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Herbert Demel : Magnas Mann für Opel

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Herbert Demel soll nach einer Übernahme durch Magna die Sanierung in Rüsselsheim begleiten. Allerdings kann der ehemalige Chef von Audi und Fiat nicht die direkte Führung bei Opel übernehmen. Es könnte zu Schwierigkeiten mit anderen Autoherstellern kommen.

          Wenn Magna tatsächlich den Zuschlag für die Übernahme von Opel erhält, dann wird schlagartig ein Mann wichtiger, der bisher nur dezent im Hintergrund agierte, aber als einer der wichtigsten Architekten der Transaktion gilt. In der Branche ist Herbert Demel - als ehemaliger Chef von Audi und zeitweiliger Spitzenmanager der Fiat-Autosparte - ohnehin kein Unbekannter. Der gebürtige Österreicher gehört zur europäischen Geschäftsführung von Magna und ist unter anderem verantwortlich für die Auftragsfertigung von Magna. In dieser Sparte produziert der kanadisch-österreichische Konzern Autos im Auftrag der großen Hersteller. Einige Beispiele sind der Chrysler-Jeep Grand Cherokee, der Geländesportwagen X3 von BMW sowie ein Mercedes-Geländewagen.

          Demel - der einzige Ingenieur in einer Familiendynastie von Psychoanalytikern - begleitete Magna-Chef Siegfried Wolf in den vergangenen drei Monaten in allen wichtigen Verhandlungen mit dem Opel-Mutterkonzern General Motors und der Bundesregierung. Immer wieder musste sich der 55 Jahre alte Manager vom Tagesgeschäft in der Zentrale von Magna Steyr in Graz losreißen, um nach Berlin, Detroit oder Frankfurt zu fliegen. Dort versuchte er, der Bundesregierung die Angst vor Stellenabbau und den Amerikanern die Furcht vor einem unkontrollierten Technologietransfer nach Russland zu nehmen.

          Entzug von Aufträgen

          Keiner der Magna-Manager verbrachte in den letzten drei Monaten mehr Zeit im Opel-Stammwerk in Rüsselsheim als Demel. Nahezu jede Fabrikhalle nahm er selbst in Augenschein. Beobachter aus Branchenkreisen würden sich deshalb nicht wundern, wenn er nach der Übernahme von Opel die Holding führen würde, in die der Autohersteller eingebracht werden soll. Operativer Chef von Opel soll jedoch in jedem Fall Carl-Peter Forster bleiben.

          Die direkte Führung bei Opel könnte Demel schon aus einem einfachen Grund nicht übernehmen: Magna muss genau darauf achten, Opel strikt vom eigenen Geschäft zu trennen. Sonst gibt es Schwierigkeiten mit den großen Autoherstellern, die bei Magna einkaufen: Volkswagen-Chef Martin Winterkorn droht Magna schon jetzt öffentlich mit dem Entzug von Aufträgen, wenn er das Gefühl bekommen sollte, dass Opel besser bedient werde als VW.

          Schnelle Sanierungserfolge

          Nach einer Übernahme von Opel soll Demel - zusammen mit Opel-Chef Carl-Peter Forster - den maroden Hersteller aus Rüsselsheim in wenigen Jahren auf Vordermann bringen. Schon in Planung ist für Opel ein neuer Kleinstwagen unterhalb des Corsa und die Expansion in Russland. Dass er genügend Fingerspitzengefühl und Wiener Schmäh mitbringt, um der deutschen Politik Staatskredite und dem Opel-Betriebsrat Lohnverzicht abzuringen, kann als sicher gelten. Schließlich haben sich Vater und Mutter einen Namen als Psychoanalytiker gemacht. Die nähere Verwandtschaft schuf sich ein Kaffeehausimperium.

          Zudem hat sich Demel bereits Meriten als Sanierer bei mehreren großen Autoherstellern erworben. Vor 15 Jahren holte er binnen weniger Monate als neuer Audi-Chef die Volkswagen-Tochter aus der Verlustzone und legte die Basis für den heutigen Erfolg. Schon bald darauf wurde er allerdings für den Geschmack von Ferdinand Piëch zu selbstbewusst. Der damalige VW-Chef und heutige Aufsichtsratschef versetzte Demel 1997 auf den Chefposten der VW-Südamerika-Organisation. Auch hier erzielte der studierte Maschinenbauer schnelle Sanierungserfolge und steigerte den Absatz so stark, dass VW in Brasilien einen Marktanteil von 30 Prozent erreichte.

          Investitionsfreude ein gutes Vorzeichen

          Demels Hoffnung, an die Spitze von VW vorzurücken, wurde von Piëch dennoch enttäuscht. Frustriert wechselte er 2002 zum damals noch eigenständigen österreichischen Autozulieferer Magna Steyr, der später in der kanadischen Magna International aufging. Obwohl Demel den Börsengang vorbereitete und das Amerika-Geschäft ausbaute, blieb das Engagement bei Magna zunächst nur ein Intermezzo.

          Nach nur 15 Monaten folgte Demel einem Ruf aus Turin und wechselte zu Fiat. Der damals mit hohen Verlusten kämpfende Hersteller warb ihn als neuen Chef der Autosparte an. Doch Demel konnte dieses Mal - trotz erfolgreicher neuer Modelle - nicht vollständig überzeugen. Nach einem Zerwürfnis mit Fiat-Chef Sergio Marchionne kehrte er zurück zu Magna. Streitpunkt waren die teuren Investitionen, die Marchionne unbedingt zurückfahren wollte. Für die Opel-Arbeiter könnte die Investitionsfreude von Demel ein gutes Vorzeichen sein.

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