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Gastbeitrag : Brexit, Deutschland und die Zukunft der EU

  • -Aktualisiert am

Macht sich viele Sorgen: der frühere Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn Bild: dpa

Der Auszug der Briten veränderte die EU-Machtbalance zu deutschen Lasten. Deshalb darf die Kanzlerin die Verhandlungen nicht nur der EU überlassen. Ein Aufruf zur Besinnung.

          11 Min.

          Reisende solle man ziehen lassen. So hört man es achselzuckend aus deutschen Regierungskreisen. Der Brexit wird kommunikativ als ein Ereignis von minderer Bedeutung dargestellt. Schade zwar, aber auch kein Beinbruch. Diese Position ist entweder naiv, oder sie soll beschwichtigen. Großbritannien ist nicht nur eine von zwei Nuklearmächten der EU, sondern die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas. Gemessen an der Wirtschaftskraft, ist der Brexit gleichbedeutend mit dem simultanen Austritt von 19 der 28 EU-Länder. Der Austritt ist ein größerer, ja katastrophaler Unfall in der Geschichte Europas. Er zerstört die Nachkriegsordnung und lässt eine lädierte EU zurück.

          Deutschland selbst hatte in den 1960er Jahren mit großem Nachdruck daran gearbeitet, Großbritannien in die EU zu bringen, und war 1973 erfolgreich, nachdem der französische Präsident Charles de Gaulle, der große Gegner eines Beitritts, verstorben war. Mit dem Beitritt Großbritanniens wurde der Schutz der Nato glaubhafter, einseitige Abhängigkeit von Frankreich vermieden, und unter dem Einfluss der weltläufigen Briten, die den Freihandel mit den Ländern ihres ehemaligen Weltreichs in der EU erfolgreich verteidigten, gelang es der deutschen Industrie, die Weltmärkte zu erobern.

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