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Hanks Welt : Wir in der Risikogruppe

Eine Kundin mit einem farbenfrohen Mundschutz Bild: dpa

Zwar bedroht die Corona-Pandemie die Menschheit als Ganzes, aber das Risiko nimmt mit dem Alter zu. Statt zu klagen sollten die Alten den Jungen dankbar sein.

          4 Min.

          Willkommen in der Risikogruppe! Das war meine Grußformel, die ich einem Freund anlässlich seines 60. Geburtstags vergangene Woche zurief. Nicht sehr feinfühlig, wie mir klarwurde. Wer will schon gerne ein Risiko sein, weder für andere noch für sich selbst. Wen immer ich derzeit aus meiner Alterskohorte spreche, hat daran zu knabbern. „Was mir der Coronakomplex antut, ist, dass er mich zum ,Senior‘ macht“, schreibt mir ein putzmunterer akademischer Emeritus: Die Politik wolle ihm Reisen zu Vorträgen oder Arbeitstagungen verbieten und ihm Berufsverbot erteilen, knurrt er.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das alles ist eine gewaltige narzisstische Kränkung. Wir Alten – wie sich das schon anhört – rebellieren innerlich ununterbrochen. Die liebste Entlastungsübung geht so: Wir rechnen uns souverän aus der Risikogruppe raus. Denn biographisches Alter und biologisches Alter klaffen bekanntlich auseinander. „60 ist das neue 50“, so ungefähr jedenfalls geht das Spiel. Das alles, man muss es so klar sagen, sind mehr oder weniger hilflose Anstrengungen, die das Ziel haben, die sichtbare und zählbare Anwesenheit des Todes in den Hintergrund zu drängen. Aber wie soll man das nur schaffen, bei all den Statistiken zur „Übersterblichkeit“, mit denen wir täglich konfrontiert werden (von den Fernsehbildern der Särge ganz abgesehen).

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