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Harter Verdrängungswettbewerb : Die Möbelkonzerne werden immer mächtiger

Rabattschlacht im Möbelhaus Bild: Röth, Frank

Um die Kunden in ihre Filialen zu ziehen, lassen sich die Möbelhändler einiges einfallen. Für kleinere Wettbewerber wird es immer schwieriger. In der Branche wird mit weiteren Übernahmen gerechnet.

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          Eröffnet wurde nur ein in Zelten untergebrachter Verkauf von Sonderposten, doch der Werbeaufwand war beachtlich. Möbel Höffner ließ im Rösrather Möbelzentrum nahe Köln am Samstagabend erst „Die Räuber“ rheinische Stimmungslieder singen, gefolgt von der Berliner Band „Culcha Candela“ und einem Feuerwerk. Mit Tankgutscheinen und einem 60-Prozent-Rabatt auf Küchen lockte zugleich der Konkurrent Porta. Und die saarländische Kette Möbel Martin verloste jüngst zur Eröffnung der neuen Mainzer Filiale neben Autos und Reisen einen Tageslogenplatz für den Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Um die Kunden in ihre Filialen zu ziehen, lassen sich die Möbelhändler einiges einfallen. In der Branche herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb. Geprägt ist er vom Expansionsstreben der großen Ketten, die ihre Macht immer mehr ausbauen. Nach jüngsten Schätzungen der Branchenzeitschrift „Möbelkultur“ beherrschten die zwanzig führenden Anbieter im vergangenen Jahr 53,3 Prozent des Markts mit seinem Volumen von gut 30 Milliarden Euro. 2005 lag der Anteil noch bei 46,5 Prozent.

          Verkaufsfläche wächst, Zahl der Möbelhäuser sinkt

          “Die Dominanz der Großfläche nimmt stetig zu“, sagt André Kunz, Geschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels (BVDM). Während die Verkaufsfläche immer weiter wachse, sei die Zahl der Möbelhäuser in den vergangenen zehn Jahren von 10.500 auf rund 9.000 gesunken. Im gleichen Zeitraum kletterte die Zahl der Möbelhäuser mit mindestens 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche laut „Möbelkultur“ von 121 auf 165.

          Als besonders wachstumsfreudig gelten Höffner und die österreichische XXX-Lutz-Gruppe, die Nummern zwei und drei nach dem unangefochtenen Marktführer Ikea. Bisher stark im Norden und Osten Deutschlands vertreten, plant Höffner-Inhaber Kurt Krieger, zu dessen Imperium 18 Höffner-Filialen, 7 Möbel-Kraft-Häuser und 26 Sconto-Märkte zählen, den Bau eines neuen Möbelzentrums in Duisburg und soll Branchengerüchten zufolge auch auf Standorte in Berlin, Bremen, Hannover und Fürth schauen. Auch XXX-Lutz (28 Häuser und 25 Mömax-Mitnahmemärkte) hat laut Sprecher Julian Viering „diverse Projekte in Planung, die aber noch nicht spruchreif sind“. Zuletzt wurde im Mai eine XXX-Lutz-Filiale in Freiburg eröffnet. Beim Branchenvierten Porta stehen für die nächsten Jahre Berlin, Leipzig und Dresden auf der Wunschliste.

          Langwierige Standortdebatten auch bei Ikea

          Allerdings verliefen die Genehmigungsverfahren für Neuansiedlungen immer langwieriger, wie Timo Renz von der Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner berichtet. Sicher ein Extrembeispiel ist die neue Höffner-Filiale in Hamburg-Eidelstedt, die Kurt Krieger erst nach einer Planungszeit von angeblich 16 Jahren eröffnen konnte. Aber auch Silvia Martin, Chefin von Möbel Martin, klagte bei der Neueröffnung in Mainz über einen fünf Jahre dauernden Genehmigungsprozess. Kritik an einer überbordenden Bürokratie und langwierigen Standortdebatten übte vor einiger Zeit auch Ikea-Chef Mikael Ohlsson, der hierzulande in den nächsten zehn Jahren jährlich ein neues Möbelhaus errichten will. Derzeit hat Ikea in Deutschland 45 Standorte. Wegen Querelen mit der Stadt Hamburg verzögert sich nun der Bau der ersten Ikea-Cityfiliale in Hamburg-Altona.

          Wegen dieser Schwierigkeiten wird in der Branche verstärkt mit Übernahmen bestehender Häuser gerechnet. Ein typisches Beispiel ist das Rösrather Möbelzentrum, das Höffner vor zwei Jahren von der Familie Steinkühler erwarb und nach einem umfassenden Umbau neu eröffnete. Besonders stark durch Zukäufe kleinerer Wettbewerber (Mann Mobilia, Neubert, Hiendl) gewachsen ist in den vergangenen Jahren vor allem XXX-Lutz.

          „Der Markt ist längst gesättigt“

          Das Expansionsfieber wird nach Einschätzung von Renz „noch ein paar Jahre“ andauern. Er rechnet mit einer ähnlichen Entwicklung wie bei den Baumärkten, die auch jahrelang wie Pilze aus dem Boden geschossen seien. „Aber irgendwann ist Schluss, und mancher gerät ins Straucheln“, sagt er mit Blick auf Praktiker. Auf Dauer könnten nicht alle der zehn größten Möbelketten überleben. „Der Markt ist längst gesättigt“, analysiert Verbandsgeschäftführer Kunz. „Wir befinden uns in einem Umverteilungsprozess, neue Umsätze sind nicht zu erzielen.“

          Unter dem Expansionsdrang der Großen zu leiden haben nach Einschätzung von Renz vor allem die Mittelständler ohne eigenes Profil: „Manche haben alles im Sortiment, aber nichts richtig.“ Um mit einer kleineren Verkaufsfläche erfolgreich zu sein, sei eine Konzentration auf eine Warengruppe oder eine Preisschiene erforderlich. Aber auch bei den marktbeherrschenden Anbietern vermisst der Branchenexperte eigene Konzepte und die Bildung eines Markenprofils. „Die Großen rücken sich immer mehr auf die Pelle.“ Der Lebensmittelhandel etwa sei da schon viel weiter, stellten doch Branchengrößen wie Edeka und Rewe ihre eigenen Marken immer stärker heraus.

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