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Hanks Welt : Kollege Roboter übernimmt

Der Roboter Alpha Mini auf der CES in Las Vegas im vergangenen Jahr. Bild: AFP

Führt Künstliche Intelligenz zu neuer Massenarbeitslosigkeit? Die Diskussion ist abermals entbrannt – ein gutes Rezept bleibt indes gleich.

          4 Min.

          Seit Aristoteles galt die Überzeugung, Arbeit sei die von Gott gegebene Bestimmung der Menschen. Ihr Wert erschöpft sich längst nicht nur in der Erzielung von Einkommen. Noch die entfremdetste Tätigkeit enthält einen Rest von Sinngebung. Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er arbeitet.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Einer geregelten, einigermaßen sinnvollen Arbeit nachzugehen bedeutet, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Und dafür etwas Lebensnotwendiges zu erhalten, nämlich Anerkennung. So hat es der Frankfurter Philosoph Axel Honneth immer wieder beschrieben. Wenn das stimmt, ist allein die Möglichkeit einer Welt, der die Arbeit auszugehen droht, der „Worst Case“.

          Vor diesem Hintergrund bereiten Meldungen aus den ersten Tagen des neuen Jahres Sorgen, wonach die deutsche Industrie Beschäftigung reduzieren will. Gewiss, wir leben derzeit in der besten aller Welten: 45 Millionen Menschen haben hierzulande eine Arbeit, für die sie Geld bekommen. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie lange nicht mehr. Fachkräftemangel, nicht Jobverlust, heißt das Angstwort der unmittelbaren Gegenwart.

          „Maschinen bauen Maschinen“

          Doch die Gegenwart könnte falsche Sicherheit vorgaukeln. Und die Meldungen über den Jobabbau könnten ein Vorbote der Zukunft sein. Was passiert, wenn Autos künftig von Robotern und Automaten gebaut werden? „Maschinen bauen Maschinen“, so lautet die furchteinflößende Utopie des Tesla-Chefs Elon Musk (die der Querkopf zwischendurch auch gerne mal widerruft).

          Das ist das paradoxe Pendant zu Henry Fords berühmtem Satz „Autos kaufen keine Autos“, womit er zum Ausdruck bringen wollte, dass ohne Kaufkraft der Menschen kein Produkt absetzbar ist. Wenn also Roboter Autos bauen, wer kauft dann die von Robotern produzierten Autos, wenn die Fabrikarbeiter keine Arbeit und kein Geld mehr haben?

          Und, schlimmer noch: Was machen die arbeitslos gewordenen Arbeiter? Depressiv von einem zwar bedingungslosen, aber kargen Grundeinkommen der Sinnlosigkeit ins Auge schauen – das ist ein schwacher Trost, den Top-Manager und linke Utopisten derzeit anzubieten haben.

          Unversöhnt stehen sich zwei Gruppen gegenüber. Die Pessimisten sagen: Industrieroboter und Künstliche Intelligenz automatisieren nach und nach alle notwendigen Aufgaben, was langfristig zu Massenarbeitslosigkeit führen muss. „Ganz falsch!“, kontern die Optimisten: Automatisierung wird die Produktivität verbessern. Aus solchen Produktivitätsgewinnen resultiert eine steigende Arbeitsnachfrage. Vollbeschäftigung, das Gegenteil von Massenarbeitslosigkeit, wird es auch im KI-Zeitalter geben.

          Wer hat recht? Daron Acemoglu, ein renommierter Ökonom am Massachusetts Institute for Technology (MIT), hat für die an diesem Wochenende in San Diego stattfindende Jahrestagung der Vereinigung amerikanischer Ökonomen (AEA) eine Studie vorgelegt, welche paradoxerweise zeigt, dass Pessimisten und Optimisten recht haben.

          Dazu hilft ein Blick in die Geschichte. Zunächst: Wenn Maschinen Aufgaben übernehmen, die zuvor von Menschen erledigt wurden, dann führt das zu Arbeitslosigkeit. Das haben im 19. Jahrhundert die Weber in Schlesien nicht anders erlebt als die Landarbeiter in den amerikanischen Südstaaten. Acemoglu nennt das den Verdrängungseffekt („displacement effect“).

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