zudem die Aufnahme in das Comité Colbert vor einem Jahr empfunden haben. Als Mitglied im Klub der Edelmarken spielen die Polen nun in derselben Liga wie viele französische Luxuswarenhersteller.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Polens Wirtschaft wächst seit Jahren. Zuerst entdeckten westliche Konzerne in den neunziger Jahren das größte der mittelosteuropäischen Transformationsländer als günstigen Produktionsstandort. Später kam die Verlagerung anspruchsvoller Dienstleistungen hinzu. Mittlerweile erschließt sich die polnische Wirtschaft jedoch zunehmend auch ausländische Märkte. Im vergangenen Jahr waren polnische Unternehmen staatlichen Angaben zufolge in 94 Ländern aktiv und erzielten dabei ein Absatzvolumen von 33,5 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal dieses Jahres erzielte Polen erstmals seit dem Ende des Ostblocks einen Exportüberschuss von 1,2 Milliarden Euro, der nicht nur auf die etwas schwächere Binnennachfrage zurückzuführen war.

          Trotz aller Erfolge: Das Land kämpft immer noch mit seinem Image als verlängerte Werkbank des Westens und Billiglohnland. In der Tat verdienen polnische Arbeitskräfte immer noch rund ein Drittel bis die Hälfte von dem, was ein gleich qualifizierter Deutscher erhält. Allerdings steigen gerade in Zentren wie Warschau und Breslau die Gehälter spürbar und reichen oft an Westniveau heran. „Die meisten haben ein völlig falsches Polen-Bild im Kopf“, sagt ein Manager von den Färöer-Inseln, der in Danzig für ein Tochterunternehmen des Germanischen Lloyd arbeitet, ein Dienstleister der maritimen Wirtschaft.

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          Doch um solche Vorurteile abzubauen, braucht es viel Zeit. Deshalb waren polnische Unternehmen im Sommer völlig verstört über die Pläne der Europäischen Kommission für eine genauere Herkunftsbezeichnung von Gütern. Demnach würde künftig statt wie bisher „Made in the EU“ ein „Made in Poland“ ihre Ware zieren. Die Produzenten fürchteten die bekannten Vorbehalte und forderten deshalb die Regierung in Warschau auf, gegen die Pläne aus Brüssel vorzugehen.

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          Das Wirtschaftsministerium reagierte jedoch ganz anders und begann eine Werbekampagne für „Made in Poland“ auf den wichtigsten europäischen Auslandsmärkten in Deutschland, Tschechien und der Ukraine. Deutschland ist allein Ziel eines Viertels der polnischen Ausfuhr und wichtigster Handelspartner des Landes. Im kommenden Jahr wird die Kampagne in China und Russland fortgesetzt.

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