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Vorstandschef Diess : „Volkswagen muss anständiger werden“

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Herbert Diess spricht auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Berlin. Bild: dpa

Volkswagen trägt weiterhin am Dieselskandal – das zeigt sich im Thema, das Vorstandschef Diess für seine Rede auf der Hauptversammlung auswählt. Für die Mitarbeiter von Randsparten des Konzerns könnte er unangenehme Nachrichten dabeihaben.

          Bei Volkswagen soll Aufrichtigkeit genauso wichtig werden wie der Gewinn. Der neue Vorstandschef Herbert Diess kündigte am Donnerstag vor den Aktionären in Berlin an, Recht und Gesetz in dem Großkonzern, der seit fast drei Jahren mit den Folgen des Dieselskandals ringt, zu stärken. „Volkswagen muss in diesem Sinne noch ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden“, betonte Diess, der Mitte April überraschend das Ruder beim weltgrößten Autokonzern übernommen hatte.

          Dabei soll auch das interne Hinweisgebersystem ausgebaut werden, mit dem Mitarbeiter auf Missstände hinweisen können, ohne Folgen für ihre Karriere befürchten zu müssen. Fehlverhalten müsse kompromisslos geahndet werden, forderte Diess. Es müsse klar sein, dass nicht alles, was legal sein möge, auch legitim sei. Eine offene Unternehmenskultur sei nötig, in der Widerspruch nicht erstickt, sondern belohnt werde.

          Diess hob hervor, dass der von den US-Behörden als Konsequenz aus dem Dieselskandal eingesetzte Aufpasser Larry Thompson gefordert habe, Compliance und Integrität müssten bei Volkswagen dieselbe Bedeutung bekommen wie etwa Fahrzeugentwicklung, Produktion und Vertrieb. „Ich teile diese Ansicht uneingeschränkt.“ Damit bekäme die Einhaltung von Regeln die gleiche Bedeutung wie etwa die Gewinnerzielung oder die Absatzsteigerung. Diess forciert damit den Ansatz seines Vorgängers Matthias Müller.

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          Während es im Kerngeschäft rund läuft und Volkswagen dank sprudelnder Gewinne – 2017 gab es einen Nettogewinn von 11,6 Milliarden Euro – eine höhere Dividende an die Aktionäre ausschütten kann, hat der Konzern immer noch alle Hände voll zu tun mit der Aufarbeitung des Dieselskandals. Vor allem bei diesem Thema dürfte es auf der Hauptversammlung Gegenwind geben. Einige Aktionäre haben Gegenanträge angekündigt und begründen dies mit Versäumnissen von Aufsichtsrat und Management.

          Diess will die zwölf Marken des weltgrößten Autobauers in den Segmenten Massenmarkt, Premium und Luxus bündeln, um den Großkonzern aus Wolfsburg wendiger zu machen und Doppelarbeiten zu vermeiden. Dadurch sollen Kräfte mobilisiert werden, um den Schwenk in die Elektromobilität, selbstfahrende Autos und neue Mobilitätssysteme zu finanzieren.

          Ausgliederung von Randsparten?

          Dabei denkt Volkswagen auch über die Ausgliederung von Randbereichen nach. „Für Nicht-Kerngeschäfte wie Ducati, Renk und MAN Diesel & Turbo werden wir belastbare Zukunftsperspektiven finden“, sagte Diess. Diese Überlegungen könnten zu einer Perspektive für diese Bereiche im Konzern führen. „Aber auch Ausgliederungen sind denkbar.“

          Der Konzernchef deutete damit an, dass auch ein Verkauf oder ein Börsengang dieser Bereiche denkbar ist. Konkrete Pläne dafür gibt es aber offenbar nicht. Diess sagte, man werde sich bei der Überprüfung der Randbereiche Zeit lassen und mit der „gebotenen Gründlichkeit“ vorgehen.

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