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Spitzenfrauen : Harmonie auf Zeit

Noch lächeln sie harmonisch: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (CDU), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Ernennung Kramp-Karrenbauers am 17. Juli 2019. Bild: Imago

Nachdem die Personalien geklärt sind, geht es politisch bald ans Eingemachte: Mindestlohn, Arbeitslosenversicherung, Rüstungsexporte. Die mächtigsten Frauen Europas – Kramp-Karrenbauer, von der Leyen und Merkel – könnten sich dabei in die Quere kommen.

          Es war das Bild der Woche, mindestens, und sein Zustandekommen beruhte auf einer ganzen Reihe von Zufällen – von der verschlungenen Kompromissfindung in Europa bis zu dem Umstand, dass die Bundeskanzlerin wegen ihrer Zitteranfälle bei feierlichen Anlässen lieber nicht mehr aufrecht steht. Also saßen die drei Spitzenpolitikerinnen auf Stühlen, die Beine in schönster Symmetrie übereinandergeschlagen, was den Eindruck größtmöglicher Harmonie unterstrich: Ursula von der Leyen, die sich aus dem schwierigen Gelände des Verteidigungsministeriums in ihren europäischen Traumjob rettet; Annegret Kramp-Karrenbauer, die den Ärger im Parteivorsitz durch den Sprung ins Kabinett zu überwinden hofft; und eine glückliche Angela Merkel, die bei der Regelung ihres Nachlasses ein gutes Stück vorangekommen ist.

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          „So haben wir uns das Ende des Patriarchats nicht vorgestellt“, schrieb die Berliner „taz“ über das Foto, voller Erstaunen, dass ausgerechnet die Konservativen nun an der Speerspitze des feministischen Fortschritts marschieren. Man mochte an eine vergleichbare Szene denken, die sich 17 Jahre zuvor abgespielt hatte. Damals erschienen drei Männer im Schloss Bellevue, um ebenfalls einen Wechsel im Verteidigungsministerium zu vollziehen: Bundeskanzler Gerhard Schröder ließ Rudolf Scharping aus dem Amt verabschieden und Peter Struck zum Nachfolger ernennen. Letzterem, obwohl Sozialdemokrat, trauerten viele Männer im Bendlerblock und auf der Hardthöhe übrigens noch lange nach.

          Drei verschiedene Ämter, drei individuelle Akteurinnen

          Die gegenwärtige Harmonie, die das Foto aus dem Amtssitz des Bundespräsidenten ausstrahlt, kann allerdings nicht über das künftige Konfliktpotential hinwegtäuschen, das in den Rollen der drei Frauen angelegt ist. Auch das lässt sich am Bild bereits ablesen: Die Kanzlerin lacht befreit. Die künftige Kommissionspräsidentin lächelt etwas angespannt. Und die neue Verteidigungsministerin schaut geradezu skeptisch.

          Das liegt nicht nur an den Untiefen des Wehrressorts, die in der zurückliegenden Woche oft genug beschrieben wurden, und auch nicht bloß an der Doppelrolle, die Kramp-Karrenbauer als Ministerin und CDU-Parteichefin jetzt bewältigen muss. Es liegt an den jeweils unterschiedlichen Interessen, die Inhaberinnen dieser drei Ämter natürlicherweise vertreten müssen. Besondere innenpolitische Konstellationen kommen hinzu, auch individuelle Leidenschaften der Akteurinnen.

          Am weitesten hat sich mit einer Positionsbestimmung schon Ursula von der Leyen hervorgewagt – notgedrungen, weil sie als Kommissionspräsidentin nicht bloß ein Ernennungsschreiben benötigte, sondern die Zustimmung des Europaparlaments mit seiner unübersichtlichen Gliederung in nationale Gruppen und weltanschauliche Fraktionen. Sie hat dabei Vorschläge gemacht und Versprechen abgegeben, die mit der bisherigen Haltung der Bundesregierung frontal kollidieren, vor allem, was deren christdemokratischen Teil angeht – also das Revier Merkels und Kramp-Karrenbauers.

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