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Hans-Peter Haselsteiner : An die Spitze in Europas Bauindustrie

Kärntner Industrieller: Hans-Peter Haselsteiner Bild: AP

Der bekennende Europäer Hans-Peter Haselsteiner hätte es nicht mehr nötig, sich durch eine weitere Übernahme zu profilieren. Unter seiner Führung wuchs das einst überschaubare Kärntner Familienunternehmen Strabag durch eine expansive Übernahme- und Bündnispolitik zu einem europaweit agierenden Unternehmen.

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          Ob deutsch-österreichisch oder österreichisch-deutsch - das interessiert den bekennenden Europäer Hans-Peter Haselsteiner wohl nur am Rande. Mit dem Einstieg der Bau Holding Strabag bei Walter Bau steigt die von Haselsteiner kontrollierte Baugruppe in die erste Liga der europäischen Baukonzerne auf und wird neben Hochtief zum führender Anbieter im deutschsprachigen Raum. Damit kommt der Kärntner Industrielle und ehemalige Politiker seinem Ziel, an die Spitze Europas Bauindustrie zu rücken, rasch näher.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Die Bauholding Strabag könnte nach Sicht von Branchenkennern als derzeitige Nummer sechs auf dem Alten Kontinent aber auch gut überleben. Der Konzern mit den Hauptgeschäftsfeldern Straßen- und Hochbau verfügt über eine Fülle von Tochtergesellschaften im Donauraum, aber auch in Afrika und im nahen Osten. Er weist eine stabile Eigenkapitalquote von 25 Prozent aus und hat der Flaute am Bau in den vergangenen Jahren getrotzt.

          Auch Haselsteiner selbst hätte es nicht mehr nötig, sich durch eine weitere Übernahme zu profilieren. Unter seiner Führung wuchs das einst überschaubare Kärntner Familienunternehmen durch eine expansive Übernahme- und Bündnispolitik zu einem europaweit agierenden Unternehmen. Haselsteiners Meisterstück war der Kauf und die Integration der damals ungleich größeren Strabag AG vor sieben Jahren. Doch dem 61 Jahre alten Unternehmer genügt das nicht.

          Berufsleben im Bau

          Haselsteiner, der - mit Ausnahme von seinem Abstecher in die Politik - praktisch sein ganzes berufliches Leben in der Baubranche verbracht hat, wird von Bekannten als Unternehmer geschätzt, der sich nicht nur angeregt über Betonpreise oder den Autobahnbau austauschen kann. Als Chef und Arbeitgeber stellt er an seine Mitarbeiter hohe Ansprüche und agiert selbst mit einem hohen Tempo. Außerdem wird ihm die in der Branche nach wie vor wichtige Fähigkeit zur "Handschlagqualität" nachgesagt.

          Der uneheliche Sohn einer Lehrerin studierte in Wien Handelswissenschaften. Als Steuerberater kam er Anfang der siebziger Jahre zur Kärntner Baufirma Isola & Lerchbaumer. Er heiratete die Tochter des Hauses und übernahm nach dem Tod seines Schwiegervaters die Firmenleitung. Die spätere Ilbau AG, damals ein kleiner Spieler auf dem österreichischen Markt, ist die Keimzelle des heutigen Europa-Konzerns. In den siebziger Jahren fusionierte dieser Regionalanbieter mit dem Kärntner Konkurrenten Soravia. Nach einem Flop Mitte der achtziger Jahre in Amerika ordnete Haselsteiner die Unternehmensgruppe neu. Die Bau Holding entstand, die Anfang der neunziger Jahre rund 440 Millionen Euro umsetzte. Den Paukenschlag seines Konzerns leitete Haselsteiner parallel zu seinem politischen Engagement 1997/98 ein: Mit einem Doppelschlag übernahm die Bau Holding die doppelt so große deutsche Strabag sowie die Mehrheit an der zu Raiffeisen gehörenden Era Bau - beide Unternehmen standen wirtschaftlich unter Druck und waren entsprechend günstig zu haben.

          Abstecher in die Politik

          Zwischen 1994 und 2000 wechselte Haselsteiner in die Politik, in dieser Zeit stellte er alle operativen Funktionen im Konzern zur Verfügung. Haselsteiner zog für das auf Österreichs parlamentarischer Bühne nur kurzzeitig vertretene Liberale Forum (LIF) in den Nationalrat ein. Er wurde stellvertretender Klubobmann der LIF-Gründerin und damaligen Parteichefin Heide Schmidt. Bei den vorgezogenen Nationalratswahlen im Herbst 2002 kandidierte er allerdings nicht mehr für das LIF. Haselsteiner kehrte der Politik endgültig den Rücken, um sich künftig ausschließlich seinem in Europa agierenden Unternehmen zu widmen. Seither wird umstrukturiert und verschmolzen. Vor zwei Jahren zog sich die Bau Holding Strabag, die als die ertragreichste Vertreterin der österreichischen Bauindustrie gilt, wegen der schwachen Kursentwicklung von der Wiener Börse zurück. Frisches Kapital wird sich Haselsteiner künftig über Firmenanleihen holen, um damit die Abhängigkeit von den Banken zu verringern.

          Seine Freizeit verbringt der Extremskifahrer am liebsten an seinem Hauptwohnsitz in Bozen. Sportarten wie Golf - ein Sport, der gemeinhin gerne als Plattform für Geschäftsanbahnungen genutzt wird - betrachtet Haselsteiner als Zeitverschwendung. Sehr wohl aber legt der Familienmensch großen Wert auf gute Kontakte und kennt dabei keine Parteigrenzen. Auch seine Mitgliedschaft bei den Freimaurern könnte ihm geholfen haben, Verbindungen zu knüpfen.

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