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F.A.Z. exklusiv : Heils Fachkräftepolitik verärgert viele Unternehmen

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil Bild: Reuters

Betriebe sollen Ältere nicht zum „alten Eisen“ packen, ermahnt der Arbeitsminister die Wirtschaft. Deren Vertreter reagieren empört – denn das Problem sei das SPD-Projekt „Rente ab 63“.

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          Was hilft gegen Fachkräftemangel? Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) löst mit seinen Ansichten dazu fast schon regelmäßig allergische Reaktionen von Unternehmen und Wirtschaftsvertretern aus. Denn nach seiner Analyse liegt es nicht an politischen Regelungen wie der „Rente ab 63“, dass Betrieben zu viele erfahrene, ältere Fachkräfte abhanden kommen – sondern eher an deren Personalpolitik: Vielen Arbeitgebern fehle noch immer die Bereitschaft, ältere Menschen zu attraktiven Konditionen zu beschäftigen.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft und zuständig für „Die Lounge“.
          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Vorsitzende der CDU/CSU-Mittelstandsunion, Gitta Connemann, nannte dies am Mittwoch eine „an Dreistigkeit kaum zu überbietende Schuldzuweisung“ an die Arbeitgeber. „Diese Unterstellung von Hubertus Heil schlägt dem Fass den Boden aus“, sagte Connemann der F.A.Z. „Nicht die Betriebe brauchen einen Mentalitätswandel, sondern der Arbeitsminister.“ Denn Heil und dessen Partei hätten in den vergangenen Jahren mit ihrer Rentenpolitik „alles daran gesetzt, Arbeit im Alter unattraktiv zu machen“.

          „Können wir uns ökonomisch nicht leisten“

          Heil hatte seine Sicht am Dienstagabend noch einmal bekräftigt: Die Unternehmen müssten mehr ältere Menschen einstellen. „Die ganze Mentalität, dass man über 60-Jährige zum alten Eisen packt, die können wir uns ökonomisch nicht mehr leisten“, sagte er im ZDF. Kurz vor Weihnachten hatte er sich schon einmal so eingelassen – und sich damit zum einen gegen Rufe nach einer höheren Regelaltersgrenze gestellt, zum anderen gegen Zweifel an der 2014 von seiner Amtsvorgängerin Andrea Nahles (SPD) eingeführten abschlagsfreien „Rente ab 63“ für langjährig Versicherte. Schon damals hatte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger dem Minister vorgeworfen, mit „Nebelkerzen“ von politischen Versäumnissen in Sachen Fachkräfte abzulenken.

          Auch im Maschinenbau, mit 1,2 Millionen Beschäftigten einer der größten Industriezweige, stößt Heils Analyse auf Unverständnis. Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VDMA, nennt die „Rente ab 63“ eine „glatte politische Fehlentscheidung, an deren Folgen der Maschinenbau auf absehbare Zeit zu knacken hat“. Da die Branche ihrem Personal überdurchschnittlich stabile Arbeitsplätze biete, erfüllten dort sogar besonders viele Fachkräfte die Kriterien der vorzeitigen Rente. Laut Rentenforscher Axel Börsch-Supan hören jährlich mittlerweile insgesamt 260 000 Arbeitnehmer dank „Rente ab 63“ vorzeitig auf. Und überproportional viele dieser Neurentner seien fit und hoch qualifiziert.

          Auch Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, forderte von der Politik bessere Rahmenbedingungen, um Ältere länger im Beruf zu halten. „Die Rente mit 67 muss konsequent umgesetzt werden“, sagte er der F.A.Z. „Die sogenannte Rente mit 63 muss endlich auslaufen und wir müssen Frühverrentungsanreize gezielt abbauen.“ Brossardt verwahrte sich gegen Behauptungen, Arbeitgeber hätten Vorbehalte gegen ältere Mitarbeiter. Mit ihrer Erfahrung und Qualifikation seien sie in den meisten Unternehmen „eine Stütze des ganzes Betriebes“. Von „altem Eisen“, so Brossardt, „kann also keine Rede sein“.

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