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Hanks Welt : Es gibt nur noch den Untergang

Flutkatastrophen und Dürren: Der Klimawandel bedroht unser gewohntes Leben. Bild: dpa

Selbst Krisen sind nicht mehr das, was sie mal waren, denn eine jagt die andere. Statt zu proaktiv zu handeln wird von der Politik mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

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          Was Corona ist, haben wir nach eineinhalb Jahren Pandemie nun gelernt. Was der Klimawandel ist, könnten wir seit dem Kyoto-Protokoll wissen. Aber was ist eigentlich eine Krise? Das Wort Krise hat sich inflationär ausgebreitet. Wir sprechen von Corona-Krise und Klimakrise. Davor hatten wir die Flüchtlingskrise, die Eurokrise und die Finanzkrisen. Die eine ist noch nicht vorbei, da lugt schon die nächste um die Ecke. Normalität ohne Krise scheint nicht mehr vorgesehen zu sein.

          Rainer Hank
          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das von der Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff edierte „Handbuch der Krisenforschung“ klärt auf: Eine Krise ist eine Ausnahmesituation, die ein Potenzial zum Guten oder Schlechten hat. Von der Antike bis ins 17. Jahrhundert bezog Krise sich auf die ärztliche Entscheidung über Leben und Tod. Arzt und Patient sind handlungsmächtig und können durch eigene Initiative Krisen bewältigen. Da zeigt sich der Kern des Allerweltsspruchs von der „Krise als Chance“. Seit dem 18. Jahrhundert greift der Krisenbegriff imperial um sich, erstreckt sich von der Medizin und Kriegsführungskunst auf Wirtschaft, Gesellschaft und Politik und dringt in die Alltagssprache ein: „Ich glaub’, ich krieg’ die Krise.“ Wer eine Krise sieht, glaubt nicht an eine einfache, lineare Fortschrittsgeschichte, benennt historische Perioden des Übergangs, der Unsicherheit, der Entscheidung, schreibt der Historiker Rüdiger Graf im genannten Handbuch.

          Die „Gründerkrise“ von 1873 markierte ein vorläufiges Ende des liberalen Fortschritts- und Wachstumsglaubens, vergleichbar der Dotcom-Krise zur Jahrtausendwende 2000. Die Ölkrise 1973 hat der Weltbevölkerung schlagartig deutlich gemacht, dass Energie und Ressourcen begrenzt sind und wir gut daran tun, effizient damit umzugehen. Dass es absolute „Grenzen des Wachstums“ gäbe, wie der Club of Rome damals behauptete, hat sich zum Glück als falsch erwiesen. Der Einfallsreichtum der Menschen hat den Fatalismus besiegt.

          Zu unterscheiden wäre zwischen kurzfristige Katastrophen wie Überflutungen, Bankenansturm, Flüchtlingstrecks und langfristige Krisen wie Erderwärmung, Verschuldung, Migration, die auf eher langfristige Entwicklungen zurückgehen. Dass langfristige Krisen furchtbare Katastrophen nach sich ziehen können, erleben wir gerade.

          Auffallend ist, wie sich die Einstellung der Menschen zu Krisen im 20. Jahrhundert veränderte. In den Zwanzigerjahren sahen die Menschen in den Krisen ein „notwendiges, kathartisches Durchgangsstadium auf dem Weg in eine bessere Zukunft“ (Rüdiger Graf), ein positives Aufbruchssignal. Solch ein fortschrittliches Geschichtsdenken hat sich seit dem späten 20. Jahrhundert in sein Gegenteil verkehrt. Krise wird heute vor allem als Verschlechterung erlebt. Der Glaube, aus einer Krise lasse sich etwas machen, getreu dem Motto Winston Churchills „Lass keine gute Krise ungenutzt“ („Never let a good crisis go to ­waste“), kam selbst in die Glaubwürdigkeitskrise. Die Krise ist nicht mehr Appell an die Entfaltung kreativer Anpassungskräfte der Menschen. Sie ist jetzt Signal für die drohende Apokalypse. Wir stehen kurz vor dem Untergang, je nach Krise ist es der Untergang des Kapitalismus oder gleich der ganzen Menschheit durch nicht aufhaltbare Flüchtlingsströme oder den Klimakollaps.

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