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Schwere Krise : Die verlorene Wette der Deutschen Bank

In der schwersten Krise ihrer Geschichte: Die Deutsche Bank bangt um ihre Existenz. Bild: Reuters

Lange galt das größte deutsche Geldinstitut als vorbildlich. Nun ist die Deutsche Bank zum Spielball von Hedgefonds und der Justiz verkommen. Das Haus befindet sich in seiner schwersten Krise. Wie konnte das passieren?

          7 Min.

          Die Deutsche Bank steckt in der schwersten Krise ihrer Geschichte. Selbst das Undenkbare gilt als möglich: das Ende nach 146 Jahren. Sie hat ihr Schicksal nicht mehr selbst in der Hand. Sie ist getrieben von Hedgefonds, die gegen die Bank wetten. Und sie hängt ab vom guten Willen des amerikanischen Justizministeriums, im Verfahren zu Hypothekenanleihen keine Strafe in Höhe der angedrohten 14 Milliarden Dollar zu verhängen.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die längste Zeit in ihrer Geschichte galt die Deutsche Bank als die Schaltzentrale der deutschen Wirtschaft. Doch nun stellt sich die deutsche Öffentlichkeit die Frage: Wann genau war eigentlich der Punkt, an dem die Deutsche Bank nicht mehr umdrehen konnte? War es der Einstieg in das angelsächsisch geprägte Kapitalmarktgeschäft, also das Investmentbanking, im Jahr 1989? Oder doch der Angriff auf den amerikanischen Markt zehn Jahre später mit der Übernahme von Bankers Trust? Möglicherweise ist der Punkt aber viele Jahre später, erst nach der Finanzkrise, überschritten worden.

          Gigantische Wette

          Es war die gigantische Wette von Anshu Jain, damals neben Jürgen Fitschen Ko-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Während fast alle anderen europäischen Banken, aufgrund der strengeren Vorgaben der Aufsichtsbehörden, ihr Geschäft im Investmentbanking abbauten, steuerte Jain die Deutsche Bank in die andere Richtung: Sie sollte im Investmentbanking, als einzige europäische Adresse, den Wall-Street-Banken wie JP Morgan oder Goldman Sachs Konkurrenz machen. Diese Wette von Jain fand auch die Unterstützung des Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner, der früher Deutschland-Chef von Goldman Sachs war.

          Zwei Kapitalerhöhungen spülten zwischen Frühjahr 2013 und Sommer 2014 rund 11,5 Milliarden Euro in die Kassen der Deutschen Bank. Das Geld sollte den Frankfurtern wieder die Macht geben, Marktanteile in diesem schwierigen Umfeld zu gewinnen. Nur: Die Strafen und Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten fraßen das zusätzliche Kapital auf. Die Wette schlug auch an den Finanzmärkten fehl. Während die britische Barclays und die Schweizer UBS ihren Wertpapierhandel deutlich verkleinerten, hielt die Deutsche Bank daran fest. Das Urteil der Investoren fällt eindeutig aus: In den vergangenen drei Jahren hat der Aktienkurs fast zwei Drittel verloren. Die Anteilscheine von Barclays und UBS haben sich deutlich besser geschlagen. Die Kapitalerhöhung im Sommer 2014 sollte alle Sorgen um eine zu dünne Kapitaldecke aus der Welt schaffen. Und sie wäre auch eine gute Gelegenheit gewesen, den strategischen Kurs zu korrigieren und das Investmentbanking deutlich zu schrumpfen.

          Doch das war nicht der Fall. Gut zwei Jahre später sind Jain und Fitschen nicht mehr in Amt und Würden. Die Deutsche Bank verliert im Investmentbanking Marktanteile und rangiert nicht mehr unter den Top 5. Der Aktienkurs lag vergangene Woche zeitweise unter 10 Euro, die gesamte Bank war zu dem Zeitpunkt nur noch 14 Milliarden Euro wert – nur ein Viertel des eigentlichen Buchwertes. Peanuts, verglichen mit den 241 Milliarden Dollar von JP Morgan Chase. Aber auch zu wenig im europäischen Vergleich: Die UBS wird an der Börse mit knapp 50 Milliarden Euro bewertet, die französische BNP Paribas oder die spanische Santander mit jeweils 57 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank ist mit ihrem Börsenwert längst nicht mehr konkurrenzfähig.

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