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Hanks Welt : Wozu Milliardäre gut sind

Yachten bei einer Show in Florida Bild: AFP

Gern wird übersehen: Nichts erschwert das Reichwerden in einer funktionierenden Marktwirtschaft so sehr wie der Wettbewerb. Außerdem brauchen wir Ärmeren die Milliardäre aus eigenem Interesse.

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          Jedes Jahr im November veröffentlicht die Schweizer UBS-Bank ihren Milliardärsbericht. Nach den jetzt vorgelegten Daten ist die Zahl der Superreichen im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen: Weltweit gibt es genau 2101 Menschen, die mehr als eine Milliarde Dollar ihr eigen nennen. Im Jahr zuvor zählte man noch 2158 Schwerreiche. Ihr Vermögen addiert sich heute auf unvorstellbare 8,5 Billionen Dollar. Wäre es gleich verteilt, entfielen auf jeden Milliardär gut vier Milliarden Dollar. Aber so ist es natürlich nicht: Auch unter den Milliardären gibt es große Ungleichheiten, eine Art Gerechtigkeitslücke im Club der „Happy Few“. Microsoft-Gründer Bill Gates, nach Amazon-Gründer Jeff Bezos der zweitreichste Mann der Welt, hat ein geschätztes Vermögen von 109 Milliarden Dollar. Der Abstand zu den unbekannten Milliardären, die mit einer oder zwei Milliarden auskommen müssen, ist groß.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass die Reichsten der Reichen 2018 insgesamt weniger geworden sind, wird die Kritiker großer Vermögen ebenso wenig besänftigen wie der Umstand, dass die Zahl der Milliardärinnen inzwischen rascher wächst als jene der milliardenschweren Männer. Denn wahr ist auch: Seit Jahren wächst das Vermögen der Superreichen deutlich rascher als der globale Wohlstand insgesamt. Kein Wunder, dass die Kritik an der Plutokratie immer populärer wird, von links bis rechts.

          In den Vereinigten Staaten, wo man Reichtum traditionell eher als Ausweis von Leistung bewundert, erhält die Demokratin Elizabeth Warren viel Unterstützung für ihren Vorschlag, den Reichen jährlich sechs Prozent ihres Vermögens abzuknöpfen, zusätzlich zu einer progressiven Einkommensteuer. Radikaler noch ist der Links-Demokrat Bernie Sanders, der findet, Milliardäre sollte es eigentlich gar nicht geben: „Jeder Superreiche ist ein Beleg für Politikversagen.“ Und in Großbritannien tritt Jeremy Corbyn im Dezember zur Wahl mit einem sozialistischen Programm an, das sich wenig von dem Sanders’ unterscheidet.

          Reichtum als moralisches Problem?

          Was ist nur aus der Politik im angelsächsischen Kapitalismus geworden! Im Vergleich zu Großbritannien und Amerika geht es hierzulande geradezu bescheiden zu, was womöglich auch damit zusammenhängt, dass sich nicht nur die SPD, sondern auch die Linkspartei nach dem Rückzug von Sahra Wagenknecht in einem Prozess stiller Selbstfindung befindet, der – vorerst – keine Zeit lässt für Reichen-Bashing und Antikapitalismus.

          Okay: Die SPD hat durchgesetzt, dass die Reichen noch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag als Strafe für ihren Reichtum den Soli zahlen müssen. Zudem hat man in Berlin den Immobilienbesitzern einen Mietendeckel verpasst, der einer Teilenteignung gleichkommt. Und auf die Managergehälter kommt künftig auch ein Deckel zulässiger Maximalvergütung. Doch im Vergleich mit den Vereinigten Staaten, wo neben einer hohen Vermögensteuer Vorschläge für Einkommensteuertarife von bis zu 90 Prozent im Umlauf sind, könnte man meinen, wir leben hier im Land der fast unbegrenzten Bereicherungsmöglichkeiten.

          Immer vernehmlicher artikuliert sich indes auch im deutschsprachigen Raum die moralische und ökonomische Kritik am Milliardärsdasein. Christian Neuhäuser, ein Professor für praktische Philosophie an der TU Dortmund, schreibt in seinem im vergangenen Jahr erschienenen Buch „Reichtum als moralisches Problem“, er wisse nicht, warum Menschen, die bereits reicher seien, als irgendeiner nötig habe, ihre Mittel verdoppelten, um Dinge zu kaufen, die außer der Zurschaustellung ihres Reichtums nur wenig oder gar keine Freuden schafften.

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