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Hanks Welt : Das Prinzip Stehaufmännchen

Bild: Picture-Alliance

Oft heißt es, Krisen seien auch eine Chance. Was taugt Resilienz als ökonomisches Konzept, um uns für kommende Krisen zu wappnen?

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          Kann man eigentlich aus Krisen lernen? Lassen wir all die wohlfeilen Sprüche von der „Krise als Chance“ beiseite. Alles nichtssagend und im besten Fall eine Vermeidungsstrategie, um nicht zugeben zu müssen, dass Corona und Co. nur öde ist und nichts, aber auch gar nichts Positives zu bieten hat.

          Rainer Hank
          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts werden wir in kurzen Abständen von Krisen durchgerüttelt. Die Anschläge am 11. September 2001 haben die Vorstellung der Unverletzlichkeit einer offenen Welt im Mark erschüttert. Seither ist der Terror im Alltag präsent. Spüren konnte man das – solange wir noch geflogen sind – an den Leibesvisitationen auf jedem Flughafen der Welt. Es folgten die globale Finanzkrise 2008 und die Euro-Krise, sie brachten die alte marxistische Wahrheit in Erinnerung, dass der Kapitalismus ohne zyklische Krisen nicht zu haben ist, dass aber auch Staaten mit ihren Finanzen nicht gut umgehen können. Kaum der Euro-Krise entronnen, kam 2015 die Flüchtlingskrise. Und im Hintergrund lauern stets die Klimakrise und das Eingeständnis, dass die Staaten nicht in der Lage sind, koordiniert das Tempo der Erderwärmung zu drosseln.

          Krisen über Krisen. Das Lebensgefühl des 21. Jahrhunderts ist gedämpft. Risikofreude, Wagemut und Gründergeist, alte Bekannte aus den wilden neunziger Jahren der New Economy, sind (fast) vergessen. Es heißt, wir lebten in einer „Gesellschaft der Angst“ (Heinz Bude). Gerade die Verschiedenartigkeit der Krisen besorgt uns. Es gibt keine Regel, die sie miteinander verbindet. Die Pandemie hat mit dem Kapitalismus nichts zu tun, auch wenn es viele Leute gibt, die das behaupten. Weltweite Seuchen gab es auch schon in Zeiten, als von Kapitalismus und Globalisierung noch keine Rede war. Und religiöser Fanatismus hat allenfalls nebenbei ökonomische Ursachen. Nichts hängt mit nichts zusammen.

          Wenn wir also Krisen nicht verhindern können und weder wissen, wann der nächste externe Schock uns trifft, noch ob er eher unser Leben oder „nur“ unser Bankdepot bedroht, müssten wir lernen, eine generelle Robustheit auszubilden, die uns gegen jedwede Krise wappnen würde. Womöglich hilft „Resilienz“ weiter, ein Begriff, der seit geraumer Zeit durch viele Debatten geistert. Wörtlich (lateinisch „resilire“) bedeutet resilient sein „zurückspringen“, „abprallen“, „widerstandsfähig“ werden, die Fähigkeit ausbilden können, einen unerwarteten Schlag so zu parieren, um hinterher rasch wieder auf die Beine zu kommen. Man kann sich das am besten an jenen Stehaufmännchen verbildlichen, die man noch so oft umwerfen kann: Dank einem stabilen tief liegenden Schwerpunkt werden sie stets in die ursprüngliche Ausgangsposition zurückgeschaukelt. Nichts kann sie dauerhaft umhauen.

          Das Stehaufmännchen ist ein schönes Bild. Kein Wunder, dass der Begriff der Resilienz seit der Jahrtausendwende eine steile Karriere hingelegt hat. Man soll sich freilich nichts vormachen: Um einen besonders trennscharfen Begriff handelt es sich nicht. Treffend schreibt der amerikanische Politikwissenschaftler Todd Swanstrom, Resilienz sei zwar „mehr als eine Metapher, aber weniger als eine Theorie“. Um zu entscheiden, ob und inwiefern sich Resilienz auch als ökonomische Kategorie eignet, hilft ein kurzer Blick auf die Begriffsgeschichte.

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