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Herbsgutachten : Stabilitätsrisiken

Die Ökonomen sorgen sich in ihrem Herbstgutachten gleich doppelt: Zum einen darüber, wie die Schuldenkrise das Vertrauen untergräbt und die Wirtschaft bremst. Zum anderen nimmt die Sorge zu, wohin verfehlte Krisenbekämpfung mit der Notenpresse führen kann.

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          Der Titel des neuen Gutachtens der Wirtschaftsforschungsinstitute ist zweigeteilt: „Euro-Krise dämpft Konjunktur - Stabilitätsrisiken bleiben hoch“, heißt es. Darin drückt sich die doppelte Sorge der Ökonomen aus. Zum einen darüber, wie die Schuldenkrise das Vertrauen untergräbt und die Wirtschaft bremst. Die Wachstumsprognose für Deutschland haben die Institute glatt halbiert. Zum anderen nimmt die Sorge zu, wohin verfehlte Krisenbekämpfung mit der Notenpresse führen kann.

          Zur Beruhigung der fiebernden Finanzmärkte sind die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank ein scheinbar bequemes Mittel. Kurzfristig werden die Spannungen in der Eurozone gemildert, wenn die EZB Papiere der Wackelländer übernimmt. Aber damit gerät die Währungsunion insgesamt auf eine schiefe Bahn. Einige Ökonomen meinen zwar, es sei unvermeidlich, dass die EZB als Käufer einspringe, um einen Teufelskreislauf aus steigenden Zinsen und steigenden Schulden zu stoppen. Der Internationale Währungsfonds, der vor einem möglichen Finanzkollaps warnt, fordert mehr Gemeinschaftshaftung und Transfers. Doch mit den EZB-Anleihekäufen oder einer anderen Vergemeinschaftung von Schulden wird auch der Reformdruck von den Krisenländern genommen. Die monetäre Staatsfinanzierung wirkt wie eine Droge, der Entzug ist kaum noch möglich. Die EZB steht derzeit am Scheideweg. Um aktuelle Konjunkturrisiken zu begrenzen, sollte sie keine langfristigen Stabilitätsrisiken eingehen. Denn wenn die Inflationserwartungen der Bürger und Märkte einmal abheben, wird Gegensteuern extrem schwierig.

          Der deutschen Wirtschaft bescheinigen die Institute bei allen Problemen durchaus ein solides Fundament. Eine temporäre Flaute wird am Arbeitsmarkt keine tiefen Spuren hinterlassen, die Zahl der Erwerbslosen bei rund 2,9 Millionen stagnieren. Die hohe Beschäftigung stärkt den Konsum, der zur wichtigsten Stütze der Konjunktur wird. Im Verlaufe des nächsten Jahres könnten auch die Investitionen der Unternehmen wieder anziehen. Die günstigen Finanzierungsbedingungen sprechen dafür. In diesem Umfeld könnte der deutsche Staat einen ausgeglichenen Haushalt erzielen, zum zweiten Mal in vierzig Jahren. Allerdings ist dies eine Budgetrechnung mit großem Fragezeichen: Denn die Haftungssummen aus der Eurorettung steigen drastisch an. Auch hier türmen sich gewaltige Stabilitätsrisiken auf.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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