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Kolumne „Hanks Welt“ : Wem nützt die Migration?

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Herbst 2015: Migranten gehen hinter einem Fahrzeug der Bundespolizei in Bayern. Bild: dpa

Migration ist ein Freiheitsrecht. Doch umgekehrt haben die Bürger der Zielländer ein Recht, nach Kosten und Nutzen der Einwanderung zu fragen.

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          Vier Jahre ist es nun her, dass Deutschland unvorbereitet von einer Welle von Migranten in eine Identitätskrise gestürzt wurde. Der Schock sitzt bis heute. Wie tief, das wird sich spätestens dann zeigen, wenn in wenigen Wochen die Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen vorliegen.

          Rainer Hank
          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch es geht nicht nur um Nachwirkungen. Dass Menschen ihr Land verlassen und in andere Länder einwandern wollen, ist in unserer Welt nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall. Im Jahr 2017 waren 234 Millionen Menschen weltweit unterwegs, soviel wie noch nie in der Geschichte. Es ist illusionär zu meinen, es ließen sich die Ursachen der Wanderung eines Tages erfolgreich bekämpfen, so dass die meisten Menschen ein Leben lang da bleiben, wo sie geboren wurden. Solch eine Welt wäre weder ökonomisch noch moralisch wünschenswert. Auswandern ist ein Freiheitsrecht. Mitteleuropa war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein Kontinent, von dem große internationale Migrationsströme ausgingen, vor allem mit dem Ziel Amerika. Seither hat sich die Richtung gedreht: Heute sind wir attraktiv für Wanderer aus Südeuropa, dem Orient oder Asien.

          Umso wichtiger wäre eine nüchterne Bilanz über Kosten und Nutzen der Zuwanderung. Auch wenn Migration ein Freiheitsrecht ist, so haben doch die Bürger der Zielländer ebenfalls ein Recht, nach Kosten und Nutzen zu fragen. Denn die Ängste sind groß; wir fremdeln alle. Leider sind die Ökonomen, wie es so ihre Art ist, uneins, wie wir die Effekte der Migration beurteilen sollen. Ein gewisser Konsens lässt sich erkennen, weil es inzwischen auch eine große Zahl empirischer Literatur gibt. Ich halte mich im Folgenden an eine gute Zusammenfassung des Bochumer Finanzwissenschaftlers Martin Werding. Ihr Tenor: Befürchtungen, dass Zuwanderung die Konkurrenz am Arbeitsmarkt des Ziellandes stark verschärft und/oder Beschäftigung der bereits ansässigen Arbeitskräfte unter Druck setzt, haben sich als „weit übertrieben“ erwiesen. So positiv freilich die Bilanz für Löhne und Beschäftigung ausfällt, so kritisch wird es, blickt man auf Finanz- und Sozialsysteme in den Zuwanderungsländern; ich komme darauf zurück.

          Die Beschäftigung im Zielland leidet allenfalls kurzfristig

          Beginnen wir mit den Löhnen. Die Theorie würde annehmen, dass bei wachsendem Arbeitsangebot der Preis für die Arbeit, also der Lohn, sinken muss. Doch das ist offenkundig selten der Fall. Als empirisches Beispiel dient der „Mariel Boatlift“, der extrem gut untersucht ist: Im Frühjahr 1980 ließ Kuba 125.000 Bürger nach Miami ausreisen, was die Zahl der Erwerbspersonen dort schlagartig um acht Prozent erhöhte, die der Kubaner sogar um 20 Prozent. Die neuen Zuwanderer waren jung, unqualifiziert und erhielten schlechte Löhne. Doch bereits ansässige Gruppen (Weiße, Schwarze, andere Hispanics, früher eingewanderte Kubaner) mussten keinen Abschlag auf ihre Löhne hinnehmen – mit Ausnahme einer kleinen Gruppe farbiger Highschool-Abbrecher. Das heißt: Die Beschäftigung im Zielland leidet nicht oder nur wenig und allenfalls kurzfristig. Nicht einmal in Großbritannien, wo der Aufreger „Personenfreizügigkeit“ maßgeblich zur Brexit-Mehrheit beitrug, lassen sich negative Effekte im großen Stil nachweisen.

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