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Hartmut Mehdorn : „Eine Igelpolitik führt zu nichts“

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Harmut Mehdorn: „Geld kennt keine Grenzen” Bild: REUTERS

Die aktuelle Aufregung bei der Bahn verstellt den Blick für wichtige Veränderungen: Die Kapitalprivatisierung der Deutschen Bahn AG rückt näher. Bahnchef Hartmut Mehdorn im Interview mit der F.A.Z. über Schutzzäune gegen Investoren, Gehälter und Altersgrenzen.

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          Die Bahngewerkschaften legen mit Warnstreiks den Verkehr in Deutschland lahm. Die Lokomotivführer, die einen eigenen Tarifvertrag erstreiken wollen, haben für nächste Woche abermals Arbeitsniederlegungen angekündigt. Eine Annäherung ist nicht in Sicht. Die aktuelle Aufregung über den Streik verstellt indes den Blick für wichtige strukturelle Veränderungen: Die Kapitalprivatisierung der Deutschen Bahn AG rückt näher - und damit auch die Suche nach finanzkräftigen Investoren.

          Die einstige Bundesbahn wird immer mehr zum normalen Unternehmen, nicht nur im Hinblick auf Renditeziele oder Bilanzierung, sondern auch auf die „gute Unternehmensführung“. Die Wirtschaft hat sich freiwillige Regeln zur Corporate Governance gegeben, die die Gepflogenheiten der deutschen Unternehmen für nationale und internationale Investoren transparent machen sollen.

          Herr Mehdorn, die Bahn und die Gewerkschaften haben ihre Tarifgespräche vertagt. Wie lange müssen die Bahnkunden noch mit Streik und Verkehrschaos rechnen?
          Zum Streik und zum Tarifkonflikt überhaupt will ich jetzt nichts sagen. Wir reden mit den Gewerkschaften.

          Die Teilprivatisierung der Bahn steht bevor. Im Moment wird grundsätzlich darüber diskutiert, ob Schutzzäune gegen ausländische Investoren errichtet werden sollen. Was halten Sie davon?
          Wenig. Geld kennt keine Grenzen. Bei sicherheitsrelevanten Themen kann ich eine solche Forderung vielleicht noch nachvollziehen, aber grundsätzlich ist das sicherlich sehr schwierig. Mit welchem Argument wollen wir ausländischen Firmen in Deutschland ein Engagement verwehren, wenn deutsche Firmen im Ausland fast jeden Tag andere Unternehmen kaufen? Eine Igelpolitik führt in der Regel zu nichts.

          Wünschen Sie sich für die Bahn eher einen klassischen Börsengang oder den Einstieg eines strategischen Investors, vielleicht aus dem Ausland?
          Diese Entscheidung fällt unser Eigentümer, der Bund. Wir als Vorstand haben eher eine Präferenz für einen klassischen Börsengang, aber auch der Einstieg von strategischen Investoren ist durchaus denkbar.

          Herr Mehdorn, Sie haben - obwohl die Bahn noch nicht an der Börse notiert ist - Ihr Gehalt schon veröffentlicht. Ist Ihnen das schwergefallen?
          Nein. Transparenz schafft Vertrauen - bisweilen auch Missgunst. Aber das muss man aushalten, schließlich haben wir nichts zu verbergen: Die Deutsche Bahn AG hat sich in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich entwickelt.

          Ein Kritikpunkt bei der „guten Unternehmensführung“ ist die mangelnde Unabhängigkeit der Aufsichtsräte. Die Koalition erwägt daher eine Regelung, die dem Vorstand den direkten Wechsel in den Aufsichtsrat untersagt. Halten Sie ein solches Verbot für richtig?
          Grundsätzlich bin ich gegen einen Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat. Davon halte ich aus vielerlei Gründen nichts. Gleichzeitig bin ich aber auch dagegen, alles mit Gesetzen zu regeln.

          Auch wenn Ihr neuer Vertrag bis 2011 läuft: Schließen Sie für sich einen Wechsel in den Aufsichtsrat für alle Zeit aus?
          Ja, ich schließe einen Wechsel nach Ablauf meines Vertrages im Jahre 2011 in den DB-Aufsichtsrat aus. Es gibt genug andere Aufsichtsräte, in denen man wirken kann, wenn man will.

          Was halten Sie von einer Altersgrenze für Vorstände und Aufsichtsräte?
          Nichts. Angesichts der Bevölkerungsentwicklung brauchen wir die Kompetenz und Erfahrungen der sogenannten Älteren mehr denn je.

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