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Hardware : Babylonisches Formatgewirr bremst DVD-Brenner

  • -Aktualisiert am

Es sieht so einfach aus Bild: dpa

Film-DVDs einfach wie Musik-CDs kopieren? Klingt reizvoll - doch beim Kauf der benötigten Hardware kann man sich die Finger verbrennen. Analyse.

          2 Min.

          Fast drei Millionen DVD-Player stehen in deutschen Haushalten. Längst haben die Silberlinge die alten VHS-Cassetten beim Filmkauf überflügelt. Bessere Bild- und Tonqualität, sinnvolle Extras wie Sprach- und Untertitelwahl sowie bezahlbare Abspielgeräte haben der „Digital Versatile Disc“ zu ihrem Durchbruch verholfen. Und auch als beschreibbares Speichermedium wird die vielseitige Scheibe analoge Bänder verdrängen.

          Noch will die Industrie ihre reinen Abspielgeräte an den Filmfan bringen, DVD-Player mit Aufnahmefunktion sind rar und teuer. Etwas günstiger sind da schon die neuen DVD-Brenner, und die Preise werden in den nächsten Monaten weiter purzeln. Doch der Kauf neuer DVD-Hardware wirft viele Fragen auf.

          DVD-R+RW-ROM=RAM?

          Zuerst muss sich der Kunde durch ein babylonisches Formatgewirr schlagen. Die Hersteller konnten sich bisher nicht auf einen Standard für DVD-Rohlinge einigen, so dass der Käufer aus fünf Formaten wählen muss: Pioneer machte 1997 seinem Namen alle Ehre und brachte die einmal beschreibbare DVD-R als erstes DVD-Speichermedium auf den Markt. In den nächsten Jahren folgten drei wieder beschreibbare Formate unterschiedlicher Hersteller: DVD-RAM (Hitachi, Panasonic, Toshiba), DVD-RW (Pioneer) und DVD+RW (Sony, Ricoh, Philips). Und in Kürze soll auch eine einmal beschreibbare DVD+R von Philips in den Regalen liegen.

          Home-Regie leicht gemacht
          Home-Regie leicht gemacht : Bild: dpa

          Der Vorteil der konkurrierenden Formate ist, dass sich die Preise für beschreibbare DVDs bald auf einem niedrigen Niveau einpendeln werden (derzeit 10 - 20 Euro). Der Nachteil wiegt allerdings schwerer: Kein Brenner unterstützt alle DVD-Formate - man muss beim Kauf eines Brenners schon auf das richtige Pferd setzen. Doch welches Format wird sich in Zukunft durchsetzen? Eine schwierige Frage: Die besten Chancen werden derzeit der DVD+RW eingeräumt, sie stellt wohl den besten Kompromiss zwischen Kompatibilität mit vorhandenen Playern und Leistungsfähigkeit beim Beschreiben dar. Möglicherweise wird es aber einfach eine neue Generation von Geräten geben, die alle Formate unterstützen. LG Electronics plant angeblich, einen solchen Unversal-Brenner in Kürze auf den Markt zu bringen.

          Filmindustrie vs Raubkopierer

          Auch bei den DVD-Brennern selbst herrscht einiges an Begriffsverwirrung: Oft unterscheidet sogar die Fachpresse nicht sauber zwischen reinen Brennern und DVD-Playern mit Aufnahmefunktion. Beide Gerätegruppen werden gerne als DVD-Recorder bezeichnet - analog zum Videorecorder sollte sich dieser Name aber für die DVD-Player mit Aufnahmefunktion durchsetzen.

          Auch die DVD-Brenner (Preis: derzeit 500 - 1.000 Euro) können als Laufwerke DVDs (und CDs) abspielen. Der Qualitätsnachteil gegenüber einem reinen DVD-Player ist dabei allerdings enorm. Und selbst beim eigentlichen Kopiervorgang ist die Freude begrenzt: Die meisten DVD-Brenner können nur Rohlinge im eigenen Format verwenden, deren normale Speicherkapazität (ca. 4,4 GByte) wiederum für das Kopieren einer Spielfilm-DVD nicht ausreicht. Darüber hinaus wird die Filmindustrie den Raubkopierern das Leben mit immer neuen Kopierschutztechniken schwer machen.

          Napster dir einen Blockbuster

          Mittlerweile kann der findige Filmfan seinen Lieblings-Blockbuster auch aus dem Internet „napstern“ und brennen. Doch das ist momentan noch ein Geduldsspiel für Freaks - wenn es auch in naher Zukunft ein massives Problem für die Filmkonzerne darstellen könnte.

          Einen echten und dabei ganz legalen Nutzen bringen DVD-Brenner dem kreativen Heimfilmer: Mit zusätzlicher „Authoring-Software“ kann er seine filmischen Ergüsse nicht nur vom Camcorder auf DVD brennen bzw. archivieren, sondern auch filmisch weiter bearbeiten (siehe Link). Wer seine Lieben also mit einem eigenen Werk in DVD-Qualität überraschen will, ist mit einem der aktuellen DVD-Brenner durchaus gut beraten. Alle anderen sollten ihre Kaufabsichten aber erst mal auf „Standby“ schalten.

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