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Liberale in der Krise? : Hayek und die Pandemie

  • -Aktualisiert am

Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek Bild: DARCHING

Das Coronavirus zwingt auch demokratische Gesellschaften zu harten Eingriffen in die Freiheit. Ein Blick in die Schriften des Nobelpreisträgers bringt überraschende Erkenntnisse. Ein Gastbeitrag.

          9 Min.

          Die Pandemie ist eine Herausforderung für die liberale Gesellschaft. Sie erzwingt harte Abwägungen zwischen dem Gut der öffentlichen Gesundheit und individuellen Freiheitsrechten. Für manche gehen die staatlichen Beschränkungen zur Pandemiebekämpfung zu weit. Die Ergebnisse seien die Aufgabe individueller Freiheiten nicht wert. Für andere ist die offensichtliche Notwendigkeit staatlicher Eingriffe nur ein weiterer Beleg dafür, dass die „neoliberale“ Gesellschaft das Gemeinwohl nicht wahren kann. Beide Perspektiven sehen die staatlichen Maßnahmen im grundsätzlichen Widerspruch zu liberalen Prinzipien. Das dem nicht so ist, zeigt ein Blick in die Schriften des Ökonomen und liberalen Sozialphilosophen Friedrich August von Hayek (1899–1992), der entscheidend am Aufstieg des Neoliberalismus mitwirkte.

          Dieser neue Liberalismus, der auch den deutschen Ordoliberalismus umfasst, entstand aus den dunklen Erfahrungen des Faschismus und Totalitarismus in Europa. Er sollte vor allem widerstandsfähiger sein als der klassische Liberalismus, der angesichts sozialer Krisen keine überzeugenden Angebote zu machen wusste und daher schnell an Überzeugungskraft verlor. Vor diesem Hintergrund sollte es nicht überraschen, dass Hayeks Neoliberalismus für den Fall sozialer Krisen wie einer Pandemie pragmatische Lösungsansätze anbietet. So begründet Hayek, der als junger Soldat des Ersten Weltkriegs die Spanische Grippe überlebte, in seinem 1979 veröffentlichten Magnum „Recht, Gesetz und Freiheit“ für den Seuchenfall eine aktive Rolle des Staates mit weitreichenden Ermessensspielräumen.

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