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Tönnies und Wirecard : Rettet den Kapitalismus vor den Kapitalisten!

Fleischfabrikant Clemens Tönnies Bild: dpa

Die Antikapitalisten haben Oberwasser – nicht nur wegen Tönnies und Wirecard. Doch ihre Kritik ist abgestanden und falsch. Das liegt an einem zentralen Denkfehler.

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          Die Antikapitalisten haben Oberwasser. Sie verdammen den Markt und loben den Staat. In der Pandemie ist der Eindruck entstanden, es sei wohl am besten, wenn der Staat nicht nur im Ausnahmezustand, sondern dauerhaft in der Wirtschaft nach dem Rechten schaut. Die Regierung kümmert sich um die Löhne (Kurzarbeitergeld, Mindestlohn), ersetzt den Unternehmen ihre Verluste und gibt mit Milliarden Euro Anreize zum ökologischen Produzieren und Investieren (Konjunktur- und Wiederaufbaupakete).

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sollte es am Geld mangeln, lässt man anschreiben (genannt Staatsverschuldung) oder bittet die Zentralbank um einen Obolus. Aus Gründen des Heimatschutzes kann man dann noch das ein oder andere Biotech- oder Luftfahrtunternehmen (teil)verstaatlichen („Methode Altmaier“), damit gesichert ist, dass deren Eigentümer im Interesse des deutschen Volkes und nicht im Auftrag reicher ausländischer Investoren und Kunden wirtschaften.

          Ausbeuter und Sklavenhalter?

          Was herauskommt, wenn man die Kapitalisten werkeln lässt, sei doch unschwer zu sehen, sagen die Kritiker. Die Gier des Gütersloher Fleischfabrikanten Clemens Tönnies gilt als Beweis dafür, dass die privaten Fabrikanten sind, was sie immer schon waren: Ausbeuter und Sklavenhalter, die um des nackten Profits willen ihre Leute einem möglicherweise tödlichen Risiko aussetzen.

          Rainer Hank
          Rainer Hank : Bild: F.A.Z.

          Und die Gier des langjährigen Finanzdienstleisters Wirecard zählt als Beweis, dass die Skrupellosigkeit der Kapitalisten noch nicht einmal davor zurückschreckt, das Vermögen von Millionen Anlegern zu vernichten und die Arbeitsplätze Tausender Angestellter gleich mit. Kurzum: Der Kapitalismus versaut die Sitten. Er bringt nur Unglück über die auf dem Planeten lebenden Menschen.

          Der Kapitalismus ist ein Segen

          Die Kritik am Kapitalismus ist so naheliegend wie abgestanden. Sie ist vor allem falsch und wird durch Wiederholung nicht richtig. Der zentrale Denkfehler: Die Antikapitalisten verwechseln die Kapitalisten mit dem Kapitalismus. Der Kapitalismus ist ein Segen für die Menschen, er bringt Fortschritt und Wohlstand und hat stets mehr neue Jobs geschaffen als alte vernichtet. Wer es nicht glaubt, kann sich die Daten der imponierenden Wirtschaftsgeschichte der vergangenen zweihundert Jahre in den Industrieländern ansehen.

          Wer sind die Kapitalisten? Das sind Eigentümerunternehmer und ihre angestellten Manager, einerlei ob sie Autos bauen, Impfstoffe gegen ansteckende Krankheiten herstellen, Schweine zerlegen, Vermögen für andere vermehren (oder vernichten) oder Podcast-Apps erfinden.

          Darunter gibt es, wie immer im Leben, pfiffige und weniger smarte Leute, es gibt charakterlich stabile und moralisch fragwürdige Gestalten. Und es gibt solche, die aufgrund eigener kreativer Leistung reich geworden sind, während anderen das unternehmerische Erbe in den Schoß gefallen ist. Die einen wollen vor allem viel Geld machen, die anderen wollen auch Gutes tun für die Allgemeinheit.

          Kapitalisten gegen Wettbewerb

          Aber eines eint sie alle als Kapitalisten: Sie ärgern sich über die Konkurrenz, weil die Wettbewerber ihren geschäftlichen Erfolg und ihren Ruhm schmälern könnten. Niemand mag den Wettbewerb so wenig wie die Kapitalisten, noch nicht einmal die Sozialisten, obwohl man es eigentlich nur denen nachsagt.

          Weil die Kapitalisten den Wettbewerb nicht mögen, trachten sie danach, ihn zu unterlaufen: Sie wollen Monopolisten werden, und wenn sie das nicht schaffen, schmieden sie Kartelle und verständigen sich mit den Konkurrenten über den Preis. Gerne verbünden sie sich als starke Lobbymacht, um dem Staat Subventionen abzupressen oder um sich – weil systemrelevant („too big to fail“) – vom Staat mit Steuergeld retten zu lassen. Wenn drei oder vier Kapitalisten zusammenhocken, dauert es nicht lange, bis sie sich gegen die Allgemeinheit verschwören, wusste der schottische Aufklärer Adam Smith.

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