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Optimistische Branche : „Windkraft ist in Deutschland wettbewerbsfähig“

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Windenergie: Die Geschäfte laufen gut Bild: AP

Es weht nur ein leichtes Lüftchen über dem Messegelände in Hannover, aber der guten Stimmung der Windenergieunternehmen tut das keinen Abbruch. Die Branche ist mit das wichtigste Aushängeschild auf der Industriemesse. Der Markt für Windkraftanlagen kommt auf Touren.

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          Es weht nur ein leichtes Lüftchen über dem Messegelände in Hannover, aber der guten Stimmung der Windenergieunternehmen tut das keinen Abbruch. Die Branche ist mit das wichtigste Aushängeschild auf der Industriemesse; erstmals sind rund 150 Aussteller in einer eigenen großen Halle unter eigenem Titel („Wind“) vertreten, und sie gehören auch zu den wenigen Firmen, die Optimismus verbreiten. „Die Windenergie spielt in Hannover eine herausragende Rolle“, sagt Hermann Albers, der Präsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE).

          Mit einer Exportquote von mehr als 80 Prozent hätten die deutschen Hersteller im vergangenen Jahr ihre weltweit geschätzte Kompetenz einmal mehr unter Beweis gestellt, sagt er. Und der Plan des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, den Anteil der regenerativen Energien in seiner Heimat binnen drei Jahren zu verdoppeln, werde den deutschen Windenergieunternehmen weitere Aufmerksamkeit und Aufträge bringen.

          Im Fokus steht in diesem Jahr allerdings der inländische Markt, der im vergangenen Jahr einen Umsatz von 7,5 Milliarden Euro erreichte. Die jüngste Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wird von der Branche wie ein Befreiungsschlag empfunden. Zuvor seien die garantierten Einspeisungsvergütungen für Windstrom im internationalen Vergleich so gering gewesen, „dass Windkraft in Deutschland nicht mehr lohnend war“, sagt Lothar Schulze, der geschäftsführende Gesellschafter des Projektentwicklers Windwärts Energie GmbH. 2008 wurden in Deutschland denn auch nur Anlagen mit einer Leistung von 1665 Megawatt neu installiert, was ungefähr dem Vorjahreswert entsprach.

          Sparkassen und Volksbanken als Finanziers

          Der Weltmarkt wuchs dagegen - insbesondere in China und Nordamerika - um 35 Prozent auf 27.056 Megawatt neu installierter Leistung. Doch die Erhöhung der Einspeisevergütung von 5,5 auf 9,2 Cent je Kilowattstunde werde in diesem Jahr einen Wandel bringen, ist sich die Branche sicher. „Das hat uns wieder wettbewerbsfähig gemacht“, sagt Schulze. Während rund um den Globus viele neue Windkraftanlagen aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten verschoben oder storniert werden, erwartet der BWE für 2009 einen Anstieg der neu installierten Leistung in Deutschland um fast 30 Prozent auf 2150 Megawatt. Erstmals werde die Branche auch mehr als 100.000 Menschen - inklusive Zulieferer - in Deutschland beschäftigen. Für den Weltmarkt wird dagegen nur ein Zuwachs von knapp 10 Prozent auf 29.500 Megawatt erwartet.

          Der Optimismus für das Inland basiert auch darauf, dass die Sparkassen und Volksbanken in ländlichen Regionen zunehmend als Finanziers der Windprojekte bereitstehen und damit für so manche Großbank einspringen, sagt Hans-Dieter Kettwig, der Geschäftsführer des deutschen Marktführers Enercon GmbH. „Wir haben gute Finanzierungsbedingungen in Deutschland“, bestätigt Verbandschef Albers. Zwar würden sich Finanzinvestoren und Wagnisfinanzierer aus dem Markt teilweise zurückziehen, dafür könnten neue Projekte zunehmend über Genussrechte privat finanziert werden. Und auch die großen Energieversorger bauen ihre Windkraftbeteiligungen weiter aus. So verkündete etwa der Windanlagenbauer Nordex auf der Messe eine Kooperation mit dem Versorger ENBW, der dazu beitragen soll, den Anteil an erneuerbaren Energien bei dem Karlsruher Konzern bis 2020 auf 20 Prozent „nahezu zu verdoppeln“, wie ENBW-Geschäftsführer Werner Götz sagt.

          Lieferzeiten wieder unter einem Jahr

          Dass der Weltmarkt sich derzeit beruhigt, habe sogar seine Vorteile, heißt es in der Branche. „Die Preise für neue Anlagen steigen nicht mehr an, und die Lieferzeiten, die bei zwei bis drei Jahren lagen, sind wieder auf unter ein Jahr gesunken“, sagt Windwärts-Chef Schulze. Außerdem könne in der Produktion wieder mehr Aufmerksamkeit auf die Qualitätssicherung gelegt werden, heißt es inoffiziell. Hierin liege auch die große Herausforderung der kommenden Jahre für die Hersteller, sagt Arno van Wingerde vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Bremerhaven: große Rotorblätter zu produzieren, die einerseits günstig sind und andererseits während der rund 20-jährigen Laufzeit einer Anlage möglichst selten stillstehen.

          Das IWES hat daher vor wenigen Wochen eine neue Prüfanlage eingeweiht. In einer 70 Meter langen Halle werden einzelne Rotorblätter bis zu einer Million Mal in ihre Schlag- und Schwenkrichtung durchgebogen, um ihre Stabilität zu testen. Zwischen 100.000 und 400.000 Euro koste eine Testserie, die bis zu drei Monate dauern kann. Das sei viel Geld, räumt der Fraunhofer-Forscher ein, „aber wir sind schon für das ganze Jahr ausgebucht“.

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